Im Fledermausturm

Zunächst ist es ein fast unhörbares Rauschen. Man blickt in den spärlich beleuchteten Raum und erschrickt, da man etwas schwer Erkennbares bemerkt, das schattenhaft und schnell durch die Luft segelt. Es gibt keinen Laut von sich, sondern lässt einen erschauern, da es manchmal ganz nahe vorbeifliegt und einen leichten Luftzug verursacht. Ist es ein aus den Büchern entstandenes atmosphärisches Wesen, das nun den Leser in seinem Bibliotheksturm verwirrt? Nein. Es ist nur eine Fledermaus, die durch unsichtbare Ritzen des alten Hauses in das Zimmer gelangt ist. Aus Angst, dass beim Öffnen des Fensters weitere ihrer Artgenossen in den Raum gelangen, beginnt nun mit einem weißen Tuch die Jagd nach dem geflügelten Tierchen. Es ermüdet schnell, was an seinem ziellosen Flattern erkennbar wird. Schnell ist es gefangen. Sorgfältig wird das nun zusammengefaltete Tuch, durch welches das pochende Herz des seltsamen Gastes zu spüren ist, beim Fenster ins Freie gehalten und schon ist die Fledermaus in ihr unsichtbares Reich entkommen.

Fast kann ich das soeben Erlebte nicht glauben. Ich begebe mich zu meinem Schreibtisch, wo ich mich nach diesem seltsamen Intermezzo wieder dem Bündel der Notizblätter widme, welches den alten Handschriften beigelegt war.

   


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