Lorenzo Bernini,1598 – 1680: Durchbohrung des Herzens der heiligen Teresa, Marmorstatue, 1647 – 52,
in der Kapelle Cornaro der Kirche S. Maria della Vittoria in Rom → Gesamtansicht

St. Theresia von Avila

Der aus dem Griechischen kommende Name bedeutet: von der Insel Thera (der heutigen Insel Santorin) stammend. Ihr Fest begeht die Kirche am 15. Oktober.

Teresa Sánchez de Cepeda y Ahumada kam als drittes von zwölf Kindern am 28. März 1515 in einer adeligen Familie zur Welt. Ihr Vater war als Jude geboren und 1485 mit seiner Familie zum Christentum konvertiert. 1535 entschloss sie sich unter dem Eindruck der Briefe des Kirchenvaters Hieronymus und nach eigener Aussage aus Angst vor der Ehe und der damit verbundenen Diskriminierung der Frau zum Eintritt in das Kloster der Karmeliterinnen in Ávila. Der Abschied von der Welt war ihr, so sagte sie später, als trennte sich jeder einzelne Knochen einzeln.

Teresa wurde mit Widerständen ihrer Mitschwestern, der Ordensleitung und auch weltlicher Behörden konfrontiert. Der päpstliche Nuntius Felipe Sega nannte sie ein herumvagabundierendes Weib. Mit dem ihr geistesverwandten Mystiker Johannes vom Kreuz gründete sie Reformklöster für Frauen und für Männer, 15 Frauenklöster und 16 Männerklöster.

Ihre Schriften erweisen Teresa als Mystikerin von einer besonderen Tiefe des Erlebens. In ihrer Autobiographie, Buch meines Lebens, aus dem Jahre 1565, beschreibt sie ihre mystischen Erfahrungen, Verzückungen, Visionen und schließlich die erste Klostergründung. Edith Stein¹ bekannte nach der Lektüre dieses Buches: Das ist die Wahrheit. 1566/67 verfasste Teresa ihre Schrift Der Weg zur Vollkommenheit als Handbuch für das Leben in ihren Klöstern, das von Liebe, innerer Freiheit und Demut sowie vom Gebet geprägt sein soll. Die erste Buchfassung musste sie erneuern, weil sie darin die Inquisition und die Unterdrückung der Frau in Kirche und Gesellschaft kritisiert hatte. Das Streben nach Vollkommenheit aus eigener Kraft führe beim Scheitern zu Neurosen, beim Gelingen zu Stolz. Das Gebet ohne Worte öffne das Vertrauen, dass Gott dem Menschen die Vollkommenheit schenkt.

Lorenzo Bernini ließ sich in seiner Darstellung der heiligen Teresa von einer Stelle in ihrer Autobiographie leiten: (Es)wollte der Herr, dass ich den Engel in leiblicher Gestalt sehen sollte. Er war nicht groß, eher klein, aber sehr schön. ... In den Händen des mir erschienenen Engels sah ich einen langen goldenen Pfeil; an der Spitze seines Eisens schien mir Feuer zu sein; es kam mir vor, als durchbohrte er mit dem Pfeil einige Male mein Herz bis ins Innerste, und wenn er den Pfeil wieder herauszog, war mir, als zöge er den innersten Teil meines Herzens mit heraus. Als er mich dann verließ, war ich ganz entzündet von feuriger Gottesliebe. Der Schmerz war so scharf, dass er mich zu vielen Seufzern trieb, und so groß war die Süßigkeit dieser Qual, dass ich niemals wünschen kann, sie zu verlieren, noch dass meine Seele mit weniger als Gott zufrieden sei. Es ist kein körperlicher Schmerz, sondern ein geistiger, obwohl der Körper Anteil daran hat, großen Anteil. Der Liebesverkehr, der seither zwischen meiner Seele und Gott stattfindet, ist so beglückend, dass ich den gütigen Herrn anflehe, er wolle ihn dem zu kosten geben, der etwa meint, ich würde hier lügen...


1) Geboren am 12. Oktober 1891 in Breslau, gestorben am 9. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau. Edith Stein war eine deutsche Philosophin und Nonne. Papst Johannes Paul II. sprach sie am 11. Oktober 1998 heilig.





   
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