Chaos und Chronos



Konstantin Grußmann: Chaos und Chronos, 2010

Das Denken ist die schlimmste Form der Ausschweifung. Doch es gibt Schlimmeres – das Nichtdenken. So bleibt uns in der Zeit, die wir letztlich als unserem eigenen Ende zulaufende begreifen, und in einem Universum, welches uns als stummes und dreistes Chaos entgegentritt, bloß unser eigenes Denken, mit dem wir unsere Gefühle zu begreifen und unsere Welt zu verstehen versuchen. Schleudern wir jedoch Chaos und Zeit mit störrischem Trotz und Verachtung unser karges Denken entgegen, verfangen wir uns schnell in den mit Deutungshoheit gewobenen Netzen selbstgemachter Ideologien.

In vorgriechischer Zeit, etwa im Alten Ägypten, sah man die Welt vielfach als einen vom Scheitern bedrohten Prozess, welcher durch Riten in Gang gehalten werden muss. Die Kalender dieser alten Kulturen dienten weniger der Messung der Zeit als vielmehr der Aufrechterhaltung der Ordnung. Heilige Riten sollten auf den Weltzusammenhang einwirken, um die kosmische Ordnung aufrecht zu erhalten.

Die beiden lateinischen Wörter tempus (= Schläfe, Zeit) und templum (= Abgegrenztes Gut, Heiligtum) lassen eine enge Verwandtschaft erkennen, welche auf diese Vorstellung hinweist.

1. Hesiods Mythen und Platons Weisheit

2. Das Goldene Zeitalter

3. Chaos

4. Die verderblichen Ordnungssysteme der Weltveränderer

5. Zeitgeist

6. Pa-necheb. Eine Erzählung