Friedrich Nietzsche

(15. X. 1844, Röcken – 25. VIII. 1900, Weimar)

von Nikolaus Werle

Zur Biographie

Friedrich Nietzsche wurde 1844 als Sohn des protestantischen Pfarrers Carl Ludwig Nietzsche und seiner Frau Franziska in der preußischen Provinz Sachsen geboren. Sowohl väterlicherseits als auch mütterlicherseits waren die Vorfahren Nietzsches Pfarrer gewesen.

Seine Schulzeit verbrachte er an der renommierten Schule ‚Schulpforta’ bei Naumburg, einem humanistischen Gymnasium mit Schwergewicht auf den alten Sprachen.

Im Frühherbst 1864 entstand das erste vollkommene Gedicht Nietzsches, das in die Weltliteratur eingegangen ist. Hier fällt auch zum ersten Mal das Stichwort seines Lebens: ‚vereinsamt’.

Noch einmal, eh' ich weiterziehe
und meine Blicke vorwärts sende,
heb' ich vereinsamt meine Hände
zu Dir empor, zu dem ich fliehe,
dem ich in tiefster Herzenstiefe
Altäre feierlich geweiht,
daß allzeit
mich deine Stimme wieder riefe.

Darauf erglüht tief eingeschrieben
das Wort: Dem unbekannten Gotte.
Sein bin ich, ob ich in der Frevler Rotte
auch bis zur Stunde bin geblieben:
Sein bin ich - und ich fühl' die Schlingen,
die mich im Kampf darniederziehn
und, mag ich fliehn,
mich doch zu seinem Dienste zwingen.

Ich will dich kennen, Unbekannter,
Du tief in meine Seele Greifender,
mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender,
du Unfaßbarer, mir Verwandter!
Ich will Dich kennen, selbst Dir dienen.

1864 begann er das Studium der Theologie und Philologie in Bonn, ab dem Sommer 1865 studierte er nur mehr Philologie. Im Herbst 1865 setzte er sein Studium in Leipzig fort. Am 13. Februar 1869 wurde er als außerordentlicher Universitätsprofessor nach Basel berufen. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes gab Nietzsche 1879 sein Lehramt an der Universität Basel auf. Die meiste Zeit verbrachte er nun in Italien und der Schweiz, publizierte seine philosophischen Schriften und vereinsamte zusehends.

Am 3. I. 1889 verließ Nietzsche wie gewöhnlich das Haus in Turin, in dem er wohnte, um einen jener langen Spaziergänge durch die Stadt und weiter am Po entlang anzutreten. Auf der Piazza Carlo Alberto befand sich ein Droschkenstand und Nietzsche bemerkte, wie ein brutaler Kutscher seinen alten, müden Gaul unbarmherzig mit der Peitsche schlug. Was sich in diesen Sekunden in Nietzsche abspielte, kann nur Vermutung bleiben. Sein frohes, fast glückhaftes Empfinden der letzten Wochen zerbricht wie spiegelndes Eis vor diesem fast symbolhaften Anblick der ewig gepeinigten Kreatur. Er fiel weinend dem Tier um den Hals und brach zusammen. Davide Fino, Nietzsches Wirt, sah von seinem erhöhten Zeitungsstand, wie sich Menschen um einen am Boden Liegenden bemühten. Er eilte herbei, erkannte seinen Mieter und führte ihn mit Mühe in seine Wohnung zurück. Freunde kümmerten sich nun um ihn und veranlassten die Einlieferung in die Nervenklinik in Basel, wo man ‚progressive Paralyse’ diagnostizierte. Vom 17. I. 1889 bis zum 13. V.1890 befand sich Nietzsche in der Psychiatrischen Klinik in Jena.

