Paulus in Athen

Die im alten Griechenland entstandene und verbreitete Haltung der Lebensbejahung und des illusionslosen Akzeptierens des in der gesamten Natur erkennbaren Vergehens und des Todes wurde durch das Christentum bald an den Rand gedrängt. Paulus wurde zwar auf höfliche Weise zu verstehen gegeben, dass man mit ihm über das Leben nach dem Tod ein andermal sprechen wolle, doch ist leicht zu erkennen, dass man es als Zeitvergeudung betrachtete, dieses Thema in der paulinischen Form aufzugreifen.
Mit einfachen Worten und doch sehr klar berichtet die Apostelgeschichte in ihrem siebzehnten Kapitel von diesem merkwürdigen Zusammentreffen der Auffassung der Griechen und des paulinischen Konzepts des noch jungen Christentums über den Tod. Eine Synthese dieser Auffassungen konnte es nicht geben.
Dies zeigte sich spätestens Ende des vierten Jahrhunderts im Umgang der Kaiser mit den Mysterien von Eleusis. Die Mysterien, über die es aufgrund eines rigoros eingehaltenen Schweigegebots keine nennenswerten Aufzeichnungen gibt, bezogen sich auf Dionysos, Demeter und Persephone.
Der letzte römische Kaiser, der in die Mysterien von Eleusis eingeweiht wurde, war Julian Apostata, diesen Beinamen – der Abtrünnige – erhielt er von seinen Gegnern, da er die alte römische Religion wieder aufleben lassen wollte. Doch das Christentum war nicht mehr aufzuhalten.
Die antike Welt der Griechen versank spätestens 395. Die Mysterien von Eleusis, welche für die griechische Identität eine so wichtige Rolle spielten, wurden im Jahr 392 durch den römischen Kaiser Theodosius verboten. Mit der Zerstörung des Tempels in Eleusis im Jahre 395 durch den Gotenkönig Alarich, in dessen Gefolge sich arianische Horden befanden, gerieten die Mysterien allmählich in Vergessenheit.

Alle Athener und die Fremden dort taten nichts lieber, als die letzten Neuigkeiten zu erzählen oder zu hören. Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Athener, nach allem, was ich sehe, seid ihr besonders fromme Menschen. Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: Einem unbekannten Gott. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. Er lässt sich auch nicht von Menschen bedienen, als brauche er etwas: er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt. Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt. Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seiner Art. Da wir also von Gottes Art sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung. Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, lässt jetzt den Menschen verkünden, dass überall alle umkehren sollen. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte. Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.