RELIGIONSWISSENSCHAFTLICHE GRUNDBEGRIFFE
(Das Heilige, Tabu, Sakrales Königtum, Magie, Totemismus etc.)

Was ist Religion?

Religion nennt man im allgemeinen Sinn die erlebte Beziehung zwischen dem Menschen und einer übermenschlichen Macht, an die er glaubt und von der er sich abhängig fühlt. Jacob Burckhardt, der große Kulturhistoriker, meinte: "Die Religionen sind der Ausdruck des ewigen und unzerstörbaren Bedürfnisses der Menschennatur. Die Größe der Religion ist, dass sie die ganze übersinnliche Ergänzung des Menschen, alles das, was er sich nicht selber geben kann, darstellt." Die Religion will auf die Fragen der Menschen Antwort geben und von verschiedenen Hindernissen frei machen, die die Gemeinschaft mit dem Göttlichen unterbinden. Der Mensch strebt voll Unrast nach Erfolg, Glück und Wohlergehen. Jedoch im tiefsten Innern sucht er einen festen Grund, er möchte einen Sinn seines Daseins sehen. Sehnsucht nach Frieden, Wahrheit und einem den Tod überwindenden Leben erfüllt den ihn. Es gab kein Volk in der Geschichte, von dem bekannt wäre, dass es ohne Religion ausgekommen sei.

Religion bekundet sich als eine Summe von Glaubensvorstellungen, die auf eine Wirklichkeit bezogen ist, die zwar nicht beweisbar, für den Gläubigen aber unbedingt gewiss ist.

Der Ursprung der Religion

Der Ursprung der Religion bleibt für unser Wissen verborgen. Es gibt keine Berichte über den Anfang der Religion. Den religionslosen Menschen kennt weder die Ethnologie noch die Ur- und Frühgeschichte. Wir wissen über den Ursprung nichts, da der weitaus größte Teil der Menschheitsgeschichte ganz im Dunkeln liegt oder bestenfalls in einem unbestimmten Dämmerlicht, das bis jetzt nicht erhellt werden konnte. Der halbwegs überschaubare Zeitraum der menschlichen Geschichte beträgt 6000 Jahre.

Wenn wir auf alle uns bekannten Religionen sehen, läßt sich vielleicht vorsichtig andeuten, dass überall das Streben nach einer verlorengegangenen Einheit am Werk ist. Religion geht immer von einer Lebensspaltung zwischen Mensch und Welt, zwischen Mensch und Gott oder Göttern aus. Die Sehnsucht des Menschen geht nach Einheit, nach Überwindung der Gespaltenheit. Dies erscheint ihm lebensnotwendig. Wichtig dabei ist, dass er die erstrebte Einheit in Wirklichkeit nie zu erreichen vermag. So ist das Wesen der Religion in einem Widerstreit zu sehen, in dessen Ursprung und Brennpunkt die Lebensspaltung als solche steht.

Allen Religionen ist gemeinsam, dass sie den Menschen im Innersten bewegen, weil Religiosität ein Verhalten darstellt, das im Kern des menschlichen Daseins verwurzelt ist. Um der Religion willen ist der Mensch bereit, alles auf sich zu nehmen, aus Religiosität entschließt er sich zu Verzicht, nimmt Entbehrungen und Verfolgungen auf sich Die großen Denkmäler der Kunst und der Wissenschaft sind oft aus religiösen Antrieben erwachsen. Um der Religion willen wurden Kriege geführt und Menschen getötet.

Die Religion bestimmt den ganzen Menschen, aber ihren Ursprung hat sie nicht in der Tiefe der menschlichen Seele, sondern die Seelentiefe muss von einem, das außerhalb ist, angerührt und ergriffen worden sein. Dieses Andere von außen hat der große deutsche Religionsforscher Rudolf Otto als "das Heilige" bezeichnet (1916).

Das Heilige

Wie der Zentralbegriff der Kunst das Schöne, der der Ethik das Gute ist, so ist der der Religion das Heilige.

