Die wichtigsten Aussagen von Genesis 1 - 11

Der Text Gen 1,1-2,4a wird Schöpfungshymnus oder Schöpfungsbericht genannt. Er schildert die Schöpfung als Sechstagewerk, mit dem die Bibel beginnt.

Der Schöpfungsbericht ist umrahmt von einer Einleitung, die den chaotischen Urzustand (Gen 1,1f), und einem Schluss, der den Endzustand (Gen 2,1-3) darstellt. Demnach soll die Schöpfung als Wandlung vom Chaos zum Kosmos (griech. Ordnung, Schmuck, Weltordnung) verstanden werden.

Die Schöpfungsgeschichte ist in das Wochenschema eingespannt, so dass sich der Bericht in sechs Strophen teilt und durch den Refrain "und es ward Abend, und es ward Morgen", der jeden Schöpfungstag beschließt, einen straffen rhythmischen Aufbau erhält.

Auf Grund seines Aufbaus muss der Schöpfungsbericht in einem Milieu beheimatet sein, das von dogmatischen (= an eine Lehre gebundenen) Interessen beherrscht war, in dem man gewohnt war zu differenzieren, zu definieren und zu klassifizieren. Deshalb ist es naheliegend, die Priesterschaft des Tempels in Jerusalem als textverantwortliche Größe zu sehen.

Die Rückführung der ganzen Schöpfung auf Gottes Wort ist also die beherrschende Tendenz des Schöpfungsberichts.

Das Verhältnis von Gott und Mensch, das entscheidende Thema der ganzen Bibel, wird im Schöpfungsbericht sogleich mit aller Intensität begonnen. Die wichtigste Aussage des Schöpfungsberichts besteht darin, dass der ganze Kosmos zu dem einen und außerweltlichen Gott im Verhältnis des Geschöpfes steht. Dies ist eine unüberhörbare Kritik an den Religionen der anderen Völker. Im alten Orient wurde den Gestirnen, den Tieren und der geschlechtlichen Fruchtbarkeit weitgehend göttliche Verehrung entgegengebracht.

Die Sonderstellung des Menschen in der Schöpfung ist schon durch den Aufbau des Schöpfungsberichts ausgesprochen: Der Mensch als letztes und zugleich vollkommenstes Geschöpf Gottes.

Da für den Orientalen der Name stellvertretend für die Person steht und deren Wesen ausdrückt, weist die wörtliche Übereinstimmung von Mensch (adam) und Erde (adamah) auf den wesentlichen Zusammenhang hin, den die Bibel aussagen will: Durch Ursprung und Bestimmung ist der Mensch der Erde zugeordnet. Er muss sie bearbeiten, sie ist sein natürlicher Lebensraum. (Eva = Leben; die Vorstellung, Eva sei aus dem ersten Menschen gebildet, sagt nichts über ihre Entstehung aus, sondern betont lediglich die enge Bindung von Mann und Frau.) Der Schöpfungsbericht spricht nur von der Erschaffung der Gattungen, nicht von Individuen. Ebenso schweigt er über das Wie der Entstehung. Offenbar geschieht dies im Bewusstsein, dass dafür die Theologie nicht zuständig ist. Daher ist es methodisch falsch, moderne Fragestellungen wie Evolution usw. vom Schöpfungsbericht her erhellen zu wollen.

Da die Bibel als menschliches Buch nicht imstande ist, die volle Wirklichkeit Gottes auszudrücken, bleibt es immerwährende Aufgabe, das Geheimnis Gottes aus der Heiligen Schrift zu erkunden.

Nach einer Einleitung, die babylonischen Kosmogonien (Weltentstehungsmythen) sehr ähnlich ist, wird der Mensch als Mittelpunkt der Schöpfung dargestellt. Folglich besteht er aus einem zweifachen Element:

In der Welt tritt die Versuchung an den Menschen heran. Der Versucher nähert sich dem Menschen in Gestalt einer Schlange. Der Versucher verleitet den Menschen zum Ungehorsam gegen Gott. Der oder die Autoren bringen diesen Ungehorsam in sibyllinischer (geheimnisvoller, rätselhafter) Sprache zum Ausdruck. Er setzt die Erkenntnis des Guten und Bösen in Beziehung zur Weisheit als dem praktischen Wissen um das menschliche Glück. Aber an der Stelle des Glücks entdeckt der Mensch Schwäche, Verderben und Tod. Der Mensch hat sich in der Gehorsamsverweigerung vom Gott des Lebens getrennt. Der Zustand, in dem der Mensch dem Leiden und dem Tod unterworfen ist, geht also nicht auf Gott zurück, sondern auf den Menschen selbst. Dies trifft jeden Menschen, der in die Welt kommt, noch bevor er persönlich schuldig wird. Diesen Versuch einer Erklärung der menschlichen Natur, nennt die Theologie Erbschuld.

Die Anmaßung, mit den bloßen Mitteln des menschlichen Könnens (Geschichte vom Turmbau zu Babel) zum Glück zu kommen, ist ebenso zum Scheitern verurteilt wie die Anmaßung Adams und Evas, aus eigener Kraft zum Wissen um gut und böse zu gelangen.

So wenig die Bibel die Entstehung der Welt wissenschaftlich erklärt, so wenig liefert sie einen philosophischen Traktat über den Menschen. Ihr Bericht von der Erschaffung des Menschen ähnelt vielmehr einer existentiellen Wesensaussage über den Menschen:



Kurze Inhaltsangabe der Kapitel 1-11:

  1. Schöpfung
  2. Sabbat, Mensch im Paradies, Eva
  3. Sündenfall
  4. Kain und Abel
  5. Nachkommen Kains bis Noah
  6. Gottes Beschluss, die verderbte Menschheit zu vernichten
  7. Sintflut
  8. Ende der Flut
  9. Bund Gottes mit Noah
  10. Völkertafel
  11. Turmbau zu Babel

   
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