Bericht des damaligen Medizinstudenten, späteren Dr. S. Simchowitz aus seiner Studienzeit in Jena: "Es war in der zweiten Hälfte des Wintersemesters 1888-89. Ich weilte als älterer Mediziner in Jena und besuchte die psychiatrische Klinik des Professor Otto Binswanger. Eines Tages wurde ein Patient in den Hörsaal geführt, der vor Kurzem in die Anstalt gebracht worden war. Der Dozent stellte ihn uns als – Herrn Professor Nietzsche vor. Wenn man jetzt in einem Auditorium den Namen Nietzsche nennt, so bedarf es keiner weiteren Erklärungen. Damals aber lagen die Dinge anders. Der Name Nietzsche war in Deutschland so gut wie unbekannt, nicht nur uns Jenenser Klinizisten, sondern auch noch ganz anderen Leuten. Es gibt dafür einen klassischen Zeugen: in der vierten Auflage von Meyer’s Konversationslexikon, vom Jahre 1889, ist Nietzsche noch nicht zu finden. In seiner äußeren Erscheinung machte Nietzsche auf den ersten Blick nicht den Eindruck eines Kranken: Die mittelgroße Figur, das ausdrucksvolle Gesicht waren wohl hager, aber nicht gerade verfallen. Allerdings schien er seinen guten Tag zu haben: er war bei klarem Bewusstsein und gutem Erinnerungsvermögen. Prof. Binswanger ließ sich mit ihm in eine Unterhaltung über sein Vorleben ein. Wir erfuhren, dass er bereits mit 24 Jahren Professor in Basel war und dass später anhaltende Kopfschmerzen ihn gezwungen hatten, sein Amt niederzulegen. Von seiner schriftstellerischen Tätigkeit erwähnte er kein Wort. Zuletzt, so berichtete er, hätte er in Turin gelebt, und er begann diesen Ort zu rühmen, der ihm besonders behagt hätte, da er die Vorzüge der Großstadt und der Kleinstadt vereinige, und nun schloss er ganz spontan daran eine allgemeine Auseinandersetzung über die Eigentümlichkeiten der Großstadt und Kleinstadt. Dies Raisonnement machte mich hoch aufhorchen: so habe ich noch nie einen Menschen sprechen hören. Später, als ich Nietzsche las, wurde mir klar; was mich so stutzig gemacht hatte. Ich hatte eben zum ersten Mal die Zauberwirkung des Nietzsche’schen Stils verspürt. Denn er sprach so, wie er schrieb: Knappe Sätze voll eigentümlicher Wortkombinationen und kunstreicher Antithesen, selbst die eingestreuten französischen und italienischen Wendungen, die er namentlich in seinen letzten Schriften so liebt, fehlten nicht. Seine Art, zu sprechen, hatte durchaus nichts Professorales oder Dozierendes an sich. Es war eine Causerie, und an dem sanften Ton der sympathischen Stimme und der vornehmen Mimik und Gestikulationen erkannte man den Mann von bester Erziehung. Leider führte er seine Auseinandersetzung nicht zu Ende, mitten in einem Satz riss ihm der Gedankenfaden und er versank in Schweigen. Prof. Binswanger wollte nun seinen Hörern einige Störungen im Gange des Kranken demonstrieren. Er bat Nietzsche, im Zimmer auf- und abzugehen. Aber der Patient tat das so langsam und lässig, dass man die fraglichen Symptome nicht wahrnehmen konnte. – ‚Nun, Herr Professor’, wandte sich Binswanger an ihn, ‚ein alter Soldat, wie Sie, wird doch noch ordentlich marschieren können!’ Diese Erinnerung an seine Militärzeit schien ihn angenehm zu berühren. Sein Auge leuchtete auf, seine Gestalt wurde straffer, und er begann festen Schrittes den Hörsaal zu durchmessen. Kurze Zeit darauf sah ich Nietzsche wieder, gelegentlich der Visite, die unser Lehrer mit uns auf den Krankenstationen abzuhalten pflegte. Er bot da allerdings ein anderes Bild, er befand sich in einem Zustand hochgradiger Aufregung und sein Bewußtsein war offenbar getrübt. Mit stark gerötetem Antlitz und wild-schmerzlich flackerndem Auge saß er da von einem Wärter bewacht. Es war das letzte Mal, dass ich Nietzsche gesehen habe; nicht lange danach ist er von Jena fortgebracht worden."
(Frankfurter Zeitung Nr. 247 vom 7.9.1900)

Ab dem 13. V. 1890 wurde Nietzsche von seiner Mutter und seiner Schwester Elisabeth bis zu seinem Tod am 25. VIII. 1900 betreut und gepflegt.

Werke

1872 Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik
1873 Unzeitgemäße Betrachtungen
1878 Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister
1880 Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile
1881 Die fröhliche Wissenschaft
1883 Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen.
1886 Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft
1887 Zur Genealogie der Moral.
1888 Der Antichrist. Versuch einer Kritk des Christentums
Ecce Homo. Wie man wird, was man ist.


