Sein zum Tod



Luc Tuysmans, geboren 1958 in Mortsel, Belgien

Mit dem Sein zum Tod ist eine existenzielle Hinwendung gemeint. Sich des eigenen Todes andauernd bewusst zu sein, ist unmöglich und wäre sinnlos. Auch wenn der Tod lediglich erwartet wird, ist dies eine bloß distanzierte Betrachtung. Vielmehr geht es darum, dass sich das menschliche Dasein seiner Endlichkeit bewusst wird. Denn in dieser seiner reinsten Eigentlichkeit entreißt sich das Dasein dem Man und entfaltet seine pure Individualität. Es entwirft sich auf sich selbst hin, nicht auf die durch das Man vorgegebenen Ablenkungen. Erst angesichts des Todes kann der Mensch Prioritäten setzen, die sich auf ihn selbst beziehen und nicht in einem belanglosen Weltgeschehen untergehen.

Den Tod jedoch so an den Rand zu drängen, dass es fast den Anschein erweckt, als würde dieses Thema eine gesellschaftliche Taktlosigkeit darstellen, was heute auch oft der Fall ist, zeigt den Unwillen, der Realität des Todes nicht auszuweichen. Es gibt viele Gründe, welche dieses Ausweichen fördern und den Menschen in seine Uneigentlichkeit drängen. Vier sollen hier näher beleuchtet werden: das Man, die Neugier, das Gerede und die Sorge.


   
Seitenanfang
Seitenende