2. Die sieben Todsünden


Otto Dix, 1891 – 1969, Die sieben Todsünden, 1933, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Der Geiz wird durch die alte Hexe dargestellt, auf welcher die zwergenhafte Figur des Neides reitet. Die Trägheit tritt in der Gestalt des Todes auf, darüber links der Zorn in einer Tiergestalt, rechts davon die Wolllust, ganz oben links der Hochmut mit einem afterartigen Mund und rechts daneben eine bizarre Figur mit topfartiger Kopfbedeckung, welche die Völlerei verkörpert.

Das Wort Sünde kommt vom Zeitwort absondern. Wer absichtlich bei einer wichtigen Angelegenheit in böser Absicht handelt, sondert sich von seinem guten Lebensziel ab, stört die gute Gemeinschaft mit anderen Menschen und trennt sich von Gott.

Die Sünde ist ein Verstoß gegen die Vernunft, die Wahrheit und das Gewissen. Sie ist die bis zur Verachtung Gottes gesteigerte Selbstbezogenheit. Die Sünden sind nach ihrer Schwere zu beurteilen. Deshalb unterscheidet die Kirche zwischen den Todsünden, welche die Liebe töten, und den lässlichen Sünden, welche die Liebe zwar verletzen, aber nicht zerstören. Eine Todsünde erwächst aus voller Erkenntnis und Zustimmung. So sind die Todsünden und die Liebe jene beiden diametral einander gegenüberstehenden radikalen Möglichkeiten, welche der Mensch in Freiheit wählt und durch sie sein Leben bestimmt.

Die zum geistlichen Tod führenden sieben Hauptsünden sind:

Superbia
– Stolz, Hochmut, Eitelkeit, Überheblichkeit
Avaritia
– Geiz, Habgier
Invidia
– Neid, Missgunst, Eifersucht
Luxuria
– Wolllust, Ausschweifung, Genusssucht, Unkeuschheit, Unzärtlichkeit, Sittenlosigkeit
Gula
– Völlerei, Unmäßigkeit, Zügellosigkeit, Maßlosigkeit
Acedia
– Trägheit, Überdruss, Faulheit
Ira
– Zorn, Rachsucht, Launenhaftigkeit, Wut

   
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