Shintoismus

Wort- und Begriffserklärung

Das Wort shinto (shin-Gott, to-Weg, Lehre) wurde in China geprägt. Es findet sich zum ersten Mal im I-king, dem Buch der Wandlungen, wo es Kultfeier bedeutet.

Der Shintoismus enthält die religiösen Vorstellungen Japans, die vor allem durch Ackerbauern, Jäger und Fischer geprägt waren. Im Lauf der Zeit wurde daraus ein System, das um konfuzianische Grundsätze und Spekulationen über den Urgrund des Seins erweitert wurde.

Inhalte

Diese Religion besitzt keinen Stifter und keine Lehrschriften.

Ursprünglich wurde alles verehrt, was groß, gewaltig, außergewöhnlich und geheimnisvoll war oder was mit den irdischen Bedürfnissen in irgendeinem Zusammenhang stand und das Wohlbefinden förderte. An erster Stelle steht die Sonnengöttin Amaterasu. Sie ist aus der materiellen Sonne zu einem Geist, zur Ahnmutter der menschlichen Kaiser geworden und steht im Mittelpunkt des japanischen Nationalkults. Die Sonnenscheibe ist auch auf der Nationalflagge zu sehen. Jeder neue Kaiser findet sich bei ihrem Hauptheiligtum zum Antrittsbesuch ein, um sich persönlich vorzustellen.

Kult

Zahlreiche Brunnen, Quellen, Berggipfel werden kultisch verehrt. Da mit dem Ahnenkult zahlreiche Hausgottheiten zusammenhängen, wurden 1901 bei einer Überprüfung der japanischen Götterlisten 3132 Gottheiten gezählt. Die Shinto-Priester haben meistens einen bürgerlichen Beruf. Das Priesteramt ist erblich und gliedert sich nach Rangstufen. Sie sind Wächter der oft sehr schönen Shinto-Schreine, die meist in gepflegten, eingezäunten Hainen liegen. An den Festen werden Opfergaben dargebracht, die meist aus Obst, Gemüse und Reisbranntwein bestehen.

Der Kaiser

In einem Kommentar zur geschriebenen Konstitution von 1889 heißt es: "Der heilige Thron wurde errichtet, als Himmel und Erde sich trennten. Der Kaiser entstammt dem Himmel und ist göttlich." Das sakrale Königtum ist, trotz seiner Abschaffung durch die Amerikaner im Jahre 1945, im Volk immer noch tief verankert. Am Neujahrstag 1946 erklärte Kaiser Hirohito in einer Verlautbarung vor dem Parlament die bisherigen religiösen Staatsdogmen als Mythen. Damit wurde der Staat säkularisiert und der Shintoismus wurde zur Privatreligion.

Japans Isolation

Der Glaube an die Besonderheit Japans fand unter anderem in der vom Tenno befohlenen Abschließung Japans von der Welt (1639-1854) seinen Ausdruck. Ausländer durften Japan nicht betreten, Japaner das Land nicht verlassen. Ausnahmen gab es nur mit höchster Genehmigung. Diese Epoche war ein prägendes Ereignis japanischer Mentalität. 30 Millionen Menschen mussten 10 Generationen lang eng zusammengedrängt leben - auf einer Nutzfläche, die bei normalen Ernten gerade ausreichte, alle zu ernähren. Trotz dieser prekären Lage brachten es die Japaner zustande, mehr als 200 Jahre lang erstaunlich friedfertig miteinander zu leben. Dies wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen, hätten die Menschen nicht gleichzeitig dafür gesorgt, dass die sozialen Konflikte, die in jeder Gesellschaft existieren, auf eine einfache Weise entschärft worden wären: Es gab kein extremes Gefälle zwischen Armen und Reichen.

Das Ideal des Buschido

Dieses Wort ist am besten mit "Weg des Kriegers" zu übersetzen. Damit sind die Regeln für die Lebensführung des japanischen Ritters, des Samurais, gemeint. Dazu zählen: Treue, Mut, Ehrfurcht, Höflichkeit, Achtung vor dem Feind, Selbstzucht, Opfer des Lebens für den Herrn.

Shintoismus und Christentum

Die alten Edikte gegen das Christentum wurden 1873 beseitigt, doch man fand es mit den Fundamenten des Staats-Shintoismus nicht vereinbar. Am Christentum wurde besonders kritisiert, dass es Gott und Christus über den Kaiser stellte. Seit 1936 vertrat die Kirche die Auffassung, dass offizielle shintoistische Rituale japanische Staatszeremonien seien, die für einen Katholiken keine religiöse Bedeutung haben.


   
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