12. Eigentum und Verantwortung

Aristoteles* begründete die Vorzüge des Privateigentums damit, dass wo kein Eigentum ist, auch keine Freude zum Geben entstehen kann. Denn niemand kann dann das Vergnügen haben, seinen Freunden, seinen Gästen oder den Armen in ihrem Mangel zu helfen. Ein Reicher, der dies nicht erkennt, ist oft nur ein Armer mit viel Geld.

In seinem Lehrschreiben Populorum Progressio formulierte Papst Paul VI. den Grundsatz, dass die Wirtschaft ausschließlich dem Menschen zu dienen habe, nicht umgekehrt. Er wies alle Vorstellungen zurück, wonach das Streben nach Gewinn der eigentliche Motor des wirtschaftlichen Fortschritts sei. Das Gewinnstreben ist kein schrankenloses Recht, sondern muss immer in die Verantwortung für die Menschen eingebettet sein. Schon im alttestamentlichen Buch Kohelet ist zu lesen, dass wer das Geld liebt, davon nie genug bekommt.* Einen solchen Menschen besitzt eher das Geld, als dass er es besitzt.

Die Katholische Soziallehre bewertet alle gesellschaftlichen Einrichtungen danach, ob sie dem Gemeinwohl dienen. Staat und Wirtschaft müssen in eine gerechte Ordnung eingebettet sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass nicht mehr das Wohl aller, sondern verwerfliche Motive und auch die Profitgier Einzelner im Mittelpunkt stehen.

Das siebte der Zehn Gebote heißt: Du sollst nicht stehlen. Es verweist zunächst auf das Unrecht, jemandem etwas wegzunehmen. Da ein menschenwürdiges Leben mit dem Recht auf Eigentum einher geht, sofern man nicht freiwillig darauf verzichtet, ergibt sich daraus auch das menschliche Streben, die Güter der Welt gerecht zu verteilen. Über dem Eigentum steht die Gerechtigkeit, über der Gerechtigkeit steht die Liebe.


   
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