Purgatorio



Domenico di Michelino, 1417 – 1491, Fresko in der Kathedrale Santa Maria dei Fiore in Florenz.
Dante Alighieri zwischen Hölle und Himmel, im Hintergrund der Läuterungsberg

Dante besingt im zweiten Teil seiner Göttlichen Komödie, dem Purgatorio, jenes Reich, wo der Menschengeist sich reinigt und würdig wird, zum Himmel aufzusteigen. Die beiden anderen Reiche sind Himmel und Hölle.

Dante nahm an, Satan habe, als er vom Himmel zur Erde stürzte, ein gewaltiges trichterförmiges Loch in die Erde gerissen, das bis zum Erdmittelpunkt reicht, wo er seitdem im Eise steckt. Die Erdmasse, welche er dabei verdrängte, sei auf der anderen Erdhälfte, die sich Dante als nur mit Wasser bedeckt vorstellte, als ein riesiger Berg aus dem Ozean heraus getreten. Er nennt diesen Berg Läuterungsberg. Die Seelen besteigen ihn, bis sie oben auf der äußersten Hochebene das irdische Paradies erreichen. Diese von Thomas von Aquin als Fegefeuer bezeichnete Zwischenstufe ist bei Dante keine Strafkolonie, sondern eine Zone der Selbstreinigung.

Dante charakterisiert sie auf zweifache Weise:
In der Hölle bewegt sich nichts. Man befindet sich an jenem aussichtslosen Ort, wo der Platz für die Sünder des eigenen Schlags ist. Im Purgatorium hingegen herrscht rege Tätigkeit. Die Sünder klettern den Berg empor im Bestreben, das Paradies zu erreichen. Dieser Aufstieg auf den Läuterungsberg ist mühsam. Denn es kostet Kraft, sich zu läutern. Doch durch die Läuterung der Seele rückt Vergebung in ihre Reichweite. Der die Mühen der Läuterung auf sich Nehmende ist somit ein handelndes Subjekt und nicht bloß Objekt eines grausamen Schicksals. Sein Bestreben ist es, dem Geist den Körper und der Vernunft die Leidenschaften zu unterwerfen. Die Tugend strebt er als das einzige Gut an, das die Laster überwindet. Die Strenge gegen sich selbst ist zugleich eingebettet in die Güte gegenüber der Unvollkommenheit anderer.

So wird Dantes Beschreibung des Läuterungsberges zu einer Aufforderung, bereits auf Erden zu beginnen, sich von charakterlichen Schwächen und Fehlern zu befreien. Dieser Mahnruf Dantes hat die europäische Spiritualität nie losgelassen.

   


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