ROM


In den Vatikanischen Museen befindet sich diese Säule des Antoninus Pius und seiner Frau Annia Galeria Faustina. Das Kaiserpaar wird vom Genius Aion, der das Lebensalter personifiziert, in den Himmel getragen, links stellt ein in Siegesgewissheit liegender Jüngling den Campus Martius dar, rechts findet sich eine Darstellung der Roma Aeterna, die sich auf Waffen stützt und alles überdauert.

Der antike römische Historiker Varro errechnete als Gründungsdatum Roms den 21. April 753 vChr. Die im Dunkel der Geschichte liegende Königszeit lässt er mit Romulus beginnen und mit Lucius Tarquinius Superbus, der 510 vChr vertrieben wurde, enden.

Die Geschichte Roms ist durch drei Faktoren bestimmt:
° Abwehr äußerer Feinde
° Zufriedenstellung der Plebs
° Verwaltung der res publica

In der Zeit der Republik und der Revolutionen bis 30 vChr wurde dies zwar nicht immer erfüllt, aber so gehandhabt, dass der Aufstieg Roms zur alleinigen Macht des Mittelmeerraums unaufhaltbar wurde. Unter den julisch-claudischen Kaisern, 27 vChr bis 68, und den flavischen Kaisern, 69 bis 96, erlebte das Imperium Stabilität und eine kulturelle Hochblüte. Unter den Adoptivkaisern, 96 bis 193, erlangte es seine größte Macht. Unter den Soldatenkaisern, 193 bis 284, kam es zu jenen Erschütterungen, welche das Ende des Imperium Romanum einleiteten. Die Bedrängungen des Reiches durch die Germanen und Perser, das häufige Auftreten der Pest, Geldentwertung, Steuererhöhungen wegen der Kosten für die Heere und eine aufgeblähte Bürokratie zerrütteten die Wirtschaft und führten zu einer inneren Zersetzung, welche durch die unter Kaiser Diokletian rigoros einsetzende und zwölf Jahre dauernde Christenverfolgung noch beschleunigt wurde. 476 wurde der letzte Kaiser Romulus Augustulus von Odoaker, einem weströmischen Offizier germanischer Herkunft, abgesetzt. Fast 1400 Jahre prägten nun die Päpste das Bild der Stadt. 1871 wurde Rom zur Hauptstadt des geeinten Italiens.

Rom gilt seit dem Anfang der Kirche als Zentrum, weil die Päpste von der katholischen Kirche als Nachfolger des Petrus und Inhaber der Schlüsselgewalt angesehen werden.¹ Doch ist dies keine Notwendigkeit. Im Mittelalter, 1309 bis 1377, residierten die Päpste in der südfranzösischen Stadt Avignon. Pius XII. erwog in der Zeit der deutschen Besetzung Roms ernsthaft, seinen Sitz nach Irland zu verlegen, wozu es dann doch nicht kam.

Die Künste, die durch die Päpste gefördert wurden, hatten zwar durchaus eine Grundlage im päpstlichen Repräsentationswillen, doch dienten sie in erster Linie der Darstellung des christlichen Glaubens. Die europäische Kunst ist ohne diese Werke nicht vorstellbar. Da die Päpste die höchsten Lehrer der Kirche sind, wurden ihre Aussagen maßgeblich für das Selbstverständnis Europas. Die Überprüfung aller Ideen und Lehren durch päpstliche Instanzen leisteten wichtige Beiträge zur Klärung von Kontroversen, die innerhalb Europas ausgetragen wurden, auch wenn diese mit Kirchenstrafen gemäß dem Selbstverständnis der Zeit verbunden waren.

Allmählich wurde das päpstliche Rom nach der Französischen Revolution ein Bollwerk gegen die Aufklärung und fast jede Art der Veränderung. Diese Ablehnung der Moderne geschah oft reflexartig und ohne kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Dabei hätten den aufmerksamen Augen der Hirten viele Entwicklungen zu denken geben müssen. Doch überließ und überlässt man den neutestamentlichen Impuls, die Zeichen der Zeit zu erkennen, anderen: Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils... Aufklärung ist totalitär.²



1) Mt 16, 18 – 19: Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.
2) Max Horkheimer und Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung, Fischer 2003, Seite 12


   
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