Zoran Mušič

im Leopold Museum, Wien, und im Palazzo Fortuny, Venedig,
Mai 2018

Zoran Mušič wurde am 12. Februar 1909 in Bukovica in der Nähe von Görz, damals Österreich-Ungarn, als Sohn einer Lehrerfamilie geboren. Er besuchte die Kunstakademie in Zagreb und lebte dann in Maribor und Ljubljana, bis er 1943 nach Venedig übersiedelte. Im Oktober 1944 wurde er verhaftet, da man ihn des Umgangs mit Partisanen verdächtigte. Spitzeldienste für die Gestapo wies er zurück. Dies hatte seine Verhaftung zur Folge und er wurde in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Von Wärtern erhielt er die Möglichkeit, Zeichnungen vom Lagerleben anzufertigen. Von den etwa zweihundert Zeichnungen sind 36 erhalten.

Nach seiner Befreiung ging Mušič im Juni 1946 nach Ljubljana zurück. Bald übersiedelte er wieder nach Venedig, wo 1946 seine erste Einzelausstellung stattfand. Zuflucht fand er bei der Schnitzer-, Bildhauer- und Malerfamilie Cadorin, wo er auch seine spätere Frau Ida Cadorin kennen lernte. Sie wurde seine ständige Begleiterin bis zu seinem Tod. In den letzten Jahren lebten sie zurückgezogen in einem düsteren Palazzo zwischen der Accademia und dem Peggy Guggenheim-Museum. 1948 besucht ihn Oskar Kokoschka in Venedig. Ab 1953 hatte er auch ein Atelier in Paris, das ihm der Photograph Brassaï zur Verfügung stellte. In den Jahren 1956 bis 1960 verbrachte er jährlich eine längere Zeit in Dalmatien. Die dalmatinische Landschaft bildete den Ausgangspunkt für einen malerischen Neubeginn. 1970 bis 1975 entstand der Werkzyklus “Wir sind nicht die Letzten“. In diesem verwandelte er die Schrecken seiner KZ-Erfahrungen in Zeugnisse universell gültiger Tragik.

Neben bedeutenden Ausstellungen im venezianischen Palazzo Correr, dem Centre Pompidou, dem Grand Palais, dem Palazzo Reale in Mailand weckte er das Interesse vieler Künstler und anderer, etwa des französischen Präsidenten Francois Mitterand, welcher sich mit ihm anfreundete. Doch allmählich war er nur mehr physisch präsent. Hand und Geist ermöglichtem ihm nach 2001 keine weiteren Kreationen. Er erlosch in dem dunklen Palazzo in Dorsoduro 865. Einst hatte er selbst die Fährleute gemalt. Fährleute brachten seinen Körper am 25. Mai 2005 nach San Michele, der venezianischen Toteninsel.

    


   
Seitenanfang
Seitenende