Origines

1. Biographisches

Die Quellen zu einer Biographie des Origines gehen vor allem auf Eusebius von Caesarea zurück.* Der Name Origenes, der von Horus Geborene, ist in ägyptischen Quellen bezeugt. Als Zuname des Origines, wir würden heute Familienname sagen, gilt Adamantios (gr., Diamant).

Origines wurde um 185 in Alexandria geboren. Im christlichen Glauben von Kindheit an erzogen, soll er Schüler des Clemens von Alexandria* und des Ammonios Sakkas* gewesen sein. Nach dem Tod seines Vaters Leonides, der wahrscheinlich 202 während der Verfolgung des Septimius Severus (193 – 211) als Märtyrer getötet wurde, oblag es Origines als dem ältesten Sohn, für die Familie zu sorgen. Er begann eine Tätigkeit als Literaturlehrer. Obwohl zunächst weltlicher Lehrer, gewann Origines bald durch seine asketische Frömmigkeit Beachtung und Ansehen. Immer mehr Menschen, welche eine Glaubensunterweisung suchten, wandten sich an ihn. Origenes unterrichtete in Alexandria etwa 28 Jahre und lehrte Getaufte wie auch Heiden im christlichen Glauben. Sein Asketentum und seine Frömmigkeit waren so ausgeprägt, dass er sich sogar selbst entmannt haben soll, um sexuellen Obsessionen zu entgehen (Mt 19,12).

Nach kirchlichen Anfeindungen ließ sich Origenes in Caesarea nieder und gründete eine Schule für Literatur, Philosophie und Theologie. Während der Christenverfolgung unter Kaiser Decius wurde er 250 gefangen genommen und gefoltert. 251 wurde er entlassen, starb jedoch um 254, wahrscheinlich in Tyros, an den Folgen seiner Verletzungen.

Origines war wohl der wichtigste Lehrer, den das junge Christentum hervorgebracht hatte. Er wurde von den Bischöfen rund um das Mittelmeer mit einer Mischung aus Hochachtung und Misstrauen betrachtet, jedenfalls prägte er das gesamte griechische christliche Denken der Folgezeit. Der heidnischen Welt war er gleichermaßen Anlass zur Irritation und zur Bewunderung. In persönlicher Armut führte er ein strenges asketisches Leben, das zum Vorbild für das frühe Mönchtum wurde. Auf ihn trifft zu, was Platon im neunten Kapitel der Apologie Sokrates sagen lässt: Darum wandere ich jetzt auch weiter herum, um im Auftrage des Gottes zu suchen und zu spüren, unter Bürgern und Fremden, ob ich einen für weise halten kann, und wenn er es mir dann nicht zu sein scheint, so zeige ich ihm als Gehilfe des Gottes, dass er nicht weise ist. Und unter dieser Tätigkeit blieb mir keine Muße, sei es in den Geschäften der Stadt, sei es in den eigenen irgend etwas der Rede Wertes zu leisten, sondern in tausendfältiger Armut bin ich um dieses vom Gott auferlegten Dienstes willen. *

2. Schriften

Eines der bedeutendsten Werke des Origines ist die Hexapla. In sechs Kolumnen stellte er den hebräischen Konsonantentext, den hebräischen Text in griechischer Transkription, die strikt wörtliche griechische Übersetzung Aquilas, die elegante griechische Übersetzung des Ebioniten Symmachus, die von Origines selbst überarbeitete Septuaginta und die griechische Übersetzung des Theodotion der Bibel nebeneinander.

Das Werk des Origenes umfasst Briefe, Abhandlungen zur Dogmenlehre und zur praktischen Theologie, apologetische Schriften, Auslegungen der Bibel und kritische Schriften. Contra Celsum ist eine umfassende Verteidigungsschrift, worin er das Christentum gegen die Angriffe des Philosophen Kelsos verteidigte. Letzterer war ein einflussreicher alexandrinischer Platoniker des 2. Jahrhunderts und vielleicht der erste ernsthafte Kritiker des Christentums. Die Gesamtzahl der Schriften des Origines wird mit 700 angegeben.

3. Grundzüge seiner Lehre

Für Origines besteht das Universum aus zwei Ebenen der Wirklichkeit. Die niedere hat an der höheren Anteil und wird durch sie geordnet. Die sinnlich wahrnehmbare Welt spiegelt die Welt geistiger Ordnung wider und ahmt sie nach. Die höhere Welt wird durch die Weisheit Gottes geordnet. Es gibt keine nur zum Bösen führende Macht. Jeder hat einen Leib, der genau dem Maß seiner Schuld entspricht und darauf ausgerichtet ist, seine Rückkehr zu Einheit und Ordnung zu ermöglichen.

