Konstantin Yuon schuf 1920 dieses Porträt
des Schriftstellers Wjatscheslaw Iwanow (1866 – 1949),
von dem das nebenstehende Gedicht stammt.

Es wurde um 1906 geschrieben.
Christoph Ferber übersetzte es aus dem Russischen.
Wjatscheslaw Iwanow

Der Weg nach Emmaus

Am dritten Tag, schon gegen Abend,
führte zum Ufer uns das Boot.
Wir standen da, verwirrt und fragend,
vor uns nur Golgotha und Tod.

Und unerbittlich auf der Lauer
stand überall die große Nacht.
Die Sonne sank – und Todesschauer
umhüllte uns mit stummer Macht.

Und ausweglos schien uns die Lage,
das Herz erstickte wie im Grab.
Doch scheint da nicht ein Licht?
Und schaut es
nicht auf die Finsternis hinab?

Und sind’s nicht Frauen, die da künden,
als wären sie im Fieberrausch?
Nein, nirgends gibt es ein Entrinnen,
nur Nichts steigt aus den Dunkel auf.

Da tritt zu uns ein fremder Wanderer
und spricht mit uns vom Opfertod,
vom toten Gott,
vom Mahnwort anderer.
Das Herz – es atmet auf und loht.