1. Die Erbsünde



Biennale von Venedig, 2009

Die menschliche Erfahrung, ein unvollkommenes Wesen zu sein, drückt sich in verschiedenen Mythen der Bibel aus. Diese sind ungenau in ihrer Begründung, aber genau in ihrer Aussage. Verwunderlich ist dies nicht, da dies Kennzeichen des Mythos sind. Die Bibel beschreibt den Menschen als geistbeseeltes Wesen nach dem Bilde Gottes. Der im Buch Genesis erwähnte Baum der Erkenntnis von Gut und Böse verweist darauf, dass der Mensch mit dem Gebrauch der Vernunft sowohl zum Guten, aber auch zum Bösen fähig ist. Warum das so ist, bleibt ein Mysterium.

Die Paradieserzählung beschreibt den Menschen als einen, der wie Gott sein will, aber ohne Gott und nicht Gott gemäß. Nach christlicher Auffassung begnügt sich der Mensch, der ohne Gott auskommen will, mit sich selbst und seiner Unvollkommenheit. Er schließt jene Dimension aus, welche ihn ihm mehr sieht als einen „von der Erde Genommenen“.

Sünde ist eine persönlich zu verantwortende Schuld. Der Begriff Erbsünde meint etwas anderes. Mit Erbsünde bezeichnet die Theologie den unheilvollen Zustand der Menschheit, in den jeder Mensch hineingeboren wird, noch bevor er aus freier Entscheidung überhaupt selbst sündigen kann.


   
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