Crespi, Chiron und Achilleus

Giuseppe Maria Crespi: Der Kentaur Chiron und Achilles, um 1695/1700

Der Bologneser Maler (1665 – 1747) beobachtete die Menschen auf der Straße und versuchte, die verschiedenen Effekte des Lichts zu erfassen.
Seine Bilder bergen manche Seltsamkeiten, verzerrende Spiegelungen, Schatten und eine oft ausgefallene Gestaltung der Kleidung. Seine Gemälde zeichnen sich durch Leichtigkeit der Komposition, Kraft des Ausdrucks und Lebendigkeit der Bewegung aus.

Als Knabe wird der griechische Held Achilles dem weisen Kentauren Chiron - halb Mensch, halb Pferd - zur Erziehung übergeben. Auf dem Bild sieht man, wie dieser Achilles das Bogenschießen lehrt, doch verweisen die herumliegenden Bücher und Geräte auf den anderen Schwerpunkt der Erziehung, den astronomischen und botanisch-medizinischen Unterricht.

Das Gemälde schmückte ursprünglich das sogenannte Paradeschlafzimmer des Prinzen Eugen von Savoyen in dessen Winterpalais in der Wiener Himmelpfortgasse. Die fahle, nächtliche Farbigkeit könnte auf diesen ursprünglichen Aufstellungsort anspielen.

Die Kentauren wurden oft als unbeherrschtes und lüsternes Volk bezeichnet. Der berühmteste Kentaur, Chiron, stammte von dem Titanen Kronos ab. Er war als einziger Kentaur nicht brutal und lüstern, sondern weise und gütig. Er verstand sich auf die Jagd und die Heilkunde und galt als Erzieher vieler griechischer Helden, wie bereits erwähnt des Achilles und auch des Asklepios, der ein Sohn Apollons war.

Bei einer Auseinandersetzung der Kentauren mit Herakles wird Chiron – entweder aus eigener Unachtsamkeit oder durch ein Versehen des Herakles – von einem mit dem Blut der Hydra vergifteten Pfeil am Knie getroffen. Weil er durch die Wunde unsägliche Qualen erdulden musste, entsagte Chiron der Unsterblichkeit zugunsten des Prometheus. Nach dem Willen des Zeus sollte Prometheus erst wieder frei sein, wenn ein Unsterblicher sein Leben für ihn gelassen hatte. Dies tat Chiron.



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