Das irdische Jerusalem im Jahre 2008 vom Ölberg
aus gesehen.

Jerusalem

Der Name ist akkadischen Ursprungs und lautete urusalim, was Gründung des Gottes Schalem bedeutet. Bis König David Jerusalem zu seiner Hauptstadt machte, war die Stadt von der kanaanitischen Urbevölkerung besiedelt, die allmählich von den Israeliten verdrängt wurde. Da der größte Teil des ursprünglich besiedelten Teils der Stadt überbaut ist und noch dazu hochheilige Stätten des Judentums und des Islams enthält, konnten nie Ausgrabungen im großen Stil durchgeführt werden.

Nach den Briefen von Amarna¹ wurde Jerusalem in der Mitte des zweiten Jahrtausends vChr vom hethitischen Fürsten Ahdi-Chepa regiert. Ein halbes Jahrtausend später, nach dem Tod König Davids begann sein Sohn und Nachfolger, König Salomon, eine intensive Bautätigkeit. In der Folgezeit kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen, welche Jerusalem schwer in Mitleidenschaft zogen, bis schließlich 587 vChr die Babylonier die Stadt zerstörten und den Großteil der Bevölkerung verschleppten. 538 vChr erlaubte der Perserkönig Kyros die Rückkehr. Allmählich wurden die Stadt und der Tempel wieder aufgebaut. Eine Konsolidierung schien in Sicht. Doch nach dem Tod Alexanders des Großen im Jahre 323 vChr bemächtigten sich die Seleukiden Jerusalems, plünderten den Tempel und installierten eine neue Ordnung im Geiste des Hellenismus. 63 vChr eroberte Pompeius die Stadt, die nun zum Imperium Romanum gehörte. Nach dem jüdischen Aufstand im Jahre 70 wurde Jerusalem von einem römischen Heer unter der Führung des Titus eingenommen, der Tempel wurde endgültig zerstört. Nach neuerlichen Aufständen zwischen 132 und 135, die unter Kaiser Hadrian niedergeschlagen wurden, kam es zu Umbenennung der Stadt, die nun Colonia Aelia Capitolina genannt wurde. Auf dem Platz des zerstörten Tempels wurde ein Heiligtum des Jupiter Capitolinus errichtet. Den Juden wurde bei Todesstrafe verboten, diese neue Stadt zu betreten.

Für das Judentum ist Jerusalem nach wie vor eine besondere Stadt.
Die vierzehnte Bitte des Schmone Esre² lautet: Nach deiner Stadt Jerusalem kehre in Erbarmen zurück, wohne in ihr, wie du gesprochen, erbaue sie bald in unseren Tagen als ewigen Bau, und Davids Thron gründe schnell in ihr. Gelobt seist du, Ewiger, der du Jerusalem erbaust!

In der siebzehnten Sure des Korans erzählt Mohammed von einer Nachtreise, die ihn vom heiligen Tempel zu Mekka zum fernen Tempel von Jerusalem geführt hat, wo er sich von Allah in den Himmel emporgeführt wähnte. Auf dem Tempelberg befinden sich heute die nach Mekka und Medina beiden wichtigsten Moscheen, der Felsendom und die al-Aksa.

Für die Christen hat zwar Jerusalem als historischer Ort des Wirkens, Leidens und der Auferstehung Jesu Christi eine besondere Bedeutung, doch ist die Stadt kein heiliger Ort im Sinne des Judentums oder des Islams, da der christliche Glaube sich an keinen Ort gebunden sieht.

Im letzten Buch der christlichen Bibel, der Offenbarung des Johannes, wird Jerusalem eine besondere Rolle zugeordnet. Diese bündelt spätjüdische Vorstellungen, aber auch ältere, die sich im AT finden, mit der frühchristlichen Hoffnung von der bald zu erwartenden Wiederkunft Christi. Hier wird das himmlische Jerusalem – das irdische lag bereits in Trümmern – zum Gegenbild Babylons. Im 21. Kapitel der johanneischen Offenbarung ist zu lesen:
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein. Die Feigen aber und Ungläubigen und Frevler und Mörder und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner, deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod. Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den letzten sieben Plagen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir die Frau zeigen, die Braut des Lammes. Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott, die hatte die Herrlichkeit Gottes; ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall; sie hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben, nämlich die Namen der zwölf Stämme der Israeliten: von Osten drei Tore, von Norden drei Tore, von Süden drei Tore, von Westen drei Tore. Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes. Und der mit mir redete, hatte einen Messstab, ein goldenes Rohr, um die Stadt zu messen und ihre Tore und ihre Mauer. Und die Stadt ist viereckig angelegt und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr: zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. Und er maß ihre Mauer: hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das der Engel gebrauchte. Und ihr Mauerwerk war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas. Und die Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen. Der erste Grundstein war ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, ein jedes Tor war aus einer einzigen Perle, und der Marktplatz der Stadt war aus reinem Gold wie durchscheinendes Glas. Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm. Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen. Und ihre Tore werden nicht verschlossen am Tage; denn da wird keine Nacht sein. Und man wird die Pracht und den Reichtum der Völker in sie bringen. Und nichts Unreines wird hineinkommen und keiner, der Gräuel tut und Lüge, sondern allein, die geschrieben stehen in dem Lebensbuch des Lammes.



1) Die Amarna-Briefe umfassen einen Fund aus Tontafeln in akkadischer Keilschrift, die zum Palastarchiv des Pharaos Echnaton aus seiner Residenz Achet-Aton, dem heutigen Tell el Amarna in Ägypten gehörten. Eine der zahlreichen Tontafeln bezieht sich auf den hethitischen Fürsten von Jerusalem.
2) Diese hebräische Bezeichnung bedeutet ‚Achtzehngebet’ und bildet eine Serie von ursprünglich 18, jetzt 19 Bitten. Es wurde um das Jahr 100 für die täglichen Gebetszeiten festgesetzt und bildet bis heute das Hauptgebet des jüdischen Lebens.


   
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