5. Die vier Kardinaltugenden



Das lat. Substantivum cardo bedeutet Angelpunkt, Türangel. Die Kardinaltugenden sind jene Tugenden, um die alle anderen angeordnet sind. Unter Tugend verstand man bereits in der Antike das Ideal der Selbsterziehung zu einem vortrefflichen Menschen. Die vier Kardinaltugenden sind:

Prudentia, lat., bedeutet Klugheit. Klugheit meint hier die Vernunft als Grund menschlichen Handelns. Derjenige gilt als klug, der sich selbst illusionslos einschätzen kann und seine Situation nüchtern betrachtet. Der kluge Mensch verdrängt auch nicht seine eigene Vergänglichkeit.

Die Gerechtigkeit, lat. Iustitia, lässt jedem Menschen sein Recht. In ihrer christlichen Verwirklichung ist die Gerechtigkeit untrennbar mit der Liebe verbunden, da der Christ in der verzeihenden Liebe ein höheres Gut sieht als in der Durchsetzung der Gesetze.

Tapferkeit, lat. Fortitudo, bezeichnet jene Stärke, mit der der Mensch die Tragik dieser Welt aushält, weil er gegen Angst und Tod an den Sieg des Guten glaubt.

Die Mäßigkeit, lat. Temperantia, verweist auf die Kraft der Selbstbeherrschung, mit der der Mensch seine Leidenschaften zügelt. Zucht und Maß sind selbst noch keine Verwirklichungen des Guten, wohl aber schaffen sie die notwendige Grundlage, mit der der Mensch seinen Egoismus erkennt und bändigt.


   
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