Die großen europäischen Baustile und ihr religiöser Gehalt

Wo Kunst vom christlichen Menschenbild geprägt ist, spricht man von christlicher Kunst. Davon zu unterscheiden ist die kirchliche Kunst, die der Liturgie und der kirchlichen Selbstdarstellung dient. Die Zerstörung der in sich homogenen christlichen Kulturwelt am Ende des 18. Jahrhunderts ist das Trümmerfeld, auf dem die vielfältigen Erscheinungsformen der modernen Kunst entstanden. Die Ödnis des Endes beflügelte die Entstehung des Neuen.




Romanik

Die romanische Kunst entstand aus der Verschmelzung und eigenständigen Umgestaltung der antiken, altchristlichen und byzantinischen Kunstformen durch die Völker der Völkerwanderung. Die Romanik, beginnend mit dem frühen elften Jahrhundert, ist der erste selbständige monumentale Stil des christlichen Abendlandes.





Rosette, Notre Dame, Paris
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Gotik

Die gotische Kunst löst allmählich die Romanik ab. Sie findet vor allem im Kirchenbau ihren Ausdruck. Darin liegen ihre Anfänge und die großen Höhepunkte ihrer Entwicklung. Natürlich wurden auch gotische Rathäuser, Kreuzgänge, Brücken oder Markthallen errichtet. Doch der kirchliche Großraum bot ihr die optimalen Entfaltungsmöglichkeiten. Durch die starke Longitudinalbewegung und wegen der relativen Enge des Hauptschiffs fand eine besondere Betonung der Höhe statt. Aufgrund der Durchsichtigkeit und Logik der Bauweise sieht man zu Recht einen engen Zusammenhang mit der scholastischen Theologie. Die Gotik erfuhr im historistischen neunzehnten Jahrhundert ihren letzten Ausläufer.





Giovanni Bellini, Sacra Conversazione, San Zaccaria, Venedig

Renaissance

Auf die von Giorgio Vasari als das Mittelalter, das zwischen Antike und Wiederbesinnung auf diese liegt, bezeichnete Periode der Kunst folgt die Renaissance. Vasari sah sie mit Giotto beginnen und mit Michelangelo auf ihrem Höhepunkt. Die Kunst erhält nun einen autonomen Wert und tritt aus der dienenden Haltung gegenüber der Religion. Es entsteht kein Gegensatz, wohl aber ein größeres Betätigungsfeld durch Portraitmalerei und Naturdarstellungen, die in vielen Sacrae Coversationes zu sehen sind.





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Barock

Das Barock ist Ausdruck des katholischen Selbstbewusstseins, das angesichts seiner Behauptung nach der Reformation auch durch die Kunst seinen Triumph darzustellen suchte. Die harmonische Größe der Renaissance wich einem gefühlshaften Überschwang. Wie die Renaissance entstand auch das Barock in Italien. Der Begriff selbst kommt aus dem Portugiesischen. Man bezeichnete unregelmäßig geformte Perlen als „barrocco“, „schiefrund“ oder „merkwürdig“. Zunächst verwendete man in Frankreich den Begriff als eine abwertend gemeinte Bezeichnung für Kunstformen, die nicht der traditionellen Sichtweise entsprachen. Doch ist der Triumph der Gegenreformation nur eine Komponente, andere sind der Versuch, einen Vorgeschmack auf das Jenseits angesichts der irdischen Unvollkommenheit zu geben und dem Gefühl wieder Raum zu geben, das durch die protestantische Strenge in Misskredit geraten war. Mit den zahlreichen kirchlichen Neubauten, Kirchen Stiften, Kapellen, Kreuzwegen und dergleichen gelang dem Katholizismus eine tiefe Verankerung im Volk.





   
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