3. Abraham



Rembrandt, 1606 – 1669: Opferung Isaaks, St. Petersburg

Die berühmte Schilderung der Opferung des Isaak durch Abraham, seinen eigenen Vater, zeigt die biblische Entwicklung der allmählichen Erkenntnis, dass mit dem Glauben an Gott Menschenopfer unvereinbar sind. Abraham opfert anstelle seines Sohnes Isaak einen Widder. Die Raserei Gottes ist überwunden.

Abraham gilt als der erste der Patriarchen. In seiner Gestalt werden unter dem Thema ‚Wanderungen’ Personen, die verschiedene Traditionen repräsentieren, zusammengefasst. Den wichtigsten Grundton der Abrahamserzählungen bildet die göttliche Verheißung, Abraham und seine Nachkommen werden das Land Kanaan besitzen. Nach einer Überlieferung stammte Abraham aus der Stadt Ur in Südbabylonien.

Andererseits entwickelt sich angesichts der Bedrohung der Eigenständigkeit der Israeliten eine Auffassung vom Glauben, welche eine Unabhängigkeit vom Tempel, dem Opferkult und anderen Einrichtungen hervorhebt. Der als Fremdling wandernde, aber stets vom Segen Gottes begleitete Abraham wird zum Vorbild des ganz auf Jahwe hörenden Glaubenden.

Dies wird dann in der Identitätskrise des babylonischen Exils im 6. Jahrhundert vChr als Konzept einer Abstammung der Israeliten von Abraham voll entwickelt. Die Gefährdung des Bestandes des eigenen Volkes und der Verlust des eigenen Landes bewirkten, dass in den Texten die Verheißungen zahlreicher Nachkommenschaft und der Gabe des Landes eine zentrale Stellung einnehmen. Besonders wird dies auch hervorgehoben durch die Betonung endogamer¹ Eheschließungen.




¹ Darunter versteht man eine Heiratsregel, bei der Eheschließungen nur innerhalb einer bestimmten Gruppe oder Sippe gebilligt werden.

   
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