1. Das Kirchenjahr


Im Kirchenjahr werden durch Zeichen und Symbole, feierliche Zeremonien und sakrale Riten jene Mysterien zelebriert, deren Innerstes ein Geheimnis bleibt, deren sichtbare Gestaltung aber dem Christen eine vollständige Deutung des eigenen Lebens und der Welt vermittelt. Im Mittelpunkt steht Jesus Christus – von der Menschwerdung bis zu seiner Wiederkunft.

Das liturgische* Jahr, das mit dem ersten Adventsonntag beginnt, ist in drei Abschnitte eingeteilt:
° Weihnachtsfestkreis
° Osterfestkreis
° Zeit im Jahreskreis
Kennzeichnend für diese Abschnitte, für die einzelnen Feste und für bestimmte Anlässe sind die liturgischen Farben.

Diese bezeichnen die Farben von Gewändern, die zu bestimmten Gottesdiensten verwendet werden. Sie sollen eine geistliche Wirkung auf Stimmung und Bewusstsein des Menschen entfalten. Farbliche Unterschiede entsprechend der Zeit des Kirchenjahrs und wurden durch das Konzil von Trient (1545 – 1563) im 16. Jahrhundert für die gesamte Kirche verpflichtend. Die liturgischen Farben für die Gewänder im Gottesdienst werden heute in römisch-katholischen, anglikanischen und lutherischen Kirchen fast identisch verwendet. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) werden in der römisch-katholischen Kirche fünf liturgische Farben verwendet:

Weiß , die Farbe des Lichtes, wird zu den Hochfesten Ostern und Weihnachten mit den nachfolgenden Festzeiten, zu den Christusfesten wie Fronleichnam und Christkönig, zu den Marienfesten, zu den Festen der Heiligen, die nicht das Martyrium erlitten, und zum Fest der Erzengel verwendet. Gold und Silber sind als besonders festliche Variante der weißen Farbe zu verstehen und keine eigenständige liturgische Farbe.

Rot, die Farbe des Blutes und des Feuers, dominiert das Pfingstfest, den Palmsonntag, den Karfreitag, das Fest der Kreuzerhöhung, die Firmzeremonien und die Feste der Märtyrer.

Violett, die Farbe der Buße, Besinnung, des Übergangs und der Verwandlung, wird in den Bußzeiten vor Ostern (Fastenzeit) und vor Weihnachten (Advent) getragen. Ebenso bildet sie die Alternative zum Schwarz kirchlicher Begräbnisfeiern und am Fest Allerseelen. Seit dem Zeiten Vatikanischen Konzil ersetzt Violett immer mehr das düstere Schwarz.

Die Farbe Rosa bildet eine besondere Ausnahme. Sie bedeutet die Aufhellung der Farbe Violett und wird nur zu den Sonntagen Gaudete (3. Adventssonntag) und Laetare (4. Fastensonntag) getragen, um die Vorfreude auf Weihnachten und Ostern auszudrücken.

Grün, die Farbe des Wachstums und der Hoffnung, wird an den Sonntagen im Jahreskreis und den Werktagen des Kirchenjahres, auf die kein Heiligenfest fällt, verwendet.

Schwarz ist die Farbe der Trauer und ist vorgesehen für Begräbnisse und das Fest Allerseelen, wird jedoch seit dem II. Vatikanischen Konzil immer mehr durch Violett ersetzt.


   
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