Erland Josephson als Nietzsche im Film ‚Jenseits von Gut und Böse’ von Liliana Cavani

Friedrich Nietzsche

Warum immer wieder Nietzsche?
Er proklamierte gewissermaßen das Ende der Metaphysik und sprach von der ewigen Wiederkehr des Gleichen als der Mitte des Nihilismus, mit welcher er das sinnlose Sein der Wirklichkeit zu beschreiben versuchte. Er kritisiert vor allem, dass seit Platon Metaphysik zu einer Wertephilosophie verkommen sei. Überall wird das unmittelbar vorhandene Sinnliche an einer Wünschbarkeit, an einem Ideal gemessen, sei es das Übersinnliche, das Sittengesetz, die Vernunft, der Fortschritt, das Glück, auf das die Menschen ein Recht hätten. Der menschlichen Realität werden Ideen aufgesetzt, welche die Wirklichkeit entwerten und den Menschen in jenen Abgrund stürzen, in dem er gelähmt außer Stande ist, das Leben wahrzunehmen, weil er vor Ideen auf die Knie gefallen und zerbrochen ist. Nihilismus ist nach Nietzsche in seiner klarsten Form das Dasein, so wie es ist, ohne Sinn und Ziel, ohne ein Finale. In seiner Lehre von der ewigen Wiederkehr des Gleichen, aus dem es kein Entrinnen gibt, versuchte er das ewig Sinnlose auszudrücken. Nietzsche sah darin die extremste Form des Nihilismus, die nur wenige ertragen können.

Nietzsche bejaht nur das, was sich dem Verlangen nach einem Finale, einem Endgültigen widersetzt. Aber dafür müssen die Totalitäten, also die vermeintlichen Ziele der Geschichte und die letzten Wahrheiten überwunden werden, auch jede Bezauberung durch Kunst und Musik. Der Nihilismus stellt die Fassaden menschlicher Wahrheitsbaukünste bloß und eröffnet den Blick auf eine grenzenlose Leere. Es gibt keinen Sinn und kein Ziel. Das Nichts ist das Sinnlose auf ewig.

Dem gegenüber steht jene Haltung, welche Nietzsche eigentlich für lächerlich hält, wenn sie nicht so verderblich wäre. Verderblich nennt er sie, weil sie dem Menschen Glück vorgaukelt, das er Weide-Glück nennt:
Was sie mit allen Kräften erstreben möchten, ist das allgemeine grüne Weide-Glück der Heerde, mit Sicherheit, Ungefährlichkeit, Behagen, Erleichterung des Lebens für Jedermann; ihre beiden am reichlichsten abgesungnen Lieder und Lehren heissen „Gleichheit der Rechte“ und „Mitgefühl für alles Leidende“, – und das Leiden selbst wird von ihnen als Etwas genommen, das man abschaffen muss.*

Nietzsche sieht im Menschen letztendlich aber eine Hoffnung, beinahe eine Gewissheit, als ob mit ihm sich Etwas ankündige, Etwas vorbereite, als ob der Mensch kein Ziel, sondern nur ein Weg, ein Zwischenfall, eine Brücke, ein großes Versprechen sei*.


   
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