Zwei wichtige Konzilien (Nizäa I und Vaticanum II)

Ökumenische (= Allgemeine) Konzilien sind nach dem Kirchenrecht Versammlungen von Bischöfen und bestimmten anderen kirchlichen Amtsträgern, die vom Papst berufen sind und unter seinem Vorsitz über Angelegenheiten des christlichen Glaubens und der kirchlichen Moral Beschlüsse fassen, die der Bestätigung des Papstes bedürfen.

Ökumenisch bedeutet, dass ein wesentlicher Teil aller Bischöfe auf dem Konzil anwesend ist und dass die Beschlüsse des Konzils durch den Papst und die Gesamtkirche angenommen wurden.

Das lat. Wort concilium, von dem sich der Begriff herleitet, bedeutet Zusammenkunft, Versammlung.

Im 1. Jahrtausend wurde ein ökumenisches Konzil vom Kaiser, im 2. Jahrtausend vom Papst einberufen. Nach katholischem Verständnis besitzt ein ökumenisches Konzil in seinen Glaubensentscheidungen Unfehlbarkeit. Neben den ökumenischen Konzilien gibt es auch Partikularkonzilien, die eben bloß von regionaler Bedeutung sind.

Die katholische Kirche kennt 21 Allgemeine Konzilien.

Die acht Ökumenischen Konzilien, die, von den römischen, später oströmischen Kaisern einberufen, auf dem Boden des Ostreiches (heutige Türkei) in Nicaea, Konstantinopel, Ephesos und Chalcedon stattfanden, unterscheiden sich von allen folgenden, von den Päpsten berufenen und im Abendland abgehaltenen so sehr, dass man berechtigt ist, sie als geschichtliche Einheit zu behandeln. Papst Gregor der Große hat die vier ersten Konzilien ihrer Autorität nach mit den vier Evangelien verglichen, weil sie die beiden Grunddogmen der Kirche formuliert haben: das trinitarische (Ein Gott in drei Personen) und das christologische (Christus ist dem Vater gleich, nicht bloß ähnlich) Dogma.

A: Das Konzil von Nicaea

Konstantin der Große hatte der Kirche durch die Gleichberechtigung mit der römischen Staatsreligion die Freiheit gegeben. So band er das lmperium an die Kirche und die Kirche an das Imperium. Anfang des 4. Jahrhunderts kulminierte jedoch ein seit langem schwelender religiöser Konflikt. Dabei ging es um die Person des Stifters, um Christus selbst. Die Urkirche betete ihn als ihren Herrn (Kyrios) an und stellte ihn auf die Seite Gottes, als dessen Sohn er sich bezeichnet hatte. Sie spendete, dem Auftrag Jesu gemäß, die Taufe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Es ging um die Frage, wie ließen sich der Kyrios-Glaube und die dreigliedrige Taufformel mit dem streng monotheistischen Denken vereinen, das das Christentum vom Judentum übernommen hatte?

Durch die Verbreitung des Christentums im römischen Reich war es bald zu einer engen Beziehung zwischen christlichem Glauben und griechischem Denken gekommen. Mehrere Theologen des 3. Jahrhunderts lehrten, dass Vater, Sohn und Geist Erscheinungsweisen des einen Gottes seien (Modalismus). Andere wieder ordneten den Sohn dem Vater unter (Subordinationismus). Letztere Auffassung übernahm der alexandrinische Priester Arius und verschärfte sie: Christus (= Logos) ist ein Geschöpf desVaters. Er entbehrt des Attributs der Ewigkeit. Arius war ein brillanter Gelehrter und eine anziehende Persönlichkeit. Viele schlossen sich ihm an.

Da noch andere kirchliche Streitfragen Unruhe stifteten, wie der Termin des Osterfestes, berief Konstantin die Bischöfe des Reiches nach Nicaea in Bithynien (heutige Türkei). Er ordnete an, dass sie, wie die hohen Beamten, auf der Reise die kaiserliche Infrastruktur benutzen durften. Eusebios von Caesarea, der große Historiker des 4. Jahrhunderts, spricht von etwa 250 Bischöfen. Papst Silvester war wegen seines Alters nicht gekommen. Seine Stelle vertraten römische Priester. Das Konzil tagte vom 20. Mai bis zum 25. Juli 325 in einem Saal des kaiserlichen Sommerpalastes in Nicaea. Der Kaiser hielt eine lateinische, zum Frieden mahnende Ansprache, mischte sich aber in die Verhandlungen nicht ein.

Arius verteidigte seine Lehre selbst. Seine Gegenspieler waren Marcellus von Ancyra und Athanasius von Alexandria, um nur diese beiden zu nennen. In langen Beratungen und genauen Erwägungen gewann die arianische Gegenpartei die Oberhand. Die zentralen Sätze der Lehre des Arius wurden verurteilt. Das Nicaenische Glaubensbekenntnis wurde angenommen, nur zwei Bischöfe verweigerten die Zustimmung. Sie wurden gleich Arius aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen und verbannt. Das Glaubensbekenntnis wurde vom Kaiser als Reichsgesetz verkündet.

Weiters einigte man sich über die noch heute übliche Berechnung des Ostertermins am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond und übertrug dem Bischof der Gelehrtenstadt Alexandria das Amt, alljährlich das von ihm errechnete Osterdatum bekanntzugeben. Der Kaiser erhob auch diesen Beschluss zum Reichsgesetz.

