Die Geschichte wird es aufbewahren: daß am Morgen des 6. Oktober 1789 der König und die Königin von Frankreich nach einem Tage voll Verwirrung, Schrecken, Greuel und Blutvergießen sich niedergelegt hatten, um unter dem Panier ausdrücklich verpfändeter öffentlicher Sicherheit die ermattete Natur durch wenige Stunden der Erholung und einer fieberhaften, melancholischen Ruhe zu erquicken. Aus diesem Schlaf schreckte die Königin die Stimme des Wächters an ihrer Tür auf, der ihr zuschrie, daß sie sich retten sollte, daß dies der letzte Dienst wäre, den er ihr leisten könnte, daß er seinen Tod vor Augen sähe, daß er jetzt unterläge. Augenblicklich ward er darniedergehauen. Eine Rotte heilloser Räuber und Mörder brach, triefend von Blut, in das Zimmer der Königin ein und durchstach mit hundert Bajonetten und Dolchen das Bette, von welchem diese verfolgte Frau nur soeben geflohen war, um auf Wegen, welche die Kannibalenhorde nicht kannte, ihre letzte Zuflucht zu den Füßen eines Königs und eines Gemahls zu nehmen, der sein eigenes Leben nicht einen Augenblick in Sicherheit sah.

Nachdem dieses vollbracht war, zwangen sie diesen König und diese Königin und ihre zarten Kinder (die sonst der Stolz und die Hoffnung eines großen und edelmütigen Volks gewesen wären), das Heiligtum des glänzendsten Palastes der Welt, schwimmend in Blut, besudelt durch Mörderfußstapfen, mit zerstückelten Gliedern und verstümmelten Leichnamen besät, zu verlassen. Von hier führte man sie in die Hauptstadt ihres Reichs. Zwei junge Edelleute von den besten Familien waren ausgesondert worden, als das Mordschwert ohne Veranlassung, ohne Widerstand und ohne Ansehen unter den braven, treuen, schuldlosen Leibgarden des Königs gewütet hatte. Diese beiden unglücklichen Jünglinge wurden mit allem Pomp einer gerichtlichen Exekution öffentlich zum Volk geschleppt und im großen Schloßhofe barbarisch enthauptet. Ihre Köpfe, auf Spieße gesteckt, eröffneten den Zug, und die königlichen Gefangenen, die ihnen folgten, wurden langsam dahergezogen, mitten unter dem schmetternden Gejauchze und dem gellenden Zetergeschrei und den scheußlichen Tänzen und den niedrigsten Schmähworten und den wütendsten Verwünschungen höllischer Furien, die die lügenhafte Gestalt der verworfensten Weiber angenommen hatten. Nachdem sie so, auf der langsamen Folter einer Reise von drei Meilen, die in sechs grausame Stunden ausgereckt wurde, alle Qualen des nahen Todes und mehr als die Bitterkeit des Todes geschmeckt, Tropfen für Tropfen geschmeckt hatten, wurden sie unter einer Leibwache von denselben Soldaten, welche die Anführer dieses unglaublichen Triumphs gewesen waren, in eins der alten Schlösser von Paris eingesperrt, das nunmehr in eine Bastille für Könige verwandelt worden war.

Edmund Burke: Betrachtungen über die Französische Revolution, 1790