12. Die vier Evangelisten

Das Matthäus-Evangelium steht an erster Stelle, da lange Zeit angenommen wurde, dass es das älteste ist. Die moderne Bibelkritik setzt jedoch mit guten Gründen das Markus-Evangelium an die erste Stelle.

Das Matthäus-Evangelium entstand um das Jahr 80 nChr. Matthäus war wahrscheinlich ein aus dem Judentum kommender Schüler der Apostel. Das uns überlieferte Evangelium wurde in griechischer Sprache geschrieben. Der Autor verwendete sowohl das Markusevangelium als auch einen weiteren Text, von dem auch Lukas Kenntnis hatte. Diese verloren gegangene Textsammlung wird Quelle Q genannt. Matthäus legt Wert auf die Interpretation der Gestalt Christi als Erlöser, der sich den Menschen in der Tradition des Alten Testaments zu erkennen gibt. Matthäus geht auf den Stammbaum Jesu ein und deutet bereits in seiner Kindheitsgeschichte den Messias an. Deshalb ist das Symbol des Matthäusevangeliums der Mensch, welcher oft mit Flügeln dargestellt wird.

Markus verfasste das älteste der vier Evangelien. Er schrieb es um 70 nChr zur Zeit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer. Dieses Evangelium beginnt mit dem Wirken Johannes des Täufers. Im Zentrum des Evangeliums stehen die Erzählungen vom Leiden und Tod Christi. Die eindrucksvolle Schilderung der Rolle Johannes des Täufers als Rufer in der Wüste führte dazu, dass der Löwe zum Symbol des Markus wurde.

Lukas war wahrscheinlich Arzt. Er trat mit dem Anspruch auf, einen Tatsachenbericht zu verfassen und die Geschichte Jesu wahrheitsgemäß wiederzugeben. Er wollte die Verkündigung der frohen Botschaft historisch und theologisch zuverlässig überliefern und berief sich auf Augenzeugen zurückliegender Überlieferungen. Lukas hatte Kenntnis sowohl vom Markusevangelium als auch von der erwähnten Quelle Q. Das Lukas-Evangelium datiert aus der Zeit 80 bis 90 nChr. Da am Anfang des Evangeliums die Ereignisse um die Geburt Johannes des Täufers stehen, dessen Vater Zacharias Priester im Tempel zu Jerusalem war, ist das Symbol des Evangeliums der Stier, welcher als Opfertier galt.



Die vier Evangelistensymbole aus einem Evangeliar, 8. Jahrhundert, Trier, Domschatz

Das Evangelium des Johannes entstand etwa um 100 nChr. Dieses Evangelium unterscheidet sich von den anderen. Es fehlen viele der Ereignisse, die in den anderen Evangelien zur Sprache kommen. Während bei Markus, Matthäus und Lukas die Erzählung abwechslungsreich und der Handlungsverlauf von Aktivität gekennzeichnet ist, wird das Johannes-Evangelium durch einen kontemplativen, meditativen Ton geprägt, in dem die Belehrungen und Reflexionen Jesu im Mittelpunkt stehen. Wie schon Markus erwähnt auch Johannes die Geburt Jesu mit keinem Wort. Da der Beginn des Johannesevangeliums, der Prolog, einen geistigen Höhenflug darstellt, wurde der Adler zum Symbol dieses Evangeliums.


   
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