2. Das Fiasko* des dogmatischen Christentums und ...

Der Katechismus* der Katholischen Kirche beginnt mit den Sätzen:

Gott ist in sich unendlich vollkommen und glücklich. In einem aus reiner Güte gefassten Ratschluss hat er den Menschen aus freiem Willen erschaffen, damit dieser an seinem glückseligen Leben teilhabe. Deswegen ist er dem Menschen jederzeit und überall nahe.*

Das Christentum hat dieses Grunddogma bis in die kleinsten moralischen Imperative durchzuhalten versucht. Allerdings um einen hohen Preis. Die Wirklichkeit menschlicher Erfahrungen und essenzielle Aussagen der Schriften des Neuen Testaments über Jesus von Nazareth wurden völlig an den Rand gedrängt.

Der Mensch mit seinen Erfahrungen von Leid, Unrecht, Angst und eigener Unzulänglichkeit steht staunend vor diesem Dogma eines glückseligen Gottes. Zwar ist das Leid als religionskritische Frage bereits bei den skeptischen Philosophen der griechischen Antike zu finden, die meinten, wenn Gott existiert, müsste er die Übel dieser Welt verhindern.

Doch führte diese Diskrepanz zwischen Lehre und Erfahrung im Christentum zu weiteren Erklärungsversuchen, welche zwar das Dogma aufrecht erhalten sollten, sich dadurch aber immer mehr von der menschlichen Realität entfernten. Der tiefe Grund für diese Verrenkungen im Christentum liegt in der Unfähigkeit, über Gott zu schweigen und sich mit jenen raren Aussagen, welche über ihn im Zentrum des Christentums stehen, zu begnügen. Der süße Duft des Wohlfühlens, welches heute in den westlichen Kirchen seine Schwaden ablagert, tut sein Übriges.

Zwei zentrale Aussagen, eine auf das Selbstverständnis des Jesus von Nazareth bezogene und eine auf die sogenannte christliche Moral bezogene, befinden sich an den Wurzeln des Christentums.