Die Auferstehung der Toten und das Ewige Leben

"Das Ewige Leben besteht in voll gestillter Sehnsucht; denn dort besitzt jeder Selige mehr als er sich ersehnte und erhoffte. Das kommt daher, dass niemand im irdischen Leben seine Sehnsucht stillen kann und dass etwas Geschaffenes niemals das Verlangen des Menschen erfüllt."
(Thomas von Aquin)

Begriffsklärung

Die theologische Disziplin, die sich mit dem Ende des Menschen und dem Ende der Welt beschäftigt, nennt man Eschatologie (gr. eschata: die letzten Dinge), die Lehre von den letzten Dingen. Diese sind nach alter Tradition: Tod, Gericht, Hölle und Himmel.

Die Verhülltheit der letzten Dinge

Christen reden manchmal mit einer gewissen Eindringlichkeit der Eingeweihten, also derjenigen, die sich bei Gott und in seiner Ewigkeit besser auskennen als in den finsteren Verliesen der Gegenwart. Aber in Wirklichkeit ist es so, dass der Tod auch für den Christen das Geheimnis bleibt, das auch er schweigend und aus allen Bildern ins Unsagbare heraustretend, zu respektieren hat.


Tod und Ewigkeit

"Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen", so beginnt ein aus dem elften Jahrhundert stammendes Lied. Krankheit, Misserfolg und Leiden sind Vorboten des Todes. Sie sind Zeichen dafür, dass wir unser Leben letztlich nicht in der Hand haben. Es entgleitet uns immer wieder und im Tod wird es uns endgültig entzogen.

Die Theologie meint nicht, dass es nach dem Tod weitergeht, als ob, um mit Ludwig Feuerbach zu reden, nur die Pferde gewechselt und dann weitergefahren würde. Vielmehr setzt der Tod ein Ende für den ganzen Menschen. Wer die Zeit über den Tod des Menschen hinaus und in dieser Zeit die Seele weiterdauern lässt, so dass eine neue Zeit wird, anstatt dass die Zeit in Endgültigkeit aufgehoben ist, der ignoriert ein wichtiges Fundament der Theologie.

Wer aber meint, mit dem Tod sei alles aus, weil die Zeit des Menschen nicht weitergeht, weil sie, die einmal begonnen hat, auch einmal enden müsse, weil schließlich eine ins Unendliche sich fortbewegende Zeit in ihrem leeren Gang ins immer Neue, das das Alte dauernd annulliert, eigentlich schrecklich ist, der unterliegt ebenso dem Schema unserer empirischen Zeitvorstellung wie der, der die Seele fortdauern lässt.

Ewigkeit versteht die Theologie nicht als eine unübersehbare, lang dauernde Weise der Zeit. Vielmehr ist durch den Tod das, was geworden ist, befreite Gültigkeit des einstmals Zeitlichen.


Gericht

Sowohl für das Alte Testament als auch für das Neue Testament ist die Hoffnung auf das endgültige Bei-Gott-Sein kein Zusatz zum Gottesglauben, sondern dessen Konsequenz.

Das lat. Wort persona bezeichnete zunächst Maske, Rolle (im Schauspiel), Charakter, bis es allmählich auch die Bedeutung von Person in unserem Sinne erlangte. Mit dem Begriff Gericht meint die Theologie, dass dem Menschen angesichts der absoluten Wahrheit Gottes die Wahrheit über sein Leben aufgeht. Die Masken fallen und die Verstellungen und Selbsttäuschungen haben ein Ende. Dem Menschen wird endgültig offenkundig, ob er sein Leben gewonnen oder verfehlt hat.


Die Möglichkeit endgültiger Verlorenheit

Die Aussagen Jesu im Neuen Testament, z.B. vom letzten Gericht, bedeuten, dass der Mensch mit der Möglichkeit endgültigen Verlorenseins rechnen muss. Schon allein deswegen besteht diese Möglichkeit, weil ansonst die Ernsthaftigkeit einer freien Lebensgeschichte nicht mehr bestünde.

Unser Wort Hölle kommt vom germ. Hel, das das Totenreich und seine Göttin bezeichnet. Die Lehre von der Hölle besagt, dass das Leben des Menschen von der realen Möglichkeit des Scheiterns bedroht ist. Diese Möglichkeit äußert sich darin, dass der Mensch frei ist und sich deshalb Gott verweigern kann. Jesus spricht dies direkt aus, wenn er vor den Folgen des eigensinnigen und eigenmächtigen Sich-selbst-Verschließens (dem Fehlen der Liebe, nach der gerichtet wird, so z.B. in der Rede vom Weltgericht bei Mt 25,31-46) in Bildern warnt. Jesus verkündet den Ernst der gegenwärtigen Situation und die Bedeutung der menschlichen Geschichte. Damit weist er jeden Leichtsinn und jede Oberflächlichkeit der Beurteilung des Verhältnisses zwischen Mensch und Gott ab.

In welchem Umfang sich diese Möglichkeit bei den Menschen tatsächlich verwirklicht, darüber gibt es weder in der Bibel Aussagen noch Entscheidungen des kirchlichen Lehramtes.

Der Sinn der Lehre von der Hölle besteht auch nicht in der Information und der Stillung menschlicher Neugier, sondern im Ruf zur Besinnung und zur Umkehr.


Himmel

Grundlegend für das menschliche Leben ist die Aporie, dass das Glück, das wir suchen, vollkommen und dauerhaft sein soll, das Leben aber wechselhaft und endlich ist. Daher macht der Mensch leidvolle Erfahrungen der "Unganzheit". Diese schmälern aber nicht seine Sehnsucht.

Nach einigen Aussagen der Bibel besteht die Seligkeit des Himmels in der Anschauung Gottes, z.B heißt es im ersten Johannesbrief 3,2: "Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird, denn wir werden ihn sehen, wie er ist."

Nach der Lehre der Kirche bedeutet dies, dass dem Menschen das unergründliche Geheimnis Gottes als Grund und Ziel des eigenen Lebens aufgeht. Der Mensch nimmt teil an Gottes Seligkeit und erfährt dadurch seine eigene Vollendung.

Doch wie Gott den Menschen ein unergründliches Geheimnis ist, so ist es auch die Gemeinschaft mit ihm. Deshalb heißt es im ersten Korintherbrief 2,9: "was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben".

Die endgültige Gemeinschaft mit Gott bedeutet keine Isolierung, sondern begründet auch die Gemeinschaft der Heiligen. So gehört seit ältester Überzeugung zur Seligkeit des Himmels auch die Gemeinschaft mit den Heiligen und den Menschen, die wir auf Erden geliebt haben.


Dies irae

Dieser Hymnus, der seit dem 13. Jahrhundert in Italien bekannt wurde, war lange Zeit der textliche Mittelpunkt der Totenliturgie. Durch die Liturgiereform nach dem zweiten Vatikanischen Konzil wurde er aus der Liturgie genommen. In den großen Requiemkompositionen von Cherubini, Mozart, Berlioz, Verdi u.a. tritt er als dramatischer Satz in den Mittelpunkt.

Der Hymnus enthält das Schaudern des mittelalterlichen Menschen vor dem Tod und die Hoffnung auf Gottes Vergebung. So ist er immer noch ein Text, der das Geheimnis der menschlichen Schuld und der menschlichen Hoffnung auf Rettung in einprägsamer und metaphernreicher Sprache formuliert.

>> Dies irae (lateinischer und deutscher Text)



   
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