Der Tod Gottes

Nietzsches Weg vom christlichen Glauben zum antichristlichen Atheismus ist vornehmlich auf zwei einflussreiche Ideen seiner Zeit zurückzuführen. Die Veröffentlichung von Darwins (1809-1882, Begründer der Evolutionstheorie) Werk über die Entstehung der Arten durch Selektion und Mutation und die Veröffentlichung der radikalen Bibelkritik durch David Friedrich Strauß (1808-1874, evangelischer Theologe und Schriftsteller).

Sein Glaube an Gott als den Schöpfer aller Dinge und sein Glaube an die Authentizität der Bibel wurde dadurch erschüttert und führte ihn weg vom Christentum. Doch dieser intellektuelle Werdegang hatte eine innere Tiefendimension, die heute wahrscheinlich nur mehr schwer nachvollziehbar ist. Nietzsche hatte erkannt, dass die Naturwissenschaften als Rationalitätsform in der Moderne den Siegeszug davongetragen haben, sodass alle Fragen nach dem Woher und Wohin des Menschen als unwissenschaftlich aus der Diskussion ausgeklammert werden.

Durch diese neuzeitliche Selbstbeschränkung der Vernunft werden Fragen der Religion und der Moral in den Bereich des Subjektiven verlagert und somit jeder rationalen Argumentation entzogen. Dass durch den „Tod Gottes“ alle Moral relativiert wird, ist die Konsequenz dieser Selbstbeschränkung der Vernunft.

In der Parabel vom „tollen Menschen“, der verzweifelt Gott sucht und sich selbst als Mörder Gottes entdecken muss, verdichtet sich wie in einer Nussschale Nietzsches tragische Philosophie. Diese Parabel ist ein Klagelied auf den Tod Gottes und den inneren Kältetod der Menschheit.

Die Entchristlichung der Welt ist nach Nietzsche eine Katastrophe, die den Zusammenbruch einer Weltordnung bedeutet. Der „tolle Mensch“ in der Parabel der „Fröhlichen Wissenschaft“ ist vom Misstrauen in den eigenen Weg gekennzeichnet. Die Suche nach Gott bleibt zwar ohne Antwort, aber im Unterschied zu den banalen Alltagsatheisten bricht er über dieser Frage nicht in Gelächter aus oder wird zynisch, sondern ist von innerer Verzweiflung um die Sinnlosigkeit und Leere in allem, was ohne Gott geschieht, gequält.

Nietzsches Kritik am unaufhaltsamen Fortschreiten des Nihilismus hatte zum Ziel, das Unaufhaltsame aufzuhalten. Den modernen Menschen kennzeichnete er hellsichtig voller Hybris und Gottlosigkeit: „Hybris ist unsre Stellung zu Gott, will sagen zu irgendeiner angeblichen Zweck- und Sittlichkeits-Spinne hinter dem großen Fangnetz-Gewebe der Ursächlichkeit... Hybris ist unsre Stellung zu uns... denn wir experimentieren mit uns, wie wir es uns mit keinem Tiere erlauben würden und schlitzen uns vergnügt und neugierig die Seele bei lebendigem Leibe auf: Was liegt uns noch am Heil der Seele!“

Durch die Bibelkritik von D. F. Strauß und die Evolutionslehre von Charles Darwin vollzieht Nietzsche eine Negation und denkt die nihilistischen Prämissen der Moderne bis in ihre radikalen Konsequenzen zu Ende. Eine ebenso heilbringende wie von Illusionen völlig freie Antwort auf das Geheimnis des Seins wollte und konnte er nicht geben.

Nietzsches überzeugt nicht nur durch seine Diagnose und Prognose des europäischen Nihilismus als Folge der Gottesvergessenheit und damit des drohenden Absturzes des Menschen in Sinnverarmung und Werteverlust, sondern auch durch sein tragisches Leben, das von innerer Unruhe und Verzweiflung gekennzeichnet war.