Rudolf Otto hat in seinem berühmten Werk "Das Heilige" dieses als die Grunderfahrung aller Religionen beschrieben. Die Erfahrung des Heiligen veranschaulichte er am biblischen Bericht vom Erwachen Jakobs nach seinem nächtlichen Traum (Gen 28,17f). Jakob erschauerte und sprach: "Wie schaurig ist diese Stätte, das muss Gottes Haus sein und das ist die Pforte des Himmels." Jakob entdeckt also an dem Ort eine Eigenschaft, die er vorher noch nicht bemerkt hatte. Seine Entdeckung äußert sich als Empfindung des Schauderns. Daran schließt sich die Aussage: Dies ist Gottes Haus. Als drittes erfolgt eine Verehrung. Den Stein, auf dem er geschlafen hat, begießt er mit Öl.

Heiligkeit ist das große Wort in den Religionen, bedeutsamer als die Auffassung von Gott. Wirkliche Religion kann ohne eine bestimmte Gottesauffassung bestehen, aber es gibt keine wirkliche Religion ohne eine Unterscheidunz zwischen heilig und profan (weltlich, unheilig, gemein). Eine Gotteserfahrung ohne Heiligkeitserfahrung wäre nicht Religion.

Fromm ist daher der Mensch, dem etwas heilig ist.

Das Heil

In der Religion wird Heiligkeit als eine geheimnisvolle Macht oder Kraft verstanden, die mit bestimmten Wesen, Ereignissen oder Handlungsweisen verbunden ist. Das Wort "Heil" bedeutete bei den alten Germanen Macht, die ein Mann einem andern übergeben kann, indem er ihm Heil gibt oder Heil zuruft.

Es ist in der Sache dasselbe, was die Melanesier Mana nennen. Mana ist eine unsichtbare Kraft, die der Starke besitzt, vor allem der Häuptling und der Medizinmann, die sich aber auch Tieren, Pflanzen und Steinen mitteilen kann. Mit Mana, Macht, ausgestattete Gegenstände pflegt man mit dem portugisieschen Wort "Fetisch" zu bezeichnen. Fetische sind auffallende Gegenstände (ungewöhnliche Steine, Ketten etc.), die ihrem Besitzer übernatürliche Kräfte verleihen, weil Mana in ihnen aufgespeichert ist. Amulette, Talismane, Maskotten, die gegen Unglück schützen sollen, kommen als Ausdruck des Fetischsglaubens in allen Erdgebieten und in allen Stadien der Religionsentwicklung vor.

Tabu

Die Gefährlichkeit der Macht bezeichnet man mit dem Wort Tabu. Das Wort stammt aus dem Tongadialekt, der auf den Freundschaftsinseln gesprochen wird. Dass z.B. das Schwein bei den Juden unrein ist, bedeutet nicht, dass es ein profanes Tier ist, sondern ein dämonisches Tier im negativen Sinn darstellt. Ursprünglich war mit ihm ein Tabu verbunden

Leichen sind in fast allen Religionen der Welt tabu. Num 19,14-16: "Dies ist das Gesetz: Wenn ein Mensch in einer Hütte stirbt, ist jeder, der hineinkommt, und jeder, der in ihr weilt, unrein sieben Tage lang. Und jeder offene Topf, der nicht mit einer Schnur zugebunden ist, ist unrein. Und jeder, der draußen auf dem Feld einen Schwerttoten berührt oder einen Tierkadaver oder ein Grab, ist unrein sieben Tage lang."

Der Tote und alles, was ihm gehört, ist wohl deshalb tabu, weil der Tod den großen Bruch im irdischen Ablauf darstellt. Es gibt Völker, die nicht glauben können, dass der Tod von natürlichen Ursachen herbeigefüht wird. Deshalb ist der Tod für sie eine geheimnisvolle böse Kraft. Ein anderer gemeinsamer Zug bei vielen Völkern äußert sich darin, dass gewisse Menschen zeitweise tabu sind, z.B. die Frau während ihrer Monatsperiode, während der Schwangerschaft und im Wochenbett. Es gibt aber auch ständige Tabus, von denen etwa Könige, Häuptlinge, Priester oder Götterbilder umgeben sind. Dies galt z.B. für den israelitischen Hohepriester, der nicht einmal beim Begräbnis seines Vaters oder seiner Mutter dabeisein durfte, um sich nicht Unreinheit zuzuziehen (Lev 21,11).

Sowohl Heiliges wie Unreines kann tabu sein, das gemieden werden muss, weil von ihm Gefahr ausgeht. Oft straft sich Versündigung gegen ein Tabu auch durch eine Art Selbstsuggestion (Hervorrufen von Gedanken, Gefühlen oder Verhaltensweisen durch gezielte geistig-seelische Beeinflussung oft ohne Wissen oder gegen den Willen des Beeinflussten). Ethnologen berichten von einem Afrikaner, der erfahren hat, dass er von einem verbotenen Tier gegessen habe. Er wird sofort krank und stirbt daran.

