BILDERVEREHRUNG UND IKONOKLASMUS

Der Begriff Ikonoklasmus (gr.) bedeutet: Bildersturm, Abschaffung und Zerstörung von Heiligenbildern (besonders ist damit der Bilderstreit in der byzantinischen Kirche des 8. und 9. Jahrhunderts gemeint).

Einleitung

Die Auseinandersetzung über die Verehrung Gottes und seiner Heiligen in Bildern hielt, während sie den Westen kaum berührte, den Osten mehr als ein Jahrhundert in Atem, und ihr Abschluß begründete die Orthodoxie.

Byzanz führte auf seine Weise eine aus der griechischen und römischen Antike stammende Tradition fort, die das Kunstwerk hochschätzte und zugleich die von ihm erzeugte Illusion denunzierte. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand die Frage der Berechtigung oder Ablehnung des Kultbildes, deren Wurzel natürlich in den jüdischen Ursprung des Christentums hineinverweist.

Die früheste christliche Kunst beschränkte sich auf Symbole (Anker, Lamm, Fisch etwa) und zögerte, den Gebrauch von Bildern wie etwa das Bild Christi zu verallgemeinern. Als sich die Bildnisse Christi zu verbreiten begannen, trugen die Bilder und die diese kommentierenden Texte viele Vorbehalte. Man war etwa der Meinung, dass Christus hässlich gewesen sei.

Die Erkenntnis der Ursachen des Bilderstreits wird durch die Quellenlage erschwert, da fast die gesamte Literatur der Bilderfeinde unterging. Drei Hypothesen scheiden aus:

  1. Die bilderfeindlichen Kaiser seien rationalistische Aufklärer gewesen, die jeden Aberglauben bekämpften.
  2. Der Kampf gegen die Bilder habe die religiöse und wirtschaftliche Macht der Mönche brechen wollen.
  3. Kaiser Leon III. (717-741) sei von seiner syrischen Heimat her von vornherein bilderfeindlich eingestellt gewesen.

Am wahrscheinlichsten ist, dass eine immer schon vorhandene Abneigung in der Kirche gegen den Bilderkult zu Beginn des 8. Jahrhunderts an Boden gewann. Kaiser Leon III. schloss sich dieser Auffassung an. Vielleicht wurde er in seiner Entscheidung durch gleichgerichtete Strömungen im damaligen Judentum und durch ein bilderfeindliches Edikt des Kalifen Yazid II. (721) bestärkt. An der Überzeugung des Kaisers, er bekämpfe Auswüchse des christlichen Glaubens, ist nicht zu zweifeln.

Verlauf

Ein Edikt aus dem Jahre 730 untersagte mit strengen Sanktionen den Bilderkult. Da sich der Patriarch von Byzanz, Germanos I., weigerte, es zu unterzeichnen, wurde er abgesetzt. Es folgte eine schonungslose Verfolgung der Bilderanhänger, besonders der Mönche, die mit Gefängnis, Folter und brutalen Hinrichtungsmethoden als Druckmittel bestraft wurden.

Nach langen Auseinandersetzungen verwarf 787 das II. Konzil von Nizäa jedoch die bilderfeindlichen Erlässe und rechtfertigte die Bilderverehrung.

Geistige Auseinandersetzung

Die Ikonoklasten stützten sich vor allem auf das alttestamentarische Bilderverbot. Kaiser Konstantin V. argumentierte vor allem so, dass Bilder Christi auch seine göttliche Natur darstellen müssten. Dies sei unmöglich, daher sei jede bildliche Darstellung Christi abzulehnen.

Die Argumente der Orthodoxie wurden vor allem von Johannes von Damaskus erarbeitet. Da Christus Mensch geworden ist, sei die Materie in die Verklärung emporgehoben worden und daher eine bildliche Darstellung möglich geworden. Die Verehrung des Bildes gelte seinem Urbild, das Bild verachten heiße daher sein Urbild verachten. Das Bild sei zwar nicht wesensgleich mit dem Urbild, es bestehe aber zwischen ihnen eine Verbindung.

Einer alten Überlieferung zufolge gab es in der Stadt Edessa (heute Urfa in der Türkei) ein Originalbild Christi, das auf Addai, einen der 72 Jünger Jesu zurückging. Dies berichtet jedenfalls Eusebios, der bedeutende Historiker aus der Zeit Konstantins des Großen. Die Ikonenmalerei, die vorgab sich an dieses Urbild Christi zu halten, war ein wichtiges Teilgebiet der byzantinischen Kunst und sie ist es heute noch in der gesamten orthodoxen Kirche. Meist war die Ikonenmalerei Werk der Mönche. Nach byzantinischer Auffassung vergegenwärtigt die Ikone das Dargestellte und wird dadurch zum Mysterium und zum Zentrum der Bilderverehrung. Der Ikonenmaler "schreibt" das Evangelium Jesu Christi in Farben und muss sich genau an den überlieferten Malkanon halten, wie ihn die byzantinische Kirche nach dem Ende des Bilderstreits festlegte.

Die Bildtafel wird aus möglichst harzfreiem Holz genommen (Erle, Birke, Zypresse) und gegen ein Verziehen durch Querleisten gesichert. Vorne wird eine vertiefte Fläche aus dem Holz gearbeitet, wodurch um diese ein Rand entsteht. Auf dem Bildgrund leimt man oft eine Leinwand, um das Holz und den Malgrund zu verfestigen. Dieser Malgrund wird in mehreren hauchdünnen Schichten aus Leim und Kreide aufgetragen und oft mit Blattgold belegt. Die Malerei wird dann in Ei-Tempera (mit Ei gebundene Farbe) ausgeführt. Die Umrisse der Gestalten und Szenen überträgt der Ikonenmaler von alten Ikonen oder er entnimmt sie einem Malbuch, z.B. dem Malerbuch vom Berge Athos. Nach Abschluss der Malerei wird die Ikone mit einer Mischung aus Olivenöl und Harzen überzogen. Diese schützt das Bild gegen Feuchtigkeit und verleiht der Malerei einen zarten, warmen Glanz.

Mittelalter und Reformation

Durch das ganze Mittelalter zieht sich eine Kritik an der missbräuchlichen Verwendung der religiösen Bilder (z.B. durch die Armutsbewegungen). Ende des 15. Jahrhunderts wird sie angesichts der Veräußerlichung der Volksfrömmigkeit und der Verweltlichung der Kunst in der Renaissance immer lauter (z.B. durch Savonarola).

Der Bildersturm der Reformation nahm seinen Ausgang von der Frage nach dem rechten Gottesdienst. Etwa der Kampf gegen den Reliquienkult führte zur Beseitigung der Bilder und Nebenaltäre. Später nahm Luther eine durchaus gemäßigte Haltung ein. Zwinglis und Calvins totale Ablehnung der Bilder führten zu gewaltigen Bilderstürmen in Frankreich und den Niederlanden (1566).

Am Konzil von Trient wurde 1563 beschlossen, dass richtige Bilderverehrung erlaubt sei, die Bilder eine erzieherische Bedeutung haben können und die Beseitigung von Missständen durchzuführen sei.

Der Bildersturm und damit die Verdrängung der bildenden Kunst aus den Kirchen förderten deren Hinwendung zum Profanen.

Schlussfolgerung

Kein Katholik ist verpflichtet, Bilder kultisch zu verehren, da man das Original auch ohne Bilder ehren kann.


   
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