... Ein unangefochtenes Leben
ward weder dem Aiakiden Peleus
noch dem gottgleichen Kadmos. Und doch heißt es,
sie hätten das höchste Glück der Menschen erlangt, sie, die den Gesang der Musen
mit dem goldenen Stirnband im Bergwald und im siebentorigen Theben hörten,
als dieser die rundäugige Harmonia,
jener die ruhmreiche Thetis, die Tochter des klugen Nereus, freite.


Die Götter waren bei beiden zum Mahle,
und beide sahen die königlichen Söhne des Kronos auf goldenen Stühlen und empfingen
Geschenke. Durch Zeus’ Huld
hatten sie früheres Leid verwinden und ihr Herz wieder aufrichten können.
Nach einer Zeit hinwiederum
nahmen dem einen drei Töchter mit schmerzenden Leiden
seines Frohsinns Teil, zur weißarmigen Thyone kam der Vater Zeus,
aus Sehnsucht nach ihrem Lager.
Des anderen Sohn, den als einzigen die unsterbliche Thetis
in Phthia geboren, ließ im Krieg vom Pfeil getroffen sein Leben
und weckte, da er am Scheiterhaufen brannte,
die Klage unter den Griechen. Wenn ein Mensch weiß der Wahrheit Weg,
soll er, was ihm geschenkt von den Göttern, genießen.
Das Wehen der Winde in der Höhe
geht hierhin und dorthin. Segen hält nicht lange unter den Menschen
unvermindert vor, wenn er mit ganzer Fülle sich einstellt.
Klein im Kleinen, groß im Großen
will ich sein, den mich begleitenden Dämon immer im Herzen ehren
und ihm nach meiner Möglichkeit dienen.
Wenn mir ein Gott üppigen Reichtum bietet,
hoffe ich, fürderhin hohen Ruhm zu finden.
Von Nestor und dem Lykier Sarpedon, Gestalten, von denen die Menschen künden,
wissen wir aus rühmenden Gedichten, wie sie die Dichter baumeisterlich fügten.
Leistung gewinnt Ewigkeit in Gedichten,
die in aller Munde sind. Es zu erreichen ist nur wenigen vergönnt.

Pindar, Pythische Oden III, 4b – 5


Pindar lebte etwa von 522 – 442 vChr. Er stammte aus Kynoskephalai bei Theben. In der aristokratischen Hauptstadt Boötiens wurde er als Spross einer angesehenen, alten Familie im Geiste der Tradition erzogen und besaß das Bürgerrecht. Ihm missfiel jegliche Volksherrschaft, sowohl die in Theben als auch die in Athen. Er hielt sich jedoch mit politischen Äußerungen völlig zurück. An den Perserkriegen nahm er nicht teil, als Theben auf der Seite der Perser gegen die Athener stand. Vielmehr zog er sich nach Ägina zurück. Nach den Perserkriegen blieb ihm trotz der Distanz zu den politischen Ereignissen sein hohes Ansehen in ganz Griechenland einschränkungslos erhalten.