2. Der historische Jesus

Die wichtigsten nichtchristlichen, antiken Quellen über Jesus von Nazareth sind Tacitus, Sueton und Flavius Josephus.

Tacitus(55/56 – etwa 120): Annalen 15, 44

Keine menschliche Anstrengung, keine Spenden des Herrschers, keine Sühnezeremonien für die Götter verscheuchten den Verdacht, es habe auf Befehl gebrannt. Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, schob er (Nero) die Schuld auf andere und verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen Verhassten, die das Volk „Chrestianer“ nannte. Der Urheber dieses Namens ist Chrestus, der unter Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Dieser verderbliche Aberglaube war für den Augenblick unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo er aufgekommen war, sondern auch in Rom, wo alle Gräuel und Abscheulichkeiten der ganzen Welt zusammenströmen und geübt werden.

Sueton (70 – 130): Vita Claudii 25, 4

Claudius vertrieb die Juden, die unter Anstiftung des Chrestus Tumult stifteten, aus Rom.

Flavius Josephus (37/38 – 105): Antiquitates 18, 63 – 64 und 20, 200

In jener Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn er überhaupt ein Mensch genannt werden darf. Er wirkte nämlich außerordentliche Dinge und war Lehrer derjenigen, welche die Wahrheit mit Freuden aufnahmen. Er zog viele Juden an sich und auch viele Griechen. Obwohl ihn Pilatus, auf die Anklage unserer angesehensten Männer hin, dem Kreuzestod überantwortete, verschwanden doch die nicht, die ihn von Anfang an geliebt hatten. Ihnen erschien er am dritten Tag, wieder lebendig geworden, wie schon die göttlichen Propheten diese und tausend wunderbare Dinge von ihm verkündet hatten. Und noch heute hat die Schar derer, die nach ihm Christen heißen, nicht abgenommen.
[ ... ]
Ananos hielt die Gelegenheit für günstig, da Festus gestorben und Albinus noch unterwegs nach Judäa war. Er berief eine Gerichtssitzung des Hohen Rates ein und ließ Jakobus, den Bruder Jesu, des sogenannten Gesalbten, und einige andere vorführen. Die Anklage lautete auf Gesetzesübertretung. Er ließ sie zur Steinigung abführen.

Diese und andere nichtchristliche Quellen führen zum Ergebnis, dass sie Rückschlüsse auf die Existenz Jesu liefern. Ebenso belegen sie die zeitliche Einordnung seines Wirkens, seinen gewaltsamen Tod und die Bedeutung der ersten Christen. Zur Rekonstruktion des Lebens und Wirkens Jesu im Einzelnen können sie aber nichts Wesentliches beitragen.


   
Seite 1
 Seitenanfang
 Seitenende