El Greco, 1541 – 1614, malte dieses Bild – Martin von Tours und der Bettler – zwischen 1597 und 1598. Es befindet sich
in der National Gallery of Art in Washington, D. C. → Gesamtansicht

St. Martin

Der Name bedeutet dem Kriegsgott Mars geweiht. Das Fest des heiligen Martin von Tours begeht die Kirche am 11. November.

Martinus wurde um 316 in Sabaria, in der römischen Provinz Pannonien, als Sohn eines römischen Militärtribunen geboren. Mit fünfzehn Jahren trat er gemäß kaiserlicher Bestimmungen als Veteranensohn selbst ins kaiserliche Heer ein und wurde Offizier einer Reiterabteilung in Gallien. Bereits seit seiner frühen Jugend interessierte er sich für den christlichen Glauben und führte ein untadeliges Leben, das ihm auch im Heer hohes Ansehen verschaffte. An einem rauen Wintertag des Jahres 334 teilte er vor dem Stadttor von Amiens seinen Offiziersmantel mit einem Bettler. Einige Monate später ließ er sich taufen. Sobald es ihm möglich wurde, verließ er den Militärdienst. Sulpicius Severus¹ berichtet in seiner Vita Sancti Martini, die er um 395 verfasste, vom Schreiben des heiligen Martin an den Kaiser: „Bis heute habe ich dir gedient, Herr, jetzt will ich meinem Gott dienen und den Schwachen. Ich will nicht mehr länger kämpfen und töten. Hiermit gebe ich dir mein Schwert zurück. Wenn du meinst, ich sei ein Feigling, so will ich morgen ohne Waffen auf den Feind zugehen.

Nun lebte er als Einsiedler. Als im Jahre 371 der Bischofstuhl von Tours neu besetzt werden musste, wurde Martin von einer überwältigenden Mehrheit des Volkes zum neuen Bischof gewählt. Beim Volk war Martin beliebt als ein gerechter, treusorgender Bischof. Seine Lebensweise blieb asketisch.

In einer Zeit, in der die Kirche erst noch lernen musste, mit ihrer neu gewonnenen Freiheit und Macht umzugehen, gehörte Martin zu den wenigen Bischöfen, die gegen die Übernahme von Elementen des römischen Kaiserkults in den Gottesdienst Bedenken äußerten. Er lehnte die Kathedra, den Thron für die Bischöfe in den Basiliken, das Geleit durch Licht- und Weihrauchträger, die Verehrung des Bischofs durch Proskynesis² oder die Verehrung von Menschen durch Weihrauch³ ab. Nur wenige Bischöfe hatten damals Bedenken gegen diese Entwicklung. Sie gehörten zu den besten ihrer Zeit: Hilarius von Poitiers, Augustinus von Hippo und – Martin von Tours.


1) 363 – 420, aquitanischer Aristokrat, Klostergründer, Chronist
2) sich Niederwerfen und Berühren des Bodens mit der Stirn
3) Es lag die Zeit noch nicht lange zurück, dass die Christen deswegen in den Tod gegangen waren.





   
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