Pieter Claesz, 1596 – 1660: Vanitasstillleben, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Prunk und Vergänglichkeit

Prunk, Alltägliches und Vergänglichkeit sind die Themen der Stilllebenmalerei.

Die Sujets des Stilllebens sind viele. Sie zeigen den toten Christus ebenso wie ein Stückchen Brot. Manchmal erscheint das von der Stilllebenmalerei aufgenommene Thema der Vergänglichkeit als kapriziöse Spielerei. Doch hinter der verspielten Oberfläche steckt eine bittere Wahrheit. Aus jedem Stillleben scheint die Erkenntnis der Einsamkeit, welche jedes Lebewesen von jedem anderen trennt, zu sprechen. Das Leben ist kein großartiges, lohnendes Geschenk. Ungefragt wird es mit der Tatsache seines Daseins und seines Untergehens konfrontiert. Es gibt keine Erfüllung, keine Erlösung, nur den Tod. Doch gibt es auch das Berührtwerden von der Schönheit und der Pracht all des Vergänglichen. Das bewirkt dann manchmal jene für Augenblicke glücklich machende Einsamkeit, welche allerdings nicht vergisst, dass jede Schönheit zu Ende gehen wird.

Pieter Claesz scheint genau dies zum Thema seines Bildes gemacht zu haben. Alle darauf zu sehenden Gegenstände, die aufgeklappte Uhr, die Viola und schließlich die Bücher, weisen auf die menschliche Erfindungsgabe, die Freude an der Musik und die wissenschaftlichen Erkenntnisse hin. Doch gleichzeitig verweist die Uhr auf die verrinnende Zeit, das Streichinstrument auf das Verklingen der schönsten Töne und der auf den Büchern abgestützte Totenschädel auf die Unergiebigkeit allen Wissens. Der einzige Hoffnungsschimmer zeigt sich dem eingeweihten Betrachter neben dem ungestürzten Römerpokal in der aufgebrochenen Walnuss. Sie symbolisierte immer schon die Auferstehung Christi, der die unerbittlichen Fesseln des Grabes gesprengt hat.

Doch das Bild enthält noch eine weitere Reflexionsebene. Auf der dem Totenschädel gegenüber liegenden Seite befindet sich eine Glaskugel. Auf dieser spiegelt sich der Maler, welcher die zunächst eindeutig erscheinende Aussage des Bildes zu konterkarieren scheint. Denn die Spiegelung auf der Glaskugel könnte so gedeutet werden, dass der Maler den Versuch unternimmt, der Vergänglichkeit und dem Tod die alleinige Deutungsmacht zu nehmen. Er malt all diese Dinge, um sie dem Vergessen zu entreißen.


   
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