6. Die zehn Gebote



Gustave Doré, 1832 – 1883: Moses und die zehn Gebote, Bibelillustration

Der Dekalog (gr., Zehnwort), wie die zehn Gebote auch genannt werden, existiert in seiner ältesten Fassung wohl seit dem 7. Jahrhundert vChr. Religiös gesehen bildet der Dekalog den Kern der Offenbarung Gottes an Moses, den zum Führer berufenen Empfänger und Vermittler des göttlichen Willens für die Israeliten. Historisch gesehen gibt es Parallelen zu anderen Texten des Orients, wie zum altägyptischen Totenbuch aus dem 15. Jahrhundert vChr.

Die Bibel stellt den Dekalog in den Zusammenhang des Auszugs der Israeliten aus der Knechtschaft Ägyptens. Er wird so zum untrennbaren Bestandteil der Freiheit, welche im Sinaibund ihren Ausdruck findet.

Die zehn Gebote sind Anweisungen an die Menschen und wurden daher als unmittelbarer Ausdruck der Weisheit Gottes angesehen. Der Dekalog wird so zur Deutungsquelle dessen, was das menschliche Leben wertvoll macht und was geschützt werden soll. Die ersten drei der Gebote beziehen sich auf Gott, die restlichen sieben auf den Menschen.

I. Du sollst an einen Gott glauben und dir von ihm kein Bildnis machen!
II. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren!
III. Du sollst den Tag des Herrn heiligen!

IV. Du sollst Vater und Mutter ehren!
V. Du sollst nicht töten!
VI. Du sollst nicht ehebrechen!
VII. Du sollst nicht stehlen
VIII. Du sollst nicht lügen!
IX. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau!
X. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut!

In der Bundeslade, einem Kasten aus mit Gold überzogenem Zedernholz mit Tragestangen, wurden die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten aufbewahrt. Die Bundeslade galt als sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes und wurde mit religiöser Scheu behandelt. König David überführte die Bundeslade nach Jerusalem, da er die Stadt zu seiner Hauptstadt gemacht hatte. Als sein Sohn und Nachfolger den ersten Tempel in Jerusalem erbauen ließ, wurde sie im Allerheiligsten, dem Zentrum des Tempels, aufgestellt. Mit dem Ende des jüdischen Staates, das durch das babylonische Reich im Jahre 587 vChr. herbeigeführt wurde, gingen die Bundeslade und mit ihr die Gesetzestafeln verloren.


   
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