Schließlich gibt es heilige Plätze, Friedhöfe etc., die tabu sind. Die meisten Religionen kennen solche loca sacra, aber auch tabuierte Tage, die den Göttern geweiht sind und an denen Handel und Rechtssprechung ruhen: dies nefasti. Bei den Römern war es der 5. Tag, bei den Babyloniern der 7. Tag, der dem Gott Marduk heilig war. Schließlich wurde dieser Tag bei den Juden als Sabbat in die höhere religiöse Sphäre erhoben.

Sakrales Königtum

Es geht darum, dass der König als ein Sammelpunkt der Macht verehrt und mit strengen Tabuvorschriften umgeben wird, damit die Macht nicht verschwindet und andrerseits ihre Ausstrahlung den Menschen nicht gefährlich werden kann. Hielt man die Machtbegabung eines Herrschers aber für erschöpft, war es häufig Sitte, ihn zu töten (sakraler Königsmord, z.B. bei den byzantinischen Kaisern. Von den 88 Kaisern, die von 324 bis 1453 regierten, starben 29 eines gewaltsamen Todes, und weitere 13 suchten vorübergehend oder lebenslänglich in Klöstern Zuflucht.

Vielleicht die schrecklichste Todesart, die einem Kaiser je widerfuhr, war die des Andronikos I. Komnenos im Jahre 1185. Er wurde tagelang an einen Pranger gefesselt und geschlagen. Man schlug ihm die Zähne mit Hämmern ein.und schnitt ihm eine Hand ab. Dann wurde er auf den Rücken eines Kamels gebunden und in den Straßen Konstantinopels zur Schau gestellt. Nachdem man ihm kochendes Wasser in das Gesicht gegossen und ihm ein Auge ausgerissen hatte, wurde er zu weiteren Folterungen im Hippodrom aufgehängt. Immer wieder flehte er um Gnade. Zuletzt wurde er durch ein Schwert getötet, das man ihm in die Eingeweide stieß.)

Viele Könige wurden in besondere Paläste eingesperrt, wo kein Mensch sie sehen oder mit ihnen in Berührung kommen durfte, außer einigen wenigen Auserwählten. Dies war mit dem Mikado in Japan der Fall, der bis 1868 in seinem Palast eingesperrt war, während die Königswürde vom sog. Shogun ausgeübt wurde. Erst der junge Kaiser Mutsuhito (1868-1912) brach mit dieser Sitte, übernahm selbst die Regierung und verlegte die Residenzstadt von Kyoto nach Edo, das heutige Tokio. Bekanntlich wurde der japanische Kaiser noch bis 1945 nicht nur als Sohn der Sonne, sondern als Gott verehrt, von dem das Wohl des Volkes abhing.

Aufschlussreich sind auch die altrömischen Bräuche, wo der König von einer Fülle von Tabuvorschriften umgeben wurde: Er durfte sich nicht unter anderen Menschen aufhalten, nicht auf.dem.Erdboden gehen, da dieser dadurch heilig wurde, sondern musste in einer besonderen Sänfte getragen werden, er durfte nicht in der Gegenwart anderer essen etc. Der rote Teppich, der noch heute bei der Ankunft wichtiger Staatsgäste ausgerollt wird, dürfte den gleichen Hintergrund haben. Ä hnliches gilt für die alte Tabuvorstellung, dass man den König nicht sehen dürfe, wenn die Untertanen nach alten Hofzeremoniellen (wie in Österreich und Spanien) vor ihm zu Boden fallen. Den Brauch gab es sowohl in Ägypten und in Babylonien wie bei den persischen Großkönigen. In Japan mussten die Menschen bis 1945 dem Mikado den Rücken zukehren, wenn dieser einmal durch die Straßen fuhr.

Im alten China wurde der Kaiser der Himmelssohn genannt, bei den Inkas in Peru wurden die Herrscher als Sonnensöhne betrachtet und bei den Azteken in Mexiko als Götter verehrt. Sie mussten bei der Thronbesteigung einen Eid ablegen, dass sie die Sonne scheinen lassen, den Wolken Regen geben und der Erde Frucht zu tragen befehlen.