Der griechische Kirchenhistoriker Sokrates (Ende 4. Jahrh.) berichtet, dass einige Bischöfe den Zölibat der Bischöfe, Priester und Diakone einführen wollten. Man nahm aber davon Abstand, weil einige Bischöfe warnten, dadurch ein zu hartes Joch aufzulegen. Das Konzil bestätigte die Praxis, dass unverheiratete Priester nach der Weihe nicht heiraten, bereits verheiratete dagegen ihre Ehe fortsetzen dürften. Das Konzil gestattete dem unverheirateten Kleriker das Zusammenieben nur mit Mutter, Schwester, Tante oder solchen Personen, die keinen Verdacht erregen ( !).

Nach Abschluss des Konzils lud Konstantin, der damals sein 20jähriges Regierungsjubiläum beging, die Bischöfe zu einem Festmahl von solcher Pracht ein, dass Eusebios seinen Bericht darüber so schließt: "Man hätte wähnen können, es sei alles nur Traum und nicht Wirklichkeit." Der volle Glanz des Kaisertums fiel auf dieses erste Konzil der noch vor kurzem verfolgten Kirche. Den ersehnten innerkirchlichen Frieden brachte es nicht, es war vielmehr der Ausgangspunkt heftiger Glaubenskämpfe, die noch lange andauerten.

B: Das II. Vatikanische Konzil

Die Berufung des II. Vatikanischen Konzils war die alleinige Entscheidung von Papst Johannes XXIII. Als er 1959 die Einberufung eines Ökumenischen Konzils ankündigte, führte er nicht einen lange gehegten und wohl durchdachten Plan aus. Er folgte, wie er wiederholt versichert hat, einer spontanen Eingebung.

Die Vorbereitung des Konzils begann damit, dass alle Bischöfe und Ordensoberen sowie die katholischen Universitäten und Fakultäten aufgefordert wurden, Vorschläge für das Beratungsprogramm einzureichen.

Das für die Beratung und die Beschlussfassung zuständige Organ des Konzils war die Vollversammlung der stimmberechtigten Mitglieder, die als Generalkongregation bezeichnet wurde. Sie versammelte sich täglich von 9 bis 12.30 in dem als Konzilsaula hergerichteten Mittelschiff des Petersdoms.

Der Ablauf des Konzils gestaltete sich folgendermaßen. Der jeweilige von einer Vorbereitungskommission aufgrund der eingelangten Vorschläge redigierte Text war die Grundlage einer allgemeinen Debatte. Wer dazu sprechen wollte, musste sich spätestens drei Tage vorher beim Generalsekretär des Konzils zu Wort meiden. Die Redezeit war auf zehn Minuten beschränkt. Der Gebrauch der lateinischen Sprache war vorgeschrieben. Erst wenn ein Text mit Zweidrittelmehrheit angenommen war, konnte er durch den Papst anerkannt werden (Approbation).

Das geschichtlich so schwer belastete Verhältnis des Papstes zum Konzil führte auch auf diesem zu Spannungen. Der Papst ist das Haupt, er ist aber auch, als Bischof von Rom, einfacher Teil des Konzils. Stärkere Kontroversen in dieser Frage wurden jedoch vermieden.

Die Eröffnungssession am 11. Oktober 1962 übertraf an Großartigkeit wohl alle vorhergehenden Konzilseröffnungen. 2540 stimmberechtigte Konzilsväter nahmen an ihr teil, eine nie zuvor auch nur entfernt erreichte Zahl. Der Ritus blieb in seinen Grundzügen der seit dem Konzil von Vienne (1311) übliche: Veni Creator Spiritus, die Hymne an den Heiligen Geist, gefolgt von einer Messe, feierliche Darstellung des NT auf dem Altar, Ablegung des Glaubensbekenntnisses, das Konzilsgebet "adsumus", Gesang der beiden Stellen Mt 28,18-20 und 16,13-18 (Auftrag Jesu an die Kirche) in lateinischer, griechischer, altslawischer und arabischer Sprache. Es folgte die Eröffnungsrede des Papstes. Johannes XXIII. gab darin jene Richtung, die das Konzil so wesentlich bestimmen sollte: das heilige "Uberlieferungsgut" in möglichst wirksamer Weise, unter Berücksichtigung der veränderten Lebensverhältnisse und Gesellschaftsstrukturen, an die Menschen heranzubringen. Nicht Irrtümer sollten verurteilt, sondern die Kraft der Lehre der Kirche sollte dargestellt werden. 1963 starb der 82jährige Johannes XXIII. Sein Nachfolger Paul Vl. führte das Konzil weiter. Am 8. Dezember 1965 wurde in einer eindrucksvollen Schlussfeier am Petersplatz das Konzil für geschlossen erklärt. In seiner Schlussrede fasste der Papst den Sinn des Konzils in dem Satz zusammen: Die Menschheit soll in Liebe zu Gott geführt werden.

Die wichtigsten Ergebnisse des Konzils:

Konstitution über die Liturgie: Verwendung der Landessprache; volle und tätige Einbeziehung aller in den Gottesdienst (nicht nur der Priester)

Konstitution über die Kirche: (Lumen gentium) Die Definition der Kirche als Volk Gottes brach mit der Tradition der Überbetonung des Klerus. Die Kirche ist keine triumphalistische, sondern eine pilgernde, auf dem Weg befindliche Gemeinschaft.

Konstitution über die Offenbarung: (Dei verbum) Anerkennung der Ergebnisse der modernen Bibelkritik auf der Basis, dass Gott der Urheber, die Menschen die Verfasser der Bibel sind

Konstitution über die Kirche in der Weit von heute: (Gaudium et spes) Die soziologisch beeinflusste Analyse spricht von tiefgreifenden Veränderungen, zunehmender Einswerdung der Welt (Massenmedien), Reichtum und Armut, Verstädterung. Betonung der Würde der menschlichen Person, des Gewissens, auch des irrenden. Verpflichtung aller zum Gemeinwohl.


   
Seite 1
 Seitenanfang
 Seitenende
Druckversion in PDF