Eine kurze Biographie des Thomas von Aquin

Fra Angelico, Thomas v. Aquin
gemalt von Fra Angelico (1395 - 1455)

Thomas von Aquin wurde 1224/25 auf Burg Roccasecca in der Nähe von Neapel geboren. Er besuchte die Klosterschule in Montecassino. 1239 ging er an die Universität von Neapel, die Friedrich II. als Gegengewicht zur päpstlichen Universität Bologna gegründet hatte, um dort die Artes liberales zu studieren.

In diese Zeit fielen zwei Grundentscheidungen für sein Leben. Er studierte die Logik und die Naturphilosophie des Aristoteles und fand in ihm einen Autor, der ihn sein ganzes Leben beschäftigte. Hier lernte er auch die Dominikaner kennen und trat diesem Orden 1244 bei. Die Familie lehnte den Ordenseintritt ab und ließ Thomas gefangen nehmen. Ein Jahr dauerte dieser familiäre Umstimmungsversuch, bis er schließlich in den Orden zurückkehren konnte.

Von 1245 bis 1248 war er Student in Paris, wo er als Bruder im Kloster Saint Jacques lebte. 1248 ging er mit Albert dem Großen, seinem Lehrer, für vier Jahre zu den Dominikanern nach Köln. 1252 kehrte er nach Paris zurück und begann als Baccalaureus mit der Lehrtätigkeit, die in der Kommentierung der Sentenzen des Petrus Lombardus bestand. In dieser Zeit griff er auch in die Diskussion um die Anerkennung der Bettelorden ein. 1256 wurde er zum Magister und damit als Lehrstuhlinhaber eingesetzt. 1259 rief man ihn nach Italien zurück. Dort wurde er Lehrer am päpstlichen Hof, der an verschiedenen Orten residierte. In Italien schloss er ein schon in Paris begonnenes großes Werk ab, die Summa contra Gentiles (Handbuch gegen die Heiden).

Mehrmals wollte ihn der Papst zum Erzbischof von Neapel ernennen, doch Thomas lehnte ab. 1266 begann er das Werk, das ihn in der Theologiegeschichte unsterblich machen sollte: die Summa Theologiae, eine Gesamtdarstellung der Theologie. Sie war als Lehrbuch für Anfänger des Theologiestudiums gedacht und sollte die als Lehrbuch gebräuchlichen Sentenzen des Petrus Lombardus ersetzen.

In Paris war inzwischen eine Auseinandersetzung um die Averroisten und um Aristoteles entflammt, sodass die Dominikaner ihren besten Mann zurückriefen. 1269 bis 1272 erlebte Thomas so die aufreibendsten Jahre seines Lebens in Paris. Danach wurde er nach Neapel gerufen, wo er im Auftrag König Karls von Anjou an der Universität die theologische Fakultät aufbauen sollte. Eine Zäsur im Leben des Thomas von Aquin wurde der 6. Dezember 1273. Während er die Messe las, wurde ihm eine alles umstürzende Erfahrung zuteil, die manche als Vision und mystisches Erlebnis, andere als Nervenzusammenbruch gedeutet haben. Er schrieb oder diktierte von dem Augenblick an keine Silbe mehr: Die Summa Theologiae bricht mit der Frage 90 des dritten Buches ab. Als sein Sekretär ihn drängte, die Arbeit fortzusetzen, sagte er: „Ich kann nicht mehr, denn alles, was ich geschrieben habe, scheint mir wie Stroh zu sein.”

1274 reiste Thomas nach Lyon, um dort am Konzil teilzunehmen, erkrankte jedoch auf dem Weg dorthin und starb am 7. März 1274 in der Zisterzienserabtei Fossanova.

1277 wurden in Paris auch Sätze von Thomas verurteilt. Die Dominikaner hielten ihm dennoch die Treue, während die Franziskaner heftig gegen ihn agitierten. 1323 wurde Thomas dann vom Franziskanerpapst Johannes XXII. heiliggesprochen. Zum Kirchenlehrer wurde er 1567 durch Papst Pius V., einen Dominikaner, erhoben. Der Gedenktag des heiligen Thomas von Aquin war bis in das 20. Jahrhundert sein Todestag, der 7. März. Seit der Reform des kirchlichen Kalenders durch Papst Paul VI. ist es der 28. Januar, der Tag der Überführung der Reliquien des Heiligen in die Kirche der Jakobiner in Toulouse.

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