Antoniter



Dieses Detail des Isenheimer Altares zeigt Antonius Abbas und einen am Antoniusfeuer Erkrankten

Der nach dem ersten christlichen Mönch Antonius Abbas, welcher im 3./4. Jahrhundert lebte, benannte Antoniterorden widmete sich vorwiegend der Krankenpflege, besonders der Vergiftungsopfer durch die Alkaloide im Mutterkorn. Die grauenhaft entstellten Kranken, welche an unsäglichen Schmerzen litten, wurden in etwa 350 Hospitälern betreut. Mit der Entdeckung des Zusammenhangs zwischen mit Mutterkornpilz befallenem Getreide und der als Antoniusfeuer bezeichneten Krankheit im Jahre 1597 durch die Medizinische Fakultät der Philipps-Universität Marburg sank die Zahl der Erkrankungen rasch. Deshalb ging die Bedeutung des Ordens stark zurück. Der im elften Jahrhundert gegründete Antoniterorden wurde durch ein päpstliches Dekret 1777 in den Malteserorden eingeordnet.

Zu den Attributen des Antonius Abbas zählte ein t-förmiger Stab. Dieser Stab wurde Antoniuskreuz genannt. Da es dem griechischen Buchstaben Tau ähnelte, nannte man es auch Taukreuz. Manche sahen in ihm einen Verweis auf die Krücken der vom Orden gepflegten Kranken.

Die Präsenz der Antoniter ist trotz ihrer bereits über zwei Jahrhunderte währenden Inexistenz durch den Isenheimer Altar* immer noch spürbar. Der Orden war durch zahlreiche Stiftungen allmählich zu Reichtum gelangt, welcher vor allem in der Anschaffung repräsentativer Sakralgegenstände seinen Ausdruck fand. Der spektakulärste war wohl der Wandelaltar des Matthias Grünewald, der im Kloster des elsässischen Städtchens Isenheim aufgestellt wurde. Mathis Gothart Nithart, um 1475 in Würzburg geboren und 1528 in Halle gestorben, ist der Schöpfer dieses großartigen Altares. Nahezu vergessen, besann man sich seiner erst wieder im 19. und im 20. Jahrhundert. Heute zählt man sein Werk zu den bedeutendsten Kunstwerken des christlich geprägten Europa. Obwohl seiner liturgischen Aura beraubt, ist die Wirkung dieses Altares immer noch einzigartig. Warum erfasst manche angesichts dieses sakralen Kunstwerks eine nicht geleugnete Erschütterung? Warum vergisst man Zeit und Raum angesichts der Wucht und der Intensität dieses religiösen Universums? Warum verwirrt der Flügelaltar Jahrhunderte nach seiner Entstehung immer noch die Besucher, auch die jede religiöse Bildung entbehrenden? Geschaffen wurde der Altar, um den von Wahnvorstellungen geplagten Kranken, die im Kloster gepflegt wurden, Trost zu spenden. Trost widerfuhr aber nicht den Kranken allein, sondern allen Besuchern, welche erkannten, dass Schmerz, Leid und alle anderen Schicksalsschläge niemanden verschonen. Der geschundene Leib des Jesus von Nazareth verwies auf das zentrale Geheimnis des Christentums, dass der Schmerz bis in Gott hineinreicht.

Der Isenheimer Altar