Das magische Denken

Von einer besonderen "Religionsform der Naturvölker" zu sprechen ist nicht richtig. Mit Naturvölkern sind die Völker im Innern Afrikas, Australiens und der Südsee gemeint. Ihre besondere magische Denkungsart trifft nicht nur auf die heutigen Naturvölker zu, sondern auch für die Frühstadien der antiken Geistesgeschichte. Das 6. Jahrhundert v.Chr. wird als Grenze angesehen. Davor herrschte ein magisches Weltbild, das Mythen hervorgebracht hat. Dieses magische Denken ist eine dem rationalen Bewusstsein voraus liegende frühe Form der Weltschau.

Für unsere Denkweise ist bezeichnend, dass wir in Arten und Allgemeinbegriffen denken können. Wir sprechen z.B. von Bäumen und Säugetieren. Dieses Denken in Allgemeinbegriffen kennen die Naturvölker nicht. Für uns ist ein Kamel immer ein Kamel, ob es männlich oder weiblich ist, jung oder alt, ob es geht, steht oder läuft. Für die Naturvölker sind das alles ganz unterschiedliche Erscheinugnen, weshalb sie meist völlig verschiedene Worte für dasselbe Tier in einzelnen Situationen haben. Andrerseits sehen die Naturvölker dort Beziehungen, wo wir sie nicht sehen. Für uns sind ein Vogel und ein Baum zwei getrennte Dinge, aber wenn ein Vogel immer auf demselben Baum nistet, gehören f'ür viele Naturvölker dieser Vogel und dieser Baum zusammen und werden mit dem gleichen Wort bezeichnet.

Ebenso existiert für fast alle Naturvölker eine Gleichheit zwischen einem Lebewesen und unbelebten Dingen, die ihm gehörten. Ein abgeschnittener Nagel oder ein ausgerauftes Haarbüschel ist mit dem Menschen identisch, dem beides gehört hat, was mit dem Nagel oder mit dem Haar geschieht, geschieht mit dem Menschen. Daher der verbreitete Brauch, sorgfältig Nägel, Haare, Exkremente etc. zu verbrennen oder zu verbergen.

Dasselbe gilt für den eigenen Namen. Im Namen steckt das eigene Ich. Wer den Namen kennt, kann Macht über den betreffenden Menschen erhalten, wenn er ihn in magischen Zaubersprüchen verwendet. Das Märchen vom Rumpelstilzchen hat diese Auffassung zum Inhalt. Darum sprechen viele Naturvölker ihren Namen vor Fremden nicht aus oder nennen einen Decknamene. Auch bei kleinen Kindern kann man oft beobachten, dass sie ihren Namen nicht aussprechen.

Ähnlich verbirgt man auch seine Götternamen, damit nicht Unbefugte Macht über die Gottheit erhalten. Der Gottesname wird tabu und darf nicht ausgesprochen werden. Darum umschreiben die Juden bis heute seinen Namen mit "Höchster" oder "Ewiger", und sprechen jedenfalls die ihn bildenden vier Konsonanten JHWH niemals aus.

Kennzeichnend für das magische Denken ist auch die Seelenvorstellung, die mit der Seelenkraft identifiziert wird. Denn die ganze Natur, Tiere, Berge, Pf'lanzen, Flüsse gelten in diesem frühen Menschheitsstadium als beseelt, Naturabläufe und Naturereignisse als mit Seelenkräften begabt. Die Seele ist daher auch in allen Teilen des menschlichen Körpers gleichmäßig vorhanden. Erhält z.B. die Geliebte eine Locke von dem Erwählten ihres Herzens, dann hat sie ihn ganz und gar in der Hand. Wird er untreu und sie verbrennt die Haarlocke, muss der Treulose nach dieser magischen Vorstellung sterben.

Ebenso kann mit dem ausgesprochenen Wort die Seelensubstanz oder die Lebenskraft übertragen werden. Darum spielen Segenssprüche bei dieser Art zu denken eine so große Rolle. Spreche ich meinen Segen über eine Person aus und lege meine Hand auf ihr Haupt, überführe ich meine Seelenkraft auf diese Person. Der Segen kann niemals zurückgenommen werden, wie die Geschichte von den Segnungen des blinden Isaak zeigt, der dem erstgeborenen Esau seinen Segen geben will. Durch die List seiner Mutter Rebekka ist es aber Jakob, der den Segen bekommt. Eine Rücknahme ist unmöglich, denn mit dem Ausspruch des Segens hat Jakob die Lebenskraft bereits als Besitz erhalten.

Ähnlich steht es mit Flüchen: Ein ausgesprochener Fluch hat den Untergang des Verfluchten unweigerlich zur Folge. Darum spielen Flüche, Schmähworte, Kriegsgesänge eine große Rolle bei Naturvölkern, die gegen einen andern Stamm erst dann zu Felde ziehen, wenn sie sich zuvor zu Hassgesängen versammelt haben, durch die der Gegner schon vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten der Lebenskraft beraubt werden soll.

Das mythisch-magische Denken kennt Handlungen nach dem Grundsatz des Wirkens durch Ähnlichkeit. Es muss z.B. Wasser ausgeschüttet werden, wenn Regen fallen soll. Es kennt ferner ansteckende Handlungen, so soll z.B. der Schlag mit der vom blühenden Baum geschnittenen Gerte Lebenskraft vermitteln. Schließlich gibt es auch Handlungen der sog. einfühlenden Magie: Die beim Kriegstanz in die Luft geschleuderten Speere treffen die fernsten Feinde. Das Martern einer Puppe am Pfahl oder das Durchstechen eines Bildes haben Schmerzen oder den Tod der abgebildeten Person zur Folge.

Es handelt sich bei alledem um Anwendungsformen einer frühzeitlichen Logik, die der Verstandeskultur vorausliegt. Man nent sie magisch, da für die Magie stets das Gesetz der inneren Zwangsläufigkeit typisch ist. Nachwirkungen dieser Denkungsart finden sich noch heute im Volksglauben. Magie gehört zu einem frühen Weltbild, das noch nicht zwischen lebend und tot, organisch und anorganisch unterscheidet, sondern überall Machtäußerungen erlebt.

Der Unterschied zwischen Religion und Magie besteht darin, dass der Mensch in der Religion die Gottheit verehrt, während er in der Magie die Gottheit für seine eigenen Zwecke benutzt.

Totemismus

Nirgendwo kommt die enge Beziehung des Menschen mit der Natur so stark zum Ausdruck wie im Totemismus. Das Wort Totem stammt aus der Sprache der Ojibwa-Indianer Nordamerikas. Es ist die Bezeichnung für einen Holzpfahl - meist ein hoher Pfosten mit kunstvoll bemalten Schnitzereien -, der vor dem Zelt der Indianer steht und ihren Schutzgeist symbolisiert, der über sie wacht. Von diesem Totem glauben sie, dass er eine Tiergestalt besitzt, und darum jagen, töten und essen sie dieses Tier nicht. Die Ojibwas erklären ihre Aufteilung in verschiedene Stämme damit, dass vor vielen Jahren der Große Geist seinen roten Kindern ihre Totems gegeben hat, damit sie niemals ihre Verwandtschaft miteinander vergessen und dass sie sich in Zeiten der Not und des Krieges gegenseitig helfen müssen. Wenn ein Indianer auf einen fremden Trupp stößt, muss er zunächst einmal erforschen, ob sie dasselbe Zeichen tragen wie sein eigener Stamm. Ist dies der Fall, kann er sicher sein, als Freund behandelt zu werden. Früher hielt man es für ungesetzlich, dass Träger desselben Totems untereinander heirateten, später ist man hievon abgegangen.

Jeder Stamm hat eigene Tiere oder Dinge als Totems. Die Ojibwas haben folgende: Rentier, Otter, Bär, Büffel, Biber, Hecht, Birkenrinde, Eiche, Bärenleber.

Es gibt verschiedene Arten von Totemismus:

Im Stammes- und Halbstammes-Totemismus vererbt sich das Totem fast immer durch die Mutter, welche die Teilhabe am gemeinsamen Leben symbolisiert, in wenigen Formen des Totemismus ist der Vater entscheidend.

Der Totemismus bezeugt die intensive Empfindung der sog. Naturvölker, mit der Natur unlöslich verbunden zu sein.

Opfer, Gebet, Kulthandlungen

Seit jeher unternimmt der Mensch Versuche, mit der Macht, vor der er sich fürchtet, mit den Gottheiten, die er verehrt oder sich geneigt stimmen will, in eine persönliche Verbindung zu treten. Die Grundformen dieses Bemühens sind Opfer, Gebet und Kulthandlungen (Kult = Sakraler Tanz, Prozession, Heiliges Schweigen etc.).


   
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