Detail des Altares des heiligen Vincenz Ferrer von Giovanni Bellini,
ca. 1465, in der Kirche Santi Giovanni e Paolo in Venedig

St. Christophorus

Reprobus stammte aus Kanaan und hatte die Gestalt eines Riesen. Da er wild und hochmütig war, nahm er sich vor, nur dem mächtigsten Herrn auf Erden zu dienen. Er ging auf Reisen und kam zu einem mächtigen König, der über ein großes Volk herrschte. Dieser nahm Reprobus als starken Ritter auf und hielt ihn in Ehren. Eines Tages kam bei einem Gastmahl ein Sänger und trug mit seiner Harfe Lieder vor, eines erzählte von der Gewalt Satans. Da bekreuzigte sich der König. „Du fürchtest also einen Mächtigeren!“, sagte Reprobus und zog in die Wildnis hinaus, um Satan zu suchen. In einer stürmischen Nacht kamen zwölf verwegene Ritter herangaloppiert, unter ihnen einer auf schwarzem Ross und in schwarzer Rüstung. “Ich bin der, den du suchst“, sagte er zu Reprobus. Darauf trat Reprobus in seine Dienste. Eines Tages stand an einer Weggabelung ein einfaches Kreuz. Da umritt Satan mit den Seinen diesen Ort im weiten Bogen. „Warum bist du vor diesem Zeichen geflohen?“, fragte Reprobus. „Es gab einmal einen gewissen Christus, den man ans Kreuz geschlagen hat. Immer wenn ich seinen Spuren begegne, befällt mich Furcht.“ „Also bist du nicht der Mächtigste!“, sagte Reprobus. „Ich werde diesen Christus suchen.“ Lange wanderte er umher, bis er an einem großen Fluss einen alten Einsiedler traf. Dieser sagte ihm, dass Christus vor allem Fasten, Beten und gute Taten fordere. „Baue dir hier eine Hütte und trage auf deinen starken Schultern die Reisenden ans andere Ufer.“ Reprobus befolgte genau seinen Rat. Eines Abends hörte er ein Kind rufen, stand auf, nahm das Kind auf seine Schultern und trug es durch die Wellen. Das Wasser aber stieg immer höher und die Last wurde immer schwerer. Der Träger bekam es mit der Angst zu tun und rief: „Kind, du bist so schwer, als hätte ich die ganze Welt auf dem Buckel.“ Das Kind aber sagte: „Du trägst nicht nur die Welt, sondern auch den, der die Sünde der Welt getragen hat. Künftig sollst du daher Christophorus heißen.“

Dieser Heilige wird meist als Riese, der das Jesuskind auf seinen Schultern durch das Wasser trägt, dargestellt. Die Kirche feiert das Fest des heiligen Christophorus am 25. Juli.


   
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