2. Reliquien


Das Turiner Grabtuch

Das lat. Wort reliquiae bezeichnet Überreste des Körpers, der Kleider oder der Gebrauchsgegenstände herausragender und heiliger Menschen. Die Wertschätzung der Reliquien ist ein Zeichen der Verehrung, die einem Heiligen entgegengebracht wird.

In jedem Altar befindet sich die Reliquie eines Heiligen, welche die Verbindung der heutigen Kirche mit den Großen der Vergangenheit zeigt. Gleichzeitig wird aber dadurch auch die Hoffnung auf die Auferstehung ausgedrückt, denn von den Heiligen glaubt die Kirche, dass sie bereits das Angesicht Gottes schauen.

Seit dem Konzil von Trient (1545 – 1563) versuchte die Kirche, Übertreibungen, magische Bräuche oder andere Auswüchse der Reliquienverehrung zu beseitigen. Dies gelang nur zum Teil, denn die Volksfrömmigkeit verfügt über einen zähen Charakter, welcher besonders innig an alten Traditionen, seien sie auch noch so anachronistisch, festhält.

Selbst atheistische Ideologien kennen Rituale, welche der Reliquienverehrung sehr nahe kommen, wie der einbalsamierte Leichnam des russischen Revolutionärs Lenin an der Kreml-Mauer in Moskau zeigt. Das Mausoleum galt in der Sowjetunion als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes und wurde jährlich von Millionen Menschen besucht.

Die wohl bekannteste Reliquie der Kirche ist das Turiner Grabtuch. Seit Jahrzehnten wird mit den jeweils modernsten Untersuchungsmethoden versucht, seiner Echtheit auf die Spur zu kommen. Doch gibt es Widersprüche, die bis heute nicht gelöst wurden. Für den gläubigen Katholiken ist dies jedoch zweitrangig. Der Glaube benötigt keine sinnliche Unterstützung irgendwelcher Art, obwohl es sehr menschlich ist, auch für den Glauben handfeste Beweise zu suchen. Von der katholischen Kirche wird das Tuch nicht als Reliquie, sondern als religiöses Bild eingestuft. Damit ist es mehr als ein Kunstgegenstand, es kann als spirituelle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten dienen.


   
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