Wisława Szymborska

Einst hatten wir die Welt

Einst hatten wir die Welt im Flug gewusst:
– Sie war so klein, dass zwei im Händedruck sie fassen konnten,
so leicht, dass sie mit einem Lächeln sich beschreiben ließ,
so einfach wie das Echo alter Wahrheit in Gebeten.

Die Geschichte hat uns keine Siegerfanfare geschmettert:
Sie hat uns schmutzigen Sand in die Augen gestreut.
Weite und blinde Straßen lagen vor uns,
bitteres Brot, vergiftete Brunnen.

Unsere Kriegsbeute ist das Wissen von dieser Welt:
– Sie ist so groß, dass zwei im Händedruck sie fassen können,
so schwer, dass sie mit einem Lächeln sich beschreiben lässt,
so seltsam wie das Echo alter Wahrheit in Gebeten.

Aus dem bei Suhrkamp 1986 von Karl Dedecius übersetzten und herausgegebenen Gedichtband Hundert Freuden