Origenes war Platoniker und so versuchte er, die griechische Philosophie mit der christlichen Religion zu verbinden. Er entwickelte die Theorie von Christus als Logos, dem Fleisch gewordenen Wort, der in Ewigkeit mit dem Vater existiert. Gleichzeitig lehrte er jedoch auch, dass der Sohn dem Vater in Macht und Rang unterlegen sei. Diese Lehre sowie einige andere, wie z. B. jene von der Präexistenz der Seele, wurden von vielen zeitgenössischen und späteren Theologen scharf kritisiert.

In seinem Denken unterschied Origines die seiende, ewige, immaterielle, geistige und unsichtbare Welt von der nichtseienden, vergänglichen, materiellen und sichtbaren Welt. Mit dieser Voraussetzung las er auch die Heilige Schrift als die inspirierte Offenbarungsquelle. Als allgemeines Ordnungsprinzip lehrte er eine Dreistufung der gesamten Wirklichkeit. Diese dreifache Stufung war für ihn das grundlegende Strukturprinzip. Er fand es in der Trinität Gottes, in den drei Sphären des Seienden, die er als Gott, geistige Welt und Materie verstand. Er sah es in der Teilung der vernünftigen Geister in Engel, Menschenseelen und Dämonen und schließlich im dreifachen Sinn der Heiligen Schrift. So wurde Origenes zum Begründer der allegorischen Auslegungsmethode der Heiligen Schrift. Nach dieser unterschied er einen buchstäblichen (somatischen), moralischen (psychischen) und mystisch-allegorischen (pneumatischen) Sinn der Bibel. Dies entsprach durchaus der in jener Zeit verbreiteten Auffassung von der Dreiteilung des Menschen in Körper (soma), Seele (psyche) und Geist (pneuma).

Von sich aus kommt die Philosophie zu keiner neuen Erkenntnis mehr. Die allein wahre Philosophie ist die göttliche Offenbarung, in der alle Wahrheiten enthalten sind.

4. Der unbegreifbare Gott und die ewige Welt

Ausgangspunkt für das Denken des Origines ist die Einheit Gottes. Gott ist Einer und er ist Geist. Da alle menschlichen Begriffe bezüglich Gott nicht gelten, kann der Mensch nicht sagen, wer er ist.

Hinsichtlich der Welt lehrt Origines eine Schöpfung aus dem Nichts. Diese aber versteht er als eine ewige, weil Gottes Güte ein ewiges Objekt brauche. Aber nicht die jetzige Welt ist ewig, es gingen ihr schon unzählige voran, wie ihr auch noch unzählige folgen werden.


Origenes in einer Handschrift der Bayerischen Staatsbibliothek
(Codex Monacensis Clm 17092, fol. 130)
5. Der Mensch

Die erste Welt bestand aus Geistern von gleicher Vollkommenheit. Denn Gott veranlasste nichts, seine Gaben verschieden auszuteilen. Auch die Seelen der Menschen waren damals schon unter jenen Geistern. Wenn es zu einer Abstufung der Geister kam, so liegt diese in der Willensfreiheit begründet. Die Geister, die zu schlecht waren, um Engel zu werden, aber zu gut, um Teufel zu sein, wurden zu Menschen. Für sie wurde zur Strafe die materielle Welt geschaffen, sie wurden in einen materiellen Körper verbannt. Noch immer steht der Mensch in der Entscheidung. Er kann zum Engel aufsteigen, aber auch zum Teufel absinken. Origines ist vom endgültigen Triumph des Guten überzeugt. Die Leiden tragen zur Läuterung des Menschen bei. Gute Engel helfen den Menschen. Teufel bieten durch Versuchungen den Menschen Gelegenheit zur Bewährung. Der Logos selbst stieg auf die Erde, um die Menschen zu erlösen. Nach dem Grad der Besserung wird jeweils die alte Welt zerstört und eine aus einer feineren Materie erschaffen, bis alle Geister wieder für die reine Geistigkeit reif sind. Wie durch Feuer werden noch die letzten Unreinheiten getilgt. Am Ende wird jede Bosheit gesühnt sein. Selbst in den Teufeln wird wieder die ursprüngliche Schönheit erstrahlen. Ist aber wieder alles zu Gott zurückgekehrt, so wird Gott wieder im reinen Geisterreich herrschen und er wird alles in allem sein.
Origines nahm den aus der griechischen Philosophie stammenden Begriff der Apokatastasis* auf, um seine theologische Lehre von der Wiederherstellung aller Dinge am Ende der Zeiten zu bezeichnen. Durch den Abfall der geschaffenen Wesen vom Schöpfer kam es zu dieser Wirklichkeit, die wir kennen, doch wird der verlorene Zustand wieder hergestellt durch die Versöhnung und Einheit aller Wesen mit Gott, sodass jene Ordnung wieder hergestellt wird, wie sie am Anfang gewesen sein soll.




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