8. Das Katharinenkloster

Auf einer Ebene des Gebirges der Halbinsel Sinai (Ägypten) liegt auf einer Höhe von 1570 m das Katharinenkloster. Es ist das älteste Kloster der Christenheit. Die Mönche sind griechisch orthodox und unterstehen dem Patriarchen von Jerusalem.

Schon im vierten Jahrhundert verbanden viele Christen die Suche nach einem tiefen Glauben mit der Einsamkeit der Wüste und ließen sich in dieser biblischen Gegend nieder. Hier soll Gott durch den brennenden Dornbusch zu Moses gesprochen haben und auf einem Berg der Halbinsel Sinai soll Moses die zehn Gebote empfangen haben. Im Jahre 327 pilgerte Kaiser Konstantin mit seiner Mutter Helena hierher.

Im Jahre 527 wurde auf Veranlassung des oströmischen Kaisers Justinian das heutige Kloster mit seinen 15 m hohen Mauern gebaut. Zur damaligen Zeit lebten bis zu 400 Mönche hier. Heute sind es 25, davon 20 aus Griechenland. Das Kloster besitzt die bedeutendste Sammlung alter Ikonen (mehr als zweitausend) und nach dem Vatikan die größte Anzahl alter Handschriften. Die Wirren der Bilderstürmerei im byzantinischen Reich während des 8. und 9. Jahrhunderts hatten keinen Einfluss auf die zahlreichen Ikonen im Kloster. Einige Bilder zählen zu den Acheiropoieta* . Die Klosterbibliothek ist die älteste erhaltene christliche Bibliothek. Sie enthält sechstausend Handschriften in griechischer, syrischer, äthiopischer, arabischer, georgischer und kirchenslawischer Sprache, davon dreitausend aus der Antike und einige davon sind älter als das Kloster selbst.

Namenspatron des Klosters ist die heilige Katharina von Alexandria, ein junges Mädchen aus gutem Hause, klug, gebildet und schön. Zur Zeit der Christenverfolgung Anfang des vierten Jahrhunderts versuchte sie den römischen Kaiser Maximianus zu bekehren. Sie wurde enthauptet. Ein Stück der Säule, an die sie gefesselt war, befindet sich im Kloster.

Die Mönche besitzen einen von Mohammed persönlich ausgestellten Schutzbrief, der sich wohlwollend daran erinnerte, dass er hier vor seiner Religionsgründung einmal gut aufgenommen wurde. Im elften Jahrhundert bauten die Mönche innerhalb der Klostermauern eine kleine Moschee, um moslemische Feldherren zu besänftigen.

Auch Napoleon stellte dem Kloster einen Schutzbrief aus. So wurde das Kloster seit seiner Gründung niemals überfallen und konnte seine Autonomie erhalten.

Im Mai 1844 besuchte der Leipziger Theologe Konstantin von Tischendorf das Kloster zu Forschungszwecken und entdeckte dort den Codex Sinaiticus, die älteste vollständige Bibelhandschrift aus dem 4. Jahrhundert. Über die Modalitäten, wie dieser Codex nach Kairo und nach Moskau kam, gibt es von Tischendorf und vom Kloster unterschiedliche Versionen. Tischendorf sprach von einem Kauf, die Mönche von Diebstahl. Tischendorf überbrachte den Codex dem russischen Zaren. Stalin verkaufte den Codex an Großbritannien. Am 27. Dezember 1933 wurde er an das British Museum übergeben und dort öffentlich ausgestellt. Die Mönche fordern bis heute die Rückgabe der Handschrift. Im Dezember 2006 wurde ein Gemeinschaftsprojekt der British Library, der Universitätsbibliothek Leipzig, der Russischen Nationalbibliothek und des Katharinenklosters vorgestellt, den gesamten Codex zu digitalisieren, im Internet zur Verfügung zu stellen und als Faksimile zu publizieren. Seit dem Juli 2009 ist der gesamte Codex online.


   
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