Die Sakramente

Wort- und Begriffs-Erklärung

Sacramentum ist der in der lateinischen Theologie gebrauchte Ausdruck für das gr. Wort mysterion und bezeichnet die auf Christus zurückgehenden und von ihm eingesetzten Heilszeichen, eben die sieben Sakramente. Etymologisch wird sacramentum von sacrare oder consecrare hergeleitet. Damit bezeichnete man bei den Römern die Überweisung aus dem weltlich-menschlichen Bereich in den göttlich-heiligen. Verbunden damit war immer eine Verpflichtung gegenüber den Göttern. Sacramentum bedeutete auch Fahneneid, Versprechen. Im Taufversprechen des Taufsakraments sah man eine naheliegende Parallele.

Augustinus (354-430) entfaltete erstmals mittels der Philosophie Platons den Sakramentsbegriff. Er sah in den Sakramenten sichtbare Zeichen, denen eine unsichtbare Wirklichkeit entspricht. Er sieht in ihnen keine bloß konventionellen Zeichen, die austauschbar sind, sondern betrachtet sie in einem hohen Maße in der Natur der Sakramente selbst begründet, die wiederum ihren Ursprung in Gott haben. Jedes Sakrament setzt sich aus einem sichtbaren Element und dem dazugehörigen Wort zusammen. Das Wort, welches das Element zum Sakrament erhebt, ist nicht ein gewöhnliches Wort im Sinne menschlicher Rede, sondern hat seinen Ursprung in Christus selbst, der das fleischgewordene Wort ist. Daher ist ein Sakrament auch dann gültig, wenn es z.B. von einem unwürdigen Priester gegeben wird.

Thomas von Aquin (1225-1274) entfaltete die Sakramentenlehre in der bis heute gültigen Form. An Aristoteles anknüpfend bezeichnet er mit Materie das Element und die Handlung eines Sakraments, mit Form bezeichnet er die Worte, die für jedes Sakrament wesentlich sind.

Die Sakramente sind ein wesentlicher Selbstvollzug der Kirche. Sie bezeichnen wichtige Stationen des menschlichen Lebens und gleichzeitig zeigt sich den Gläubigen zeichenhaft die unsichtbare Wirklichkeit Gottes.


Die biblische Fundierung

Alle Sakramente gehen auf Jesus Christus selbst zurück. Dabei unterscheidet die Kirche aber zwischen den von Christus selbst eingesetzten, unmittelbaren Sakramenten (Eucharistie, Taufe, Buße) und den daraus folgenden, bereits in der Urkirche praktizierten und im NT erwähnten Sakramenten.

  • Taufe: Mt 28,19 (Taufbefehl)
  • Firmung: Apg 19,6 (Herabrufung des Geistes)
  • Eucharistie: Lk 22,19 (Letztes Abendmahl)
  • Buße: Joh 29,23 (Auftrag zur Sündenvergebung)
  • Krankensalbung: Jak 5,14f (Trost für die Kranken)
  • Ehe: 1Kor 7,39 (Heirat vor Christus)
  • Priesterweihe: Apg 6,6 (Amt in der Kirche)

Die einzelnen Sakramente

Sakrament Materie Form Spender Sinn
Taufe Wasser Taufformel Priester, Diakon,
jeder Mensch
Eingliederung in die Kirche,
Absage an das Böse
Firmung Handauflegung Firmformel Bischof oder
Stellvertreter
Geistsendung,
Vollendung der Taufe
Eucharistie Brot und Wein Einsetzungsformel beim
letzten Abendmahl
Priester Mystische Verbindung
mit Christus
Buße Schuldbekenntnis Reue und Lossprechung Priester Umkehr und
Versöhnung
Krankensalbung Salbung Salbungsformel Priester Trost in schwerer Krankheit
und Vorbereitung auf den Tod
Ehe Liebe der Eheleute Treue bis in den Tod Ehepartner Liebe in unauflösbarer
Partnerschaft
Priesterweihe Handauflegung und Salbung Weiheformel Bischof Verkündigung
der Botschaft Jesu

Als Sakrament bezeichnet man einen sichtbaren Ritus, der als zeichenhafte und sichtbare Handlung die unsichtbare Wirklichkeit Gottes ausdrückt und sie vergegenwärtigt.

Die Taufe bildet die Aufnahme in die christliche Gemeinde. Deshalb befindet sich das Taufbecken meist im Eingangsbereich einer Kirche oder in einer eigenen Taufkapelle.

Die Firmung ist gewissermaßen die Zustimmung des zum vollen Gebrauch seiner Vernunft gelangten Christen zu seinem Glauben. Vollzogen wird die Firmung vom Bischof oder dem von ihm beauftragten Priester. Die vorgeschriebene Materie ist das Chrisam. Es ist eine Mischung aus Öl und Balsam und wird wie alle in der Liturgie verwendeten Öle vom Bischof am Gründonnerstag in der Chrisammesse geweiht.

Die Eucharistie ist die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers und eine Feier zur Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu. Üblicherweise werden ungesäuertes Brot und natürlicher Wein, also ohne irgendwelche Zusätze, verwendet.

Für die Krankensalbung wird ein eigenes, auch am Gründonnerstag geweihtes, Öl verwendet. Die Salbung symbolisiert die geistliche Wiederherstellung des reuigen Empfängers, der geheiligt wird, um sein Leben zu beschließen. Die Nachsilbe -ig bedeutet von etwas erfüllt sein. Heilig heißt daher von Heil erfüllt sein.

Das deutsche Wort Ehe hängt mit den Wörtern Ewigkeit, Recht, Gesetz zusammen. Das Sakrament spenden einander Mann und Frau, der Priester ist Zeuge des Versprechens.

Das Wort Priester kommt vom altgriechischen Presbyter, der Ältere. So bezeichnete man in der Urkirche die Gemeindevorsteher. Im Jahre 1022 wurde durch Papst Benedikt VIII. und Kaiser Heinrich II auf der Synode zu Pavia endgültig in der lateinischen Kirche verfügt, dass Geistliche nicht mehr heiraten durften. In der orthodoxen Kirche blieb man bei der alten Regel, dass Priestern die Ehe erlaubt war, Bischöfe aber zölibatär leben mussten.




   
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