Was von Gott noch da ist, ist sein Schatten. Es geht mit dem Christentum jetzt zu Ende. Was von ihm noch zu sehen ist, sind abflutende Gewässer, nach einer ungeheuren Überschwemmung. Was von Gott umgeht, ist nur noch sein Schatten. Der Tod Gottes ist aber als Ursprung des Nihilismus ein Anlass zu philosophischer Heiterkeit. Denn man kann sich trotz der Verdüsterung, die er zur Folge hat, erleichtert fühlen bei der Nachricht, dass kein „du sollst“ mehr auf dem Willen des Menschen lastet, seitdem Gottes Tod den Menschen von der Verpflichtung zum Dasein entlastet. so ist denn unser Zeitalter im Erfinden von Rauschmitteln besonders einfallsreich. Wir kennen den Rausch der Musik, der Anbetung einzelner Ereignisse oder Personen, den Rausch der Grausamkeiten, den Rausch der besinnungslosen Arbeit, den Rausch als Werkzeug einer politischen Partei oder des Fanatismus.

Nihilismus

Was übrig bleibt nach dem Verfall des christlichen Glaubens, der dem Menschen befahl, was er soll, ist allein ein ‚ich will’. Der Gott los gewordene Mensch muss sich selbst seinen Willen geben. Der europäische Nihilismus, wie Nietzsche ihn beschreibt, ist also untrennbar verbunden mit dem Problem, ob der Mensch ‚will’. Der Glaube ist immer dort am meisten begehrt, wo eine Erkrankung des Willens vorliegt. In Zeiten der Willenserschlaffung finden die meisten Menschen keinen Halt.

Solange das Christentum galt, wurde der Mensch im Dasein festgehalten, denn man glaubte zu wissen, wozu man überhaupt da ist. Doch seit Kopernikus (1473-1543, Domherr, einer der bedeutendsten Astronomen) bewegt sich der Mensch vom Zentrum ins Nichts. Und was geschieht nun, wenn der Mensch im Universum nur noch ein flüchtiger, sinnloser Zufall ist? Wir haben daher ein Gefühl der ungeheuren Weite, aber auch der ungeheuren Leere. Diese versuchen die Menschen zu füllen.

Ausgewählte Texte

Neue Kämpfe.
Nachdem Buddha tot war, zeigte man noch Jahrhunderte lang seinen Schatten in einer Höhle, einen ungeheuren schauerlichen Schatten. Gott ist tot. aber so wie die Art der Menschen ist, wird es vielleicht noch Jahrtausende lang Höhlen geben, in denen man seinen Schatten zeigt. Und wir – wir müssen auch noch seinen Schatten besiegen!
(Die fröhliche Wissenschaft 108)

Der tolle Mensch.

Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: "Ich suche Gott! Ich suche Gott!" — Da dort gerade Viele von Denen zusammen standen, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein großes Gelächter. Ist er denn verloren gegangen? sagte der Eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der Andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? — so schrieen und lachten sie durcheinander. Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. "Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, — ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittage angezündet werden? Hören wir noch Nichts von dem Lärm der Todengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch Nichts von der göttlichen Verwesung? — auch Götter verwesen! Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet, — wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? Welche Sühnfeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine größere Tat, — und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!" — Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, dass sie in Stücke sprang und erlosch. "Ich komme zu früh, sagte er dann, ich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert, — es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind, um gesehen und gehört zu werden. Diese Tat ist ihnen immer noch ferner, als die fernsten Gestirne, — und doch haben sie dieselbe getan!" — Man erzählt noch, dass der tolle Mensch des selbigen Tages in verschiedene Kirchen eingedrungen sei und darin sein Requiem aeternam deo angestimmt habe. Hinausgeführt und zur Rede gesetzt, habe er immer nur dies entgegnet: "Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?"
(Die fröhliche Wissenschaft 125)






Das Gondellied.

An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
goldener Tropfen quoll's
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik—
trunken schwamm's in die Dämmrung hinaus ...

Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd vor bunter Seligkeit.
—Hörte Jemand ihr zu? ...

(Ecce homo, 2. Kapitel, Abschnitt 7)






Verwendete Literatur:

Friedrich Nietzsche: Sämtliche Werke in 15 Bänden, München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1980.
Friedrich Würzbach: Nietzsche - Sein Leben in Selbstzeugnissen, Briefen und Berichten, München: Wilhelm Goldmann Verlag o.J.
Karl Löwith: Nietzsches Philosophie der ewigen Wiederkehr des Gleichen, Hamburg: Felix Meiner Verlag 1978.

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