Das Buch Hiob

Inhalt

Das Thema des Werkes ist schnell erzählt. Hiob, ein wohlhabender Mann, wird als gerechter Mensch geschildert, der mit Zustimmung Gottes vom Satan geprüft wird. Drei seiner Freunde bemühen sich, ihm zu beweisen, dass er leidet, weil er ein Sünder ist. Ein Vierter taucht auf, der das Rätsel des Leids durch den Hinweis auf den erzieherischen Wert des Leidens zu lösen versucht. Schließlich erscheint Gott selbst. Er zeigt wie einen gewaltigen Film die Wunder der Schöpfung und wirft Hiob die Unüberlegtheit seiner Klagen vor. Das Buch schließt mit der Zurückversetzung des geprüften Gerechten in sein einstiges Glück, das durch neuen Segen noch erhöht wird.

"Es ekelt mich vor meinem eignen Leben, / ich lasse meiner Klage freien Lauf, / will aus der Trübsal meiner Seele reden.
Beschwören will ich Gott: Verdamm mich nicht! / Lass wissen mich, warum du mich befehdest!
Bringt's einen Nutzen dir, wenn du Gewalt gebrauchst, / wenn du verschmähst das Kunstwerk deiner Hände, / wenn du begünstigest der Sünder Pläne?"
(Hiob 10,1-3)

Aufbau

Das Werk besteht offensichtlich aus mehreren Teilen, die von einem Redakteur durch Texteingriffe zusammengestellt wurden. Wahrscheinlich sollte die Harmonie zwischen der Intention des Redakteurs und dem Buch sichergestellt werden.

Thema

Das zentrale Thema bildet das Problem des Leidens des Gerechten im Gegensatz zum Glück des Gottlosen. Damit verbunden ist eine Sicht der Weisheit, die für den Menschen unzugänglich ist und die allein imstande ist, das Geheimnis des Leids zu lösen.

In Babylonien hat es um 2000 v.Chr. das Werk eines großen Poeten gegeben: Schuschi-Meschri-Nergal. Es beschäftigt sich mit einem ähnlichen Thema. Seiner Macht beraubt, auf das Krankenlager geworfen, beteuert der vom Unglück Verfolgte seine Gerechtigkeit. Er erlangt schließlich auch auf seine ergreifenden Bitten hin von einem Gott Heilung und Recht.

Griechische Dichter und Philosophen, die Zeitgenossen des Verfassers des Buches Hiob gewesen sind, haben sich mit einer ähnlichen Problematik beschäftigt. Ödipus erleidet unschuldig durch das Hereinbrechen furchtbaren Unheils ein grauenhaftes Schicksal. Herakles dagegen ist gerecht und wird nur durch die Grausamkeit der Götter überwältigt. In allen diesen Fällen vermag der blinde Schicksalsglaube den Pessimismus nicht zu überwinden. Auch Platon vermochte keine bessere Lösung zu finden als den Rückgriff auf eine boshafte Gottheit.

Die Thesen des Buches

Die Freunde Hiobs vertreten die damals gängige Auffassung, dass jedes Leid die Folge persönlicher Schuld sei. Das Leid sei als Strafe dazu da, den Menschen zur Besserung zu führen, diese bringe das Glück des Lebens wieder zurück. Hiob zeichnet sich durch die unerschütterliche Festigkeit aus, mit der er seine Sache verteidigt. Er setzt sein persönliches Erleben der herrschenden Meinung entgegen: er ist unschuldig und leidet. Auf diese Weise tritt eine deutliche Gottesvorstellung hervor: Die göttliche Weisheit wird mit einer Art Willkür in Verbindung gebracht. Gott ist immer gerecht, gleichgültig ob er den Gerechten züchtigt oder dem Schuldigen Erfolg schenkt. Hiob kommt zum Schluss, dass der Mensch vor Gott zu verstummen habe. Denn dieser entziehe sich dem menschlichen Urteilsvermögen, da dieses auf einer Vorstellung von der Sittlichkeit beruhe, über die die göttliche Transzendenz hinausgeht. Gott ist nicht nur im Bereich des Guten, Gerechten und der Liebe, seine Macht und Weisheit ist auch in den chaotischen Mächten.

"Ich weiß nun, dass du alles kannst / und kein Gedanke dir unmöglich ist.
Ich war es, der verdunkelt deinen Plan / mit Worten, denen die Erkenntnis mangelt.
So sprach ich ohne Einsicht, / was mir zu wunderbar und ich nicht kannte.
Nur durch Gerüchte wusste ich von dir; / jetzt aber hat meine Auge dich gesehen." (Hiob 42,2-5)

Entstehungszeit

Das Buch Hiob liegt mehr in der Tradition der babylonischen als in der der griechischen Schriften. Man nimmt heute aus verschiedenen, vor allem linguistischen Gründen an, dass das Werk in die Zeit zwischen der Heimkehr aus der Gefangenschaft aus Babylon (538 vChr) und dem Eindringen des Hellenismus (330 vChr) verlegt werden muss. Das Ende des fünften Jahrhunderts vChr kann als wahrscheinlichstes Datum bezeichnet werden.

Verfasser

Wie so viele Werke der Bibel ist auch dieses Buch ohne Hinweis auf den Autor überliefert worden. Nur indirekt werden Züge des Verfassers erkennbar: Seine tiefe Sympathie für die Leidenden und seine Bildung. Das Bildmaterial, das er verwendet, hat Anklänge an die babylonische, phönizische und ägyptische Kultur. In 3,8 kommt z.B. der Leviathan vor, der der phönizischen Mythologie entnommen ist. Hier wird er als ein die Sonne und den Mond verschlingender Himmelsdrache dargestellt. (Der englische Philosoph Thomas Hobbes verwendete dieses Bild, 1651, als Metapher für die Gesellschaft.) Aber auch die Lotosblume wird verwendet.


   
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