David Bowie



2015 in New York
Seeing more and feeling less
saying no but meaning yes
this is all I ever meant,
that’s the message that I sent . . .

Diese Zeilen finden sich auf David Bowies Album Blackstar, das an seinem 69. Geburtstag, zwei Tage vor seinem Tod, veröffentlicht wurde. Sie stammen aus dem letzten Song dieses Albums: I can’t give everything.

Blackstar ist ein grandioses, düsteres Werk von einem anderen Stern, weit weg vom heutigen Mainstream. Unabweislich ist der Gedanke, ob die furchtsam-bebende Gesangsstimme sich gegen die schwermütigen Klangfluten behaupten kann. Es entsteht der Eindruck, als wollte David Bowie Töne anschlagen, um einem neuen Thema gerecht zu werden: dem Tod. Sein Halbbruder litt an Schizophrenie und nahm sich 1985 das Leben. David Bowie deutete an, dass er keine Identität kenne. Als Symptom dafür kann sein ständiges Changieren zwischen Rock, Soul und Jazz gesehen werden. Blackstar ist der Ausdruck der Zerrissenheit eines begnadeten Künstlers, der keine innere Ruhe gefunden zu haben scheint. Man hört die Brüchigkeit seiner Stimme. Nichts wird klangtechnisch verdeckt. Die vielen Nuancen seines Timbres werden genützt, sodass sein Gesang fast erhaben wirkt.

David Bowie wurde am 8. Januar 1947 im Londoner Stadtteil Brixton als David Robert Jones geboren. In den 60er Jahren wählte er als Künstlernamen das nach seinem Erfinder James Bowie benannte Messer. Stilistisch fügte er sich keinen Einschränkungen, sondern gestaltete alle Richtungen der Musik seiner Zeit nach seinen Vorstellungen, ohne einer austauschbaren Beliebigkeit zu erliegen. Er sang von den fremden und verwirrenden Welten, die der Mensch in sich selbst spürt, und von der Verlorenheit des Einzelnen.

David Bowie lebte in London, Berlin, zwei Jahrzehnte in der Schweiz, erst bei Vevey und dann in Gstaad, schließlich in New York, wo er auch starb. Er führte ein zurückgezogenes Leben mit seiner Frau Iman, mit der er in zweiter Ehe seit 1992 verheiratet war.

„Nein, ich bin nicht David Bowie“, soll er geantwortet haben, wenn Fans und Passanten ihn auf der Straße um ein Autogramm baten. Dies war wohl nicht einmal gelogen. Denn David Bowie, das war der andere, der schillernde Typ auf den Bühnen der Welt.




   
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