Öl auf Holz, 47,3 x 34,8 cm, um 1509, Gallerie degli Uffizi, Florenz

Raffael in der Albertina

14. XI. 2017

Raffaello Sanzio da Urbino wurde 1483 in Urbino geboren und starb am
6. April 1520 in Rom.

Giorgio Vasari zählte Raffael zur Triade der großen Protagonisten der maniera moderna, welche die Perfektion der Künste darstellt. Was Raffael allerdings von Leonardo und Michelangelo unterscheidet, sind grazia und studio, Anmut im Sinn von Liebenswürdigkeit und Fleiß. Michelangelo und Leonardo schreibt Vasari, dem einen mehr als dem anderen, terribilià zu, Schrecklichkeit im Sinne einer erhabenen Negativität.
Raffael besaß die Gabe, im Medium der Malerei Geschichten zu erzählen, welche den Betrachter affektiv erreichen. So verwundert es nicht, dass von Raffael gesagt wurde, sein Werk, das schweigt, könne so tief in die innersten Gefühle des Betrachters eindringen, als ob es selbst die Macht des gesprochenen Wortes überträfe.

Kardinal Pietro Bembo (*1470 in Venedig, +1547 in Rom), der Herausgeber der Werke von Dante und Petrarca sowie Sammler und Mäzen von Andrea Mantegna, Iacopo Bellini, Hans Memling und auch Raffael, wird von Giorgio Vasari als Verfasser des abschließenden Zweizeilers des Epitaphs auf Raffael genannt:

Dies ist Raffael, durch den selbst Mutter Natur gefürchtet hatte, besiegt zu werden;
Als er starb, hatte sie geglaubt, sterben zu müssen.

Herzog Baldassare Castiglione (*1478 in Casatico bei Mantua, +1529 in Toldeo), Humanist, Staatsmann, Sammler, Antiquar und Verfasser des Buches – heute würden wir es einen Bestseller nennen – Libro del Cortegiano, war mit Raffael eng befreundet. Raffael schuf um 1514/15 ein Porträt von Castiglione. Nach dem frühen Tod Raffaels schrieb der Herzog folgendes:

      Denn der zerrissene Leib des Hipolytus¹ wurde durch die heilende Kunst gesundet und aus den Wassern des Styx zurückgerufen,
      Epidaurus selbst wurde von den Wellen des Styx geraubt. So war der Tod des Meisters der Preis des Lebens.
      Auch du, Raffael, setztest durch dein bewundernswertes Genie das zerstückelte Rom wie einen ungeteilten Körper zusammen,
      den durch Eisen, Feuer und die Jahre zerstückelten Kadaver der Stadt hast du ins Leben und zu antikem Glanz zurückgerufen.
      So hast du den Neid der Götter geweckt, und der Tod ist entrüstet: gegen sein Gesetz hast du dem längst Zerstörten, welches er auf seinem Weg über lange Zeit hinweg allmählich vernichtet hat, die Seele zurückgegeben.
      Oh Elender, in der Blüte deines Lebens fällst du und gemahnst uns, dass wir alle und alles, was wir haben, dem Tod geweiht ist.

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1) Den Mythos des Hippolytos gibt es in mehreren Versionen.
Die in ihren Stiefsohn Hippolytos verliebte, aber zurückgewiesene Phaidra begeht Selbstmord, verleumdet aber vorher auf einem Täfelchen Hippolytos. Dieses veranlasst ihren Mann Theseus, Hippolytos zu verfluchen. Daraufhin flieht Hippolytos mit seinem Wagen. Auf Bitten des Theseus sendet Poseidon ein Meeresungeheuer, welches die Pferde des Wagens scheuen lässt, woraufhin Hippolytos von den Tieren zu Tode geschleift wird.

2) In seinem berühmten, gemeinsam mit Castiglione verfassten Brief an Leo X. äußerte Raffael sein Bedauern über die Zerstörung des antiken Roms. Daraufhin ernannte ihn der Papst zum praefectus marmorum et lapidum. Raffael, dessen Methode zur Erfassung der antiken Monumente auf systematischen Rekonstruktionen basierte, gilt daher als Begründer der klassischen Archäologie.



   
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