Zur Geschichte der christlichen Kirchen

Die Christen verweigerten dem römischen Kaiser die göttliche Verehrung. Deshalb kam es zu oft grausamen Verfolgungen. Erst der römische Kaiser Konstantin gab ihnen im Jahr 313 die Freiheit und Gleichberechtigung.

In der Folge konnten Meinungsverschiedenheiten unter den Christen offen und radikal ausgetragen werden, sodass diese immer wieder zu Spaltungen führten. Auf großen Kirchenversammlungen (Konzilien) versuchte man, Streitfragen aus dem Weg zu räumen.

Doch schon ab 451 gingen die Kirchen Armeniens, Syriens, Ägyptens und Äthiopiens eigene Wege. Diese Kirchen nennt man Orientalische Kirchen.

1054 kam es zur Spaltung zwischen der lateinischen Westkirche unter dem römischen Papst und der griechischen Ostkirche unter dem oströmischen Kaiser und dem Patriarchen von Konstantinopel (heute Istanbul). So entstanden die orthodoxen Kirchen.

Das Jahr 1517 schließlich gilt als „Geburtsjahr“ der protestantischen Reformation in Deutschland unter Martin Luther. Es folgte die Reformation in der Schweiz (Ulrich Zwingli, Johannes Calvin), bald auch die Trennung der Kirche Englands von Rom (Anglikanische Kirche).

Die letzte europäische Kirchenspaltung vollzog sich 1870, als die altkatholische Kirche entstand, welche das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma, das auf dem ersten vatikanischen Konzil, 1869 – 1870, formuliert wurde, nicht anerkannte.

Mit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) öffnete sich die römisch-katholische Kirche für das ökumenische Gespräch. Heute gibt es weltweit rund zwei Milliarden Christen. Etwa die Hälfte von ihnen gehört der römisch-katholischen Kirche an. Sie ist damit die größte christliche Konfession.

Religion ist ein kulturelles Merkmal und beeinflusst das Verhalten eines Menschen in vielfältiger Weise. Dazu gehören die Tätigkeit des Betens, das Essverhalten, aber auch das politische Wahlverhalten und Einstellungen zu moralischen Fragen wie etwa zu Themen wie Abtreibung oder Kriegsbeteiligung. Aber Europa war einmal ein christlicher Kontinent.

Nordeuropa, inklusive Teile Deutschlands, der Niederlande sowie Lettland, war dem protestantischen Christentum zuzuordnen.

Mittel- und Südeuropa waren vornehmlich vom katholischen Christentum geprägt.

Der Großteil Osteuropas sowie Südosteuropas waren im orthodoxen Christentum verankert.

Das protestantische Christentum beträgt heute lediglich in drei Ländern mehr als 50 Prozent: Dänemark (85,9%), Finnland (73,4) und Schweden (61,9). In fünfzehn Ländern gehören weniger als 5 Prozent dem protestantischen Glauben an. Dies sind Irland, Luxemburg, Rumänien und die Tschechische Republik zwischen zwei und vier Prozent. In Frankreich, Malta und Portugal sind zwischen ein und zwei Prozent der Bevölkerung Protestanten. In den Ländern Belgien, Bulgarien, Italien, Litauen, Polen, Slowenien, Spanien und Zypern sind weniger als ein Prozent der Gläubigen protestantisch geprägt.

In folgenden Ländern ist mehr als die Hälfte der gläubigen Bevölkerung katholisch: Malta (96,1%), Polen (93,7), Irland (83,4), Portugal (82,9), Litauen (80,6), Italien (79,6), Österreich (72,7), die Slowakische Republik (70,7), Slowenien (66,7), Luxemburg (62,1), Spanien (57,4) und Belgien (50,5). Sehr wenig verbreitet, also unterhalb der Fünfprozentmarke, ist der Katholizismus in den sogenannten neuen Ländern der Bundesrepublik (3,1%) sowie Schweden (1,8), Zypern (1,5), Estland (1,3), Griechenland (0,7), Dänemark (0,5), Bulgarien (0,2) und Finnland (0,1).

In immerhin vier europäischen Ländern gehören mehr als 50 Prozent der Bevölkerung dem orthodoxen Glauben an. Diese sind Zypern (96,8%), Griechenland (94,4) und Rumänien (87,0) und Bulgarien (61,0).

Die in den letzten Jahrzehnten deutlich feststellbare Verdampfung der religiösen Prägungen ist nicht zu übersehen. Gewisse Grundhaltungen, Schwerpunkte der Geschichte und Eigenheiten der Kultur in Europa sind jedoch ohne das Christentum nicht erklärbar.


   
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