Altar, Kanzel, Tabernakel, Monstranz


Jesuitenkirche (Universitätskirche) in Wien

Mit Altar bezeichnet man in der katholischen Kirche jenes tischartige Zentrum fast jedes Gotteshauses, bei dem die Eucharistie, die Messe, stattfindet. Einerseits ist der Altar zur Erinnerung an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat, zu verstehen, andererseits ist der Zusammenhang mit der heidnische ara nie verloren gegangen, da die Interpretation des Kreuzestodes Jesu als Opfer bereits im ersten Jahrhundert vorhanden war.
Mit dem lat. Hauptwort ara bezeichnete man neben dem Götterbild jenen Sitz der Gottheit, auf dem Opfer dargebracht wurden, nach dem die Götter begierig waren.
Die Ableitung vom Eigenschaftswort altus, das hoch bedeutet, bezieht sich auf die heidnische Gewohnheit, den himmlischen Göttern über dem Erdboden zu opfern, den unterirdischen Gottheiten wurde folgerichtig in einer Erdgrube geopfert.


Matisse, Chapelle du Rosaire in Vence

Den Standort des Predigers nennt man Kanzel. Abgeleitet vom lat. Pluralwort cancelli, welches Gitter, Schranken bedeutet, hebt die Kanzel aus mehreren Gründen, akustischen und klerikalen, den Prediger über das Volk.
Die künstlerische Gestaltung der Kanzeln ist ohne bestimmte Regel. Oft findet man die Motive der vier Evangelisten, der wichtigsten Kirchenlehrer, der acht Seligkeiten, der Kardinaltugenden oder von Darstellungen, welche zeigen, dass ein guter Prediger Dämonen vertreibt.



Die Kanzel des Stephansdoms wurde lange dem Dombaumeister Anton Pilgram zugeschrieben. Heute vermutet man eher die Werkstatt Niclaes Gerhaert van Leydens. Auch Pilgrams Vorgänger Jörg Öchsl dürfte Teile des sechseckigen Werks errichtet haben. Da Pilgrams Steinmetzzeichen neben dem bekannten Fenstergucker zu sehen ist, ist anzunehmen, dass er zumindest an der Ausführung beteiligt war.

Der Tabernakel (lat. tabernaculum‚ Hütte, Zelt) bezeichnet in katholischen Kirchen den Aufbewahrungsort der Hostien, die nach katholischem Glauben der Leib Christi sind. Der Name bedeutet auch einen vorwegnehmenden Bezug auf das „himmlische Jerusalem“, das gemäß des Buches der Offenbarung 21, 3 als Zelt Gottes bei den Menschen verstanden wird.

Die Monstranz ist ein der Sonne nachgebildeter Strahlenkranz, der oft mit Edelsteinen verziert ist, und die Hostie zeigt. Monstranz kommt vom lateinischen monstrare, zeigen.
Zu Fronleichnam wird die Hostie in der Monstranz durch die Straßen getragen. Bei Andachten macht der Priester den Segensgestus mit der Monstranz. Beim vierzigstündigen Gebet steht die Monstranz über dem Tabernakel.
Die Monstranz zeigt den Gläubigen die Hostie zur Anbetung. Weil in der Hostie Christus gegenwärtig geglaubt wird, machen die Katholiken eine Kniebeuge vor der Monstranz und auch vor dem Tabernakel. Das Ewige Licht zeigt an, dass konsekrierte Hostien im Tabernakel aufbewahrt werden.
Diese Verehrung des eucharistischen Brotes ist ein Erbe der Gotik. Um die Wende zum 12. Jahrhundert intensivierte sich nicht nur das religiöse Leben, neue Orden entstanden, viele Klöster wurden gebaut, es gab auch einen Wandel der Frömmigkeit. War die Romanik noch durch das Berühren geprägt, geht es in der Gotik um das Schauen. So wurden in der Romanik die Sarkophage mit den Reliquien der Heiligen berührt. In der Gotik stellte man die Reliquien in kostbar gestalteten Schreinen auf den Altar, heute noch im Kölner Dom zu sehen. Die Priester begannen, die Hostie nach den Wandlungsworten hoch zu heben, so dass jeder in der Kirche die Hostie und auch den Kelch mit dem konsekrierten Wein sehen konnten. Die Glocken werden noch heute kurz angeschlagen, die Messdiener bewegen die Schellen oder schlagen auf einen Gong.
Das Schauverlangen der Gotik wird in den großen Fensterflächen noch deutlicher. Aber im Zentrum steht bis heute das eucharistische Brot. Es wird zu Fronleichnam durch die Straßen getragen, um die Häuser und die Felder zu segnen. Viermal wird der Segen in alle vier Himmelsrichtungen erteilt, indem der Priester die Monstranz in Form eines Kreuzzeichens bewegt.


   
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