2. Der Sonntag


Christus Pantokrator in der Kathedrale von Cefalù, Sizilien, 12. Jahrhundert

Die Beobachtung des Mondzyklus ergab vier Abschnitte, welche aus sieben Tagen bestehen. Die Ursprünge dieses Konzepts liegen bei den Sumerern und Babyloniern. Höchstwahrscheinlich übernahmen die Juden während ihrer babylonischen Gefangenschaft im sechsten Jahrhundert vChr. die Siebentagewoche und den Monat als Schema der Zeiteinteilung.

Im zweiten Jahrhundert finden sich bereits eindeutige Belege für einen christlichen Sonntagsgottesdienst. Unter Kaiser Konstantin wurde im Jahr 321 die Feier des Gottesdienstes mit dem arbeitsfreien Ruhetag am Sonntag verbunden. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts stand der Sonntag als christlicher Ruhetag fest.

Die Christen haben die Feier des Sabbats durch die Feier des Sonntags vollendet, weil Jesus Christus an einem Sonntag von den Toten auferstanden ist.

Dadurch ergeben sich drei Bedeutungen des Sonntags:
1. Im Buch Genesis wird im Schöpfungsmythos erzählt, dass Gott am siebten Tag ruhte. Somit ist der Sonntag eine Zeit des Staunens über diese unbegreifliche Tatsache, dass etwas ist und nicht nichts.
2. Dass Christus den Tod überwunden hat, ist das zweite Mysterium, das am Sonntag im Mittelpunkt steht. Es ist ebenso unfassbar wie Hoffnung stiftend.
3. Das Motiv der Ruhe, das den christlichen Sonntag mitprägt, wird nicht als Unterbrechung der Arbeit verstanden, sondern als Hinweis auf die ewige Ruhe, deren der Mensch bei Gott teilhaftig wird.

Mit all diesen Sinn stiftenden Glaubenswahrheiten verwirklicht der Christ bei der Messe am Sonntag mit anderen Christen, meist in einer Kirche, den Auftrag, den Jesus beim Letzten Abendmahl seinen Jüngern gegeben hat: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!


   
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