Babylon



Gustave Doré, 1832 – 1883: Der Fall Babylons, 1867

Babylon wird erstmals im 22. Jh. vChr erwähnt. Unter dem Herrscher Hammurapi erlangte die Stadt um 1700 vChr ihre überragende Bedeutung. Hammurapi, der vor allem durch seine Gesetzesstele – heute im Louvre – berühmt wurde, eroberte das südliche Mesopotamien und baute Babylon als seine Hauptstadt glanzvoll aus. Im Prolog der Gesetzessammlung Hammurapis heißt es, dass die großen Götter Anu, Enlil und Ea die Würde des Höchsten auf den Gott Marduk übertragen hätten. Als Bestätigung dafür erhoben sie seine Kultstadt Babylon über alle anderen Städte, um hier ein ewiges Königtum einzusetzen, dessen Fundamente wie Himmel und Erde fest gegründet sind.

Die wechselvolle und doch so lange währende Bedeutung Babylons resultierte auch aus der Fruchtbarkeit des Landes, welche durch die periodischen Überschwemmungen der Hauptflüsse Euphrat und Tigris gegeben war.

Mit König Nabopolassar beginnt um 626 vChr das letzte große Kapitel Babylons durch die Gründung des neubabylonischen Reiches. Unter seinem Sohn Nebukadnezzar II., 605 – 562, erreichte Babylon seine Glanzzeit. Es erstreckte sich bis zu Ostküste des Mittelmeeres. Doch unter seinen Nachfolgern bereitete sich schnell der Zerfall dieses Reiches vor. 539 vChr eroberte der Perserkönig Kyros die Stadt Babylon. Sie sank nun zu einer Provinzstadt des persischen Reiches herab. 127 vChr wurde Babylon von den Parthern erobert und endgültig marginalisiert. Bis etwa 1000 nChr blieb Babylon noch bewohnt.

Der Name Babylon geht auf das akkadische babili zurück und bedeutet Tor Gottes. Im AT wird der Name herabsetzend auf das hebräische balal zurückgeführt, das verwirren bedeutet. Diese Tendenz, die Stadt mit jedweder Schlechtigkeit in Verbindung zu bringen, wird im NT fortgeführt, wo Babylon nicht nur allgemein als Symbol der Niedertracht, sondern konkret als Bezeichnung für das allmächtige Rom verwendet wird.

Besonders deutlich tritt dies im letzten Buch der christlichen Bibel, der Offenbarung des Johannes, hervor. Hier wird Babylon zur Allegorie für die Gegner der Jünger Christi, welche durch das Römische Reich repräsentiert werden. Reichtum und Pracht der als Hure bezeichneten Stadt Babylon werden als vergänglich geschildert. Von einem Tag auf den anderen, ja sogar innerhalb einer Stunde, wird Babylon in bitterste Armut, Nacktheit und Einsamkeit gestürzt. Darüber werden die in der Gegenwart unter der Herrschaft der Hure Leidenden, allen voran die Christen, jubeln (Offb19,1-3).

Offb 18, 10 – 24:

Sie bleiben in der Ferne stehen aus Angst vor ihrer Qual und sagen: Wehe! Wehe, du große Stadt Babylon, du mächtige Stadt! In einer einzigen Stunde ist das Gericht über dich gekommen. Auch die Kaufleute der Erde weinen und klagen um sie, weil niemand mehr ihre Ware kauft: Gold und Silber, Edelsteine und Perlen, feines Leinen, Purpur, Seide und Scharlach, wohlriechende Hölzer aller Art und alle möglichen Geräte aus Elfenbein, kostbarem Edelholz, Bronze, Eisen und Marmor; auch Zimt und Balsam, Räucherwerk, Salböl und Weihrauch, Wein und Öl, feinstes Mehl und Weizen, Rinder und Schafe, Pferde und Wagen und sogar Menschen mit Leib und Seele. Auch die Früchte, nach denen dein Herz begehrte, sind dir genommen. Und alles, was prächtig und glänzend war, hast du verloren; nie mehr wird man es finden. Die Kaufleute, die durch den Handel mit dieser Stadt reich geworden sind, werden aus Angst vor ihrer Qual in der Ferne stehen und sie werden weinen und klagen: Wehe! Wehe, du große Stadt, bekleidet mit feinem Leinen, mit Purpur und Scharlach, geschmückt mit Gold, Edelsteinen und Perlen. In einer einzigen Stunde ist dieser ganze Reichtum dahin. Alle Kapitäne und Schiffsreisenden, die Matrosen und alle, die ihren Unterhalt auf See verdienen, machten schon in der Ferne Halt, als sie den Rauch der brennenden Stadt sahen, und sie riefen: Wer konnte sich mit der großen Stadt messen? Und sie streuten sich Staub auf den Kopf, sie schrien, weinten und klagten: Wehe! Wehe, du große Stadt, die mit ihren Schätzen alle reich gemacht hat, die Schiffe auf dem Meer haben. In einer einzigen Stunde ist sie verwüstet worden. Freu’ dich über ihren Untergang, du Himmel - und auch ihr, Heilige, Apostel und Propheten, freut euch! Denn Gott hat euch an ihr gerächt. Dann hob ein gewaltiger Engel einen Stein auf, so groß wie ein Mühlstein; er warf ihn ins Meer und rief: So wird Babylon, die große Stadt, mit Wucht hinabgeworfen werden und man wird sie nicht mehr finden. Die Musik von Harfenspielern und Sängern, von Flötenspielern und Trompetern hört man nicht mehr in dir. Einen kundigen Handwerker gibt es nicht mehr in dir. Das Geräusch des Mühlsteins hört man nicht mehr in dir. Das Licht der Lampe scheint nicht mehr in dir. Die Stimme von Braut und Bräutigam hört man nicht mehr in dir. Deine Kaufleute waren die Großen der Erde, deine Zauberei verführte alle Völker. Aber in ihr war das Blut von Propheten und Heiligen und von allen, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind.




   
Seite 1, Homepage
 Seitenanfang
 Seitenende