2. Katholizismus



Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam.
Kuppel des Petersdoms: Mit 72 Jahren übernahm 1547 der Bildhauer und Baumeister Michelangelo
Buonarotti
die Bauleitung. Er konstruierte die Kuppel, die den Petersdom bis heute unverwechselbar macht.
Virtuelle Besichtigung des Petersdoms

1. Definition

Das griechische Wort καθολικός bedeutet allgemein, das Ganze betreffend. Es wird als Bezeichnung für die römisch-katholische Kirche verwendet, gewissermaßen als Abgrenzung zu den orthodoxen Kirchen und den Protestanten. Der Begriff Katholizismus weist auf einen wichtigen Umstand hin. Er enthält nämlich auch alle theologischen und historischen Ausprägungen, welche zu Lasten der Lehre Jesu und der Glaubwürdigkeit der Kirche im Lauf der Geschichte entstanden sind. Paulus schreibt im 4. Kapitel seines zweiten Briefes an die Korinther von einem Schatz in irdenen Gefäßen und meint damit den Glauben, der von Gott kommt, aber von den Menschen repräsentiert wird. Es ist eine Binsenwahrheit, dass alles Menschliche fehlerhaft ist. Daher gilt auch für die Kirche:  ecclesia semper reformanda*.

2. Wesenszüge

a) Sakramental

Die katholische Kirche zeigt ihre sichtbare Gestalt vor allem in den sieben Sakramenten. Diese erfüllen die wichtigsten Lebensstationen* eines Christen mit dem Geist Jesu, den er seinen Jüngern verheißen hat.

b) Papstverbunden

Die katholische Kirche begründet die besondere Rolle des Papstes vor allem mit Matthäus 16, 18 – 19: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Die Kirche ist eine Institution. Zu einer solchen gehören bestimmte Organisationsformen, Ämter und Orientierung an der Vergangenheit. Gleichzeitig gilt auch das Wort Jesu bei Johannes 16, 26: Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Somit ist die Kirche nicht nur eine Bewahrerin der Schätze der Vergangenheit, sondern auch eine Hüterin des Schatzes, den der Heilige Geist in der Gegenwart zeigt. Somit hat das Petrusamt die Aufgabe, den Glauben der gesamten Kirche im katholischen Verständnis zu verkünden.

Ein Mann namens Hananias aber und seine Frau Saphira verkauften zusammen ein Grundstück, und mit Einverständnis seiner Frau behielt er etwas von dem Erlös für sich. Er brachte nur einen Teil und legte ihn den Aposteln zu Füßen. Da sagte Petrus: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belügst und von dem Erlös des Grundstücks etwas für dich behältst? Hätte es nicht dein Eigentum bleiben können und konntest du nicht auch nach dem Verkauf frei über den Erlös verfügen? Warum hast du in deinem Herzen beschlossen, so etwas zu tun? Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott ...
(Apg 5, 1 – 4)

c) Traditionsbewusst

Weil die Kirche ihren Ursprung im Auftrag Jesu, seine Mission weiterzuführen, sieht, ergibt sich die dauerhafte Orientierung an Jesus, den Aposteln und den ersten Christen. Schon im ersten Jahrhundert wurde den Christen bewusst, dass sie nur ungenügend dazu imstande sind, ein christliches Leben zu führen als einzelne Getaufte und als Gemeinde. Doch was immer wieder misslingt, behält sein Unterscheidungsmerkmal und sein utopisches Maß. Deshalb bedeutet Tradition im Katholizismus nicht Festhalten an einer vermeintlich idealen Vergangenheit, sondern Orientierung an den Verheißungen Jesu.

d) Universal

Katholisch heißt allumfassend. Die durch die Taufe in der katholischen Kirche miteinander verbundenen Christen werden weder durch ihre Herkunft, ihren ökonomischen Erfolg, ihre kulturelle Prägung noch durch ihre politischen Auffassungen, ihr Alter, ihr Geschlecht oder ihre bereuten Fehler von ihrer Überzeugung getrennt, dass sie durch Gott Brüder und Schwestern sind.

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen ... (Mt 7, 1 – 6)

3. Entwicklung der Katholiken in Österreich

Jahr     Bevölkerung   Katholiken     Anteil

1951     6.933.905     6.170.084     89,0 %
1961     7.073.807     6.295.075     89,0 %
1971     7.491.526     6.548.316     87,4 %
1981     7.555.338     6.372.645     84,3 %
1991     7.795.786     6.081.454     78,0 %
2001     8.032.926     5.915.421     73,6 %
2005     8.250.000     5.662.782     68,5 %
2007     8.300.000     5,603.398     67,4 %
2008     8.350.000     5.579.493     66,8 %
2009     8.369.878     5.533.517     66,0 %
2010     8.396.252     5.452.734     64,9 %
2011     8.442.160     5.410.000     64,1